Türchen 7 – Der Verehrer. ADORATOR von Cedrus aus der Alana von Agar

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Die Homepage des Trakehner Verbandes titelte im Februar 2014: „Mit Adorator körte der Verband erstmals einen Hengst, der nicht nur in Polen gezüchtet wurde, sondern auch in polnischem Besitz steht. Züchter des sehr sportlichen dreijährigen Hengstes ist Krysztof Wojsiat, Besitzer des eben gekörten Adorator ist Marek Przeczewski aus Milakowo. Adorator zeigte sich in Münster mit großer Galoppade und viel Mechanik und Aktion im Trab. Souverän zeigte sich der Trakehner Hengst auch bei der Pflastermusterung und im Freispringen. Adorator geht über seinen Großvater mütterlicherseits, Agar, auf den in der Warmblutzucht so erfolgreichen Veredler Hyperion xx zurück, väterlicherseits u.a. auf den Trakehner Poprad, eines der erfolgreichsten Trakehner Springpferde (7. Platz Olympische Spiele 1972). Wie sein Halbbruder führt Adorator mit über 50 Prozent einen hohen Vollblutanteil.“

Der Halbbruder, auf den man sich dort bezieht, ist der in 2010 geborene AVATAR von Ajbeck, ebenfalls aus der Alana von Agar. Hier handelt es neben der Tatsache einer Geschwisterverpaarung (beide sind Nachkommen des Agar) auch um eine Zusammenführung von bewiesenen Hochleistungslinien und viel Blut. Avatar war der beste Springer seines Körjahrganges 2012 und ist mittlerweile sehr erfolgreich in der Vielseitigkeit unter Miriam Bray (BAY) unterwegs. Noch mit Avatar bei Fuß wurde Alana mit Cedrus, demSchim­melhengst aus dem Gestüt Liski verpaart. (v. Ogar a.d. Cerkwica v. Kondeusz aus der Hengstlinie des Pilger). Wieder Hochleistung und wieder viel Blut. 2011 kam aus dieser Verpaarung ihr zweiter, später gekörter Sohn zur Welt: Adorator. 2013 stellte Alana erneut ein Hengstfohlen, dass schon in ganz jungem Alter eine internationale Kommission zu überzeugen wusste und das bestbewertetste von fast 70 Trakehner Fohlen des Jahrganges wurde: All in One von All Inclusive aus der Zucht von Monika Machlowicz Wojsiat aus Szabruk.

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Adorators Pedigree ist wohltuend „osteuropäisch“! – Ob Russland, Polen, Litauen oder Tschechien – es ist scheint ganz egal, in diesen Ländern wird immer noch fest mit den Nachfahren der vier „Pfeiler“ des Hauptgestütes – Pythagoras, Pilger, Polarstern und Ararad – gezüchtet. Das Ganze dann angereichert mit einem ordentlichen Schuss Blut und fertig ist das Lesitungspferd. Egal für welche Disziplin! Und so verwundert es nicht, dass Adorator seine Leistungsprüfung in 2014 in Polen gewinnen konnte. Im Anschluss daran wurde er dann zunächst in der Dressur gefördert  – mit Erfolg: 2015 wurde er Vize-Landes-Champion der vierjährigen Dressurpferde in Polen und dann, quasi direkt aus der Platzierung raus, reiste er in seine neue Heimat nach Deutschland. Neuer Besitzer wurde Joachim Hachmeister, neuer Bereiter Jens Hoffroge.

995333_998942553523326_7558217543063564622_nIm Stall Hoffrogge begann nun die vielseitige Förderung und auch das natürlich mit Erfolg. Eine fulminante Turniersaison 2016 folgte, bei sechs Starts in Geländepferdeprüfungen der Klassen A* und A** konnte er vier Mal siegen, war einmal zweit- und einmal drittplatzierter. Auch die eine Eignungsprüfung Klasse A mit Gelände konnte er als bester von 24 Teilnehmern für sich entscheiden. Und das immer mit Traumnoten jenseits der 8. Adorator ist nicht nur mit Schick und Adel versehen, sondern auch sportlich bislang in allen Klassen altersgemäß Spitze!

12974295_998942383523343_5328309901069540377_nHatte er bereits die Trakehner Gemeinde positiv anlässlich seiner Körung in Handorf 2014 gestimmt, so überzeugte er 2015 weiter gereift Züchter aller Verbände schon im März auf seiner ersten öffentlichen Präsentation. Eine Besucherin berichtete in einem Internetforum: „Adorator hatte gestern seinen ersten öffentlichen Auftritt in diesem Jahr auf der Präsentation bei Hinnemann auf dem Krüsterhof. Ich habe ihn das erste Mal seit seiner Körung dreijährig im Frühjahr in Handorf wiedergesehen und war schwer beeindruckt. Jens (Anmerkung – gemeint war Jens Hoffrogge, Adorators ständiger Reiter) ist verletzt, der Hengst wurde daher von einem Mädel geritten, die selber noch ganz aufgeregt war und ich weiß wie schwer das ist, ein junges Pferd vor einer derart veränderten Kulisse zu reiten. Die Halle war proppevoll mit Gastronomie, Bestuhlung und natürlich Zuschauern (gut 500 werden es wohl gewesen sein) und Beschallung/Moderation (auf laute Musik und Krach wurde dankenswert verzichtet, das Ganze war eine Lehrveranstaltung und keine Spektakelschau, entsprechend hatte jeder Hengst die Möglichkeit, sich reell in gut 10 Minuten einzufinden und zu entwickeln. Schön für die Zuschauer, weil die sich so ein ebenso reelles Bild von ihren Kandidaten machen können).

Der erste Eindruck war: Der benimmt sich aber echt gut! Der zweite Eindruck war: Das ist ein fantastisches Pferd! Groß und rahmig (ich hätte ihn nie wiedererkannt von dem schmalen Hühnchen, das er dreijährig noch war) dabei sportlich harmonisch und in keiner Weise schwer. Ein komplettes Pferd mit drei ganz überzeugenden GGA, aber das Beste eigentlich die natürliche Selbsthaltung und der Habitus, natürlich bergauf angelegt in Konstrukt und Ablauf, und das ist nicht selbstverständlich für ein Pferd mit einem so hohen Blutanteil (55%). Alles andere als ein blutgeprägter Vorhandmuckler. Selbiges gilt für die Mechanik im Ablauf, natürliche runde Bewegungsabläufe aus Schulter und Karpalgelenk und hinten eine gesunde Winkelung zum Setzen. Ebenso alles andere als selbstverständlich für ein Pferd mit einem so hohen Blutanteil. Für mich war der Hengst die Entdeckung des Tages und ich darf sagen, das ging mir nicht allein so. Gespräche mit reichlich Anwesenden bestätigten das, darunter eben viele, die den Hengst überhaupt noch nie auf der Karte hatten und sich fragten, wo der denn wohl herkam…[…]... Nach diesem Auftritt war jedenfalls klar, dass der Hengst seinen VizeChampion Dressurtitel im letzten Jahr in Polen nicht aus Verlegenheit gewonnen hatte, nur weil es in Polen vielleicht nichts anderes gibt. Im Gegenteil, unsere Nachbarn im Osten schlafen auch nicht auf dem Baum und selektieren (anders als wir das hier gewohnt sind) nicht nach Farbe sondern in erster Linie nach Leistung .[… ]..Ich kenne nicht viele Hengste die im Hinblick auf Grundgangarten, Rittigkeit und Vielseitigkeit die Ansprüche an ein modernes Sportpferd so bedienen. In den Landespferdezuchten nicht und bei den Trakehnern sicher auch nicht. Der erste Schritt zur Anerkennung auch in der ein oder anderen Landespferdezucht dürfte gestern hoffentlich gemacht worden sein.“

12963799_998942833523298_2462914403299746458_nAdorators Vater Cedrus vertritt ebenso wie sein Sohn die Linie des Pilgers, auf dessen Enkel Traum er in vierter Generation mütterlicher- als auch väterlicherseits in Line gezogen ist. Cedrus‘ Kinder überzeugen heute in allen Altersklassen in Zucht und Sport, hier in allen Sparten der Reiterei. Seine Tochter Kamira aus der Karrera von Apogej siegte in ihrem 60 TT in Polen 2013, war beste von 23 Stuten. Sein Sohn Nefryt siegte im gleichen Jahr in seiner 100-Tage HLP in SO Starogard Gdanski.

Es ist Pilger, der dieses Pedigree dominiert, vornehmlich über seinen bedeutenden Enkel Traum mit seinen Nachfahren, dem Olympioniken Propad und dessen Sohn Aspirant sowie Haakon, der bei Alanas Pedigree zweimal als Muttervater in den fallenden Stämmen von Agar und Kerman vertreten ist. Aber auch der Pilgersohn Ossian, der Vater des Elitehengstes und Kirower Linienbegründers Ostrjak a.d. Sporn-Vollschwester Sportfreude v. Pythagoras wurde, ist vertreten.  Ganz nebenbei bemerkt: In jungen Jahren bewährte sich dieser Hengst in 17 Rennen, von denen er drei gewann und in zehn weiteren hoch platziert war. Dann lief er bin neunjährig Springen, bevor er in die Zucht wechselte. Unter seinen Söhnen haben Egoist, Eol und der Olympionike Topki Weltgeltung erlangt. Propads Sohn Aspirant war Sieger seiner HLP in Polen und wirkte ab 1989 in Moritzburg. Er hinterließ einige gute Sportpferde, erfolgreichtster Trakehner Nachkomme sollte Ulex aus einer Mutter von Ralf sein. Ulex war siegreich in Springen der Klasse M und erfolgreich in Klasse S.

Aber über die Linie des Pilgers haben wir auf dieser HP bereits umfassend an anderer Stelle geschrieben, so dass wir uns dem anderen dominierenden Element zuwenden wolllen, denn jede Menge XX enthält das Pedigree ebenfalls. Linienzucht auf den Gruppe I Sieger Aquino, der später in der Sportpferdezucht hocherfolgreich wirkte. Den Trakehnern ist er unter anderem auch aus dem Pedigree des S-Springhengstes CARUSO NERO bekannt. Gleiches gilt für Deer Leap xx, er ist dort als Muttervater des internationalen Springstars Arcus vertreten.

Weitere klingende Namen kommen mit MANGAN XX, der sich ebenso wie sein Vater Dakota durch besonders sportliche Vererbung – vor allem für die VS – auszeichnete, aber auch einige seiner Töchter fanden in die deutsche Trakehnerzucht: Hans-Ernst Wezel zog aus der Liesken von Mangan xx-Dolus die Hengstmutter Lugowen von Inster Graditz. Oststar von Mangan xx-Aspirant brachte 1998 den Liebestraum-Sohn Olymp, der auch 2016 noch hocherfolgreich in den schweren Springklassen unterwegs ist. Über 80 Platzierungen und Siege in Springender klasse M und S hat der nun mittlerweile bald 19-jährige Wallach auf seinem Konto.

Dakota wurde in Irland gezogen und fünfjährig nach erfolgreicher Rennlaufbahn nach Polen abgegeben, wo er großen Einfluss auf die dortige Vollblutzucht nahm. Seine Nachkommen waren auch als Reitpferde begehrt und zeigten eine gute Eignung für die Vielseitigkeit (u. a. Ibis, PL, Jacek Krukowski / Olympische Spiele Barcelona 1992).

Großvater Stupendous ist ein direkter Sohn des großen Bold Ruler, der über Nasrullah auf Nearco zurückführt. Stupendous lief drei- und vierjährig und gewann bei 35 Starts elfmal und holte einige Platzierungen sowie ca. 250.000 $ Preisgelder. In der Warmblutzucht hinterließ er vor allem Spuren über den Celler Landbeschäler Prince Thatch xx.

Dann aus dem Herkunftsland des berühmten Heraldik xx: Masis xx! Die tschechische Vollblutzucht hatte lange eine einzigartige Stellung in Europa in Bezug auf die Zucht von Vollblut-Hindernis- und Vielseitigkeits-Pferden bzw. vollblutgeprägten Vielseitigkeitspferden. Zu dem in Napajedla gezogenen Masis hieß es in der Tschechischen Busch-Szene lange „Masis -Nachkommen kannst ungesehen kaufen!“

Sicher könnte man sich im Pedigree verlieren, alleine über die Vollblutprotagonisten ließen sich vermutlich Bücher füllen, bzw. wurden schon Bücher gefüllt. Oleander xx, Sicambre xx, Nsarullah xx, Owen Tudor xx…… und so weiter und so fort. Der geneigte, interessierte Leser mag sich in die entsprechende Fachlektüre vertiefen. Wir resümieren an dieser Stelle:

Das Pedigree von Adorator repräsentiert Leistung, dann Leistung und dann nochmal Leistung. Und es kommt dabei ganz ohne Habicht, Kostolany und Arogno aus. Outcross! Wie erfrischend! Wie erfrischend osteuropäisch! Wir freuen uns auf den Einsatz dieses tollen Hengstes als Vatertier!

Welche Farbe? – Ach ja, er ist Schimmel. Aber wen genau interessiert denn die Farbe? 😉

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Ein ganz herzlichen Dank an Sabine Brandt, die ihre Bilder aus der Fotosession am Krüsterhof Hinnemann für diesen Artikel zur Verfügung stellte!

Danke auch an Sigrun Wiecha für das Bild vom Gala-Abend NMS, dass Adorator überm Sprung zeigt!

Hier sind noch ein paar Web-Funde in bewegtem Bild für den der mag:

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