Türchen 20 – Ja wo laufen Sie denn? II

Gestern hatten wir es ja von den „alten“. Die Jahrgänge 2016 bis 2013 sind aufgeteilt in Basis- und Aufbauprüfungen, wobei es Ranglistenpunkte erst ab Starts in den Klassen A gibt. Etwas unfair also für die vierjährigen, die ja auch noch Reitpferdeprüfungen starten dürfen – aber hier gibt es eben nur Geld und nix fürs Puntkekonto. Bei denen springen wir dann was hin un her. Wichtig auch: Hier sind nur die Jungpferdeprüfungen ausgewertet. Erfolge in Regelprüfungen – sofern nennenswert – werden jeweils im Anschluss zur Altersklasse gesondert erwähnt. Die Screenshots enthalten wieder je die Top 30. (Datenquelle: FN Jahrbuch Stand 18.12.2019)

Jahrgang 2013

Mit Weile führt Freiher vom Stein die Riege der sechsjährigen Sportler an. Der aus dem zweiten Jahrgang des Millennium stammende Dressurhengst wurde 2017 bereits dritter im Finale des 4jährigen Dressurpferdes beim Bundeschampionat in Warendorf. Auch 2018 und 2019 qualifizierte er sich in seiner Alterklasse nahm aber nicht mehr teil. Seriensiege in Dressurpferde L und M sorgten für 687 Ranglistenpunkte, womit er klar bester der sechsjährigen Sportpferde ist.

Jetzt würde man meinen, dass bei der starken Ausrichtung auf Dressur, die in weiten Teilen unserer Züchterschaft gepflegt wird auch die folgenden Plätze von Dressur-Youngstern belegt werden, aber gefehlt. Giulia von Abendtanz folgt mit 606 Ranglistenpunkten und die verdiente sie weitestgehend im Springen. Kros von Ajbek belegt Rang 3 mit 386 Punkten aus Spring- und Geländepferdeprüfungen. Erst auf Rang 4 folgt erneut ein Dressurpferd: Special Selection von Imhotep hat wenige Punkte mehr als das Springpferd Tecumseh von Lücke auf dem 5. Platz.

Aufgrund der geringen Fohlenzahl sind natürlich auch Pferd mit weniger als 50 Ranglistenpunkte in den Top 100 enthalten. Ohne deren Leistung schmälern zu wollen, soll ihnen hier dennoch kein Platz eingeräumt werden, denn für Aussagen zur Vererbung ist ja auch eine gewisse Beständigkeit von Bedeutung. Als Vererber tauchen Millennium (5), Kentucky (4) und Hirtentanz (4) mehr als dreimal auf.

Fellini und Sweetwaters Ziethen nahmen am Bundeschampionat teil. Ersterer mit einer sehr schönen – für die Finalerreichung vielleicht ein bisschen braven Runde – bei den Dressurpferden, zweiterer bei den Vielseitigkeitspferden. Dort erreichte er das Finale, hatte top Chancen auf den Sieg, als ein Rumpler die Reise für Ihn und seine Reiterin Sophie Leube leider, leider beendete. Als bestes deutsches Paar platzierten sie sich dann aber Ende Oktober auf dem fünften Platz bei den Weltmeisterschaften der jungen VS-Pferde in Le Lion. Dieser Erfolg fehlt natürlich – so wie alle außerhalb von Deutschland – in der Liste.

Einen besonderen Orden möchten wir dem Wallach RomMille verleihen. Sechsjährig von Millennium aus einer Harlem Go-Gipsy King-Sonnenstrahl – Mutter. Der musste in diesem Jahr maximalen Einsatz zeigen und vermutlich alles rennen, was möglich war. Dressurpferde, Dressur, Dressurreiter…. 1157 Euro in einem Jahr in Klasse A zusammen zu laufen – Respekt! Nicht! – Mit Sicherheit ein tolles, leistungsbereites Pferd, dem wir mehr Wochenenen auf der Weide wünschen würden…

Jahrgang 2014

Die Top 100 gibt es hier nicht, es beschränkt sich auf Top 91 – und damit sind es alle fünfjährigen Trakehner, die im Sport angekommen sind. Zahlen für die gefallenen Fohlen der vom Trakehner Verband veröffentlichten Vieldecker haben wir für diese Jahr auch: 45 x Schwarzgold, 41 x Herbstkönig, 28 x Millennium, 26 x Saint Cyr und 23 x Hancock.

Folgende Hengstnamen finden sich in der 91er-Liste mehr als zweimal: Connery (3), Dürrenmatt (3), Guardian (4), Hancock (5), Herbstkönig (5), Heuberger (3), Hirtentanz (5), Millennium (6), Rheinklang (3), Saint Cyr (5) und Schwarzgold (8). Also alle Vieldecker vertreten, alles gut – oder?

Schaut man nun die Top 30 an (der 30. hat 59 RLP), so bleiben von den Vieldeckern die Imperio Söhne Schwarzgold und Hancock, Saint Cyr und Herbstkönig mit jeweils zwei Nachkommen vertreten.

Bei dieser Grafik haben wir uns mal die Mühe gemacht die Vieldecker mit einem roten „V“ zu kennzeichnen und auch die sportliche Ausrichtung zu farblich zu markieren: Der Busch ist grün, das Springen blau und die Dressur orange.

Stark in vorderster Front sind die Springer: Zauberreigen (1), Ghiavara K (6) und Lennox M (15) verdienten ihre Ranglistenpunkte hauptsächlich über den Stangen. Als Väter: Rheinklang, Avatar und Donauklang.

Dann kommen die Buschis Karlson (2) von Dramatiker, Isselhooks First Sight TSF (7) von Lossow, Skyjacker (10) und Akito 83 (11) von Sixtus, Aslan 74 (12) vo n Tarison, Jagellonica (18) von Special Memories, gemeinsam auf 19: Polartanz 4 von Hirtentanz und Ibsen von Checkpoint, Kealoa M (22) von Schwarzgold, Levican (23) von Laurel, Oman 8 (24) von Solar und last but not least Hohenschmarks Tabytha (26) von Syriano.

11 fünfjährige Trakehner starteten in der Vielseitigkeit auf dem BuCh in Warendorf, vier erreichten das Finale, drei waren unter den besten Zehn. Bundes-Champion wurde Isselhook’s First Sight, Polartanz war 4. Kealoa 6. Im Dressursektor war Bourani bei den fünfjährigen vertreten. Bei den Springpferden keiner, obwohl sich Zauberreigen für den Start qualifiziert hatte.

Jahrgang 2015

Die Top 100 nach Ranglistenpunkten gibt es auch hier nicht, es beschränkt sich auf Top 38 – und damit sind es alle vierjährigen Trakehner, die in Sportprüfungen der Klasse A angekommen sind. 69 sind es im Gesamten, wenn man die Reitpferdeprüfungen mit einbezieht – hier kann aber nur nach Gewinngeldern selektiert werden. Deshalb bekommt der Jahrgang 2015 zwei Betrachtungen.

Zahlen für die gefallenen Fohlen der vom Trakehner Verband veröffentlichten Vieldecker haben wir für diese Jahr auch: 52 x Millennium, 33 x Schwarzgold, 30 x Herbstkönig, 21 x Grimani.

In unseren Top 38 sind Hirtentanz, Impetus und Millennium (17, 24, 31) je drei Mal vertreten. Hervorheben wollen wir bei den RLP- Tops die vierjährigen Spring- und Buschpferde, die Dressurler kommen gleich gesondert bei der Gewinnsumme, da alle auch Reitpferdeprüfungen gelaufen sind.

Antike (9) von Horalas, Nachtlerche (10) von Interconti, Ghiacinta K (13) von Come Close, Portofino 81 (24) von Hirtentanz und gemeinsam auf (28) „unsere“ Engel Maracana von Icare d‘ Olympe AA und Vera Grace von Graziello konnten brereits vierjährig Punkte in Springpferde-Prüfungen sammeln. Ghiacinta K von Come Close wurde unter anderem auch Siegerin des Freispingcups in Neumünster.

Im Busch überzeugten Ivy 25 (5) von Impetus, Herbstfeuer (13) von Laurel und Anthony 113 (21) von Duke of Hearts xx.

Nun zu der Gewinnsummenliste:

69 vierjährige weist die FN nach Gewinnsumme aus und wird mit Weile vom Bundeschampionatsteilnehmer Bourani 5 von Fairmont Hill mit 578 € angeführt. Es folgt mit 411 € Pokerstar von Imhotep und dann auf drei Herbstrot 4 von All Inclusive mit 368 €.

Folgende Hengste sind unter diesen 69 mehr als zweimal vertreten: Fairmont Hill 4x, Hirtentanz, Imhotep und Impetus je 3x, Millennium 8 x und Schwarzgold 3x.

Fairmont Hill hat mit den Plätzen 1, 5 und 8 glich drei seiner vier Nachkommen unter den Top Ten!. Impetus wird ebenfalls eindrucksvoll auf den Plätzen 4, 12 und 18 vertreten. Bester Vetreter der Vieldecker ist der Schwarzgold-Nachkomm Fred Astaire auf Platz 6. Es folgt auf 7 Nachtmusik von Grimani und auf Platz 9 Rajah 11 von Millennium. Rajah siegte unter anderem im Landesreitpferdechampionat Rheinland-Pfalz. Der beste Herbstkönig-Nachkomme ist Goldschatz auf Rang 28. Alles in allem ist die Liste unter den besten 30 ein buntes Allerlei. Eine signifikante Dominanz der Vieldecker ist nicht feststellbar. – Siehe Bild

Der Stute Rajah wollen wir einige Zeilen mehr widmen, gehört Sie doch Freunden , die dieses ganze Pferde-Gedöne ebenso wie wir auch in einer kleinen (erfolgreichen) Zucht betreiben. Basis bildet eine Stutenfamilie, in der die Rittigkeit fest verankert ist. – Rajah war Siegerstute Rheinland-Pfalz, legte eine gute SLP ab und hatte hohe Platzierungen in Reitpferdeprüfungen und DrPfA – Kein Start blieb ohne Platzierung! Das Landesreitpferdchampionat gewann sie im Übrigen in quasi „in Memoriam Oma“ denn Ratna von Anduc holte den Titel an gleicher Stelle. Mutter Rachel von Connery – siehe dazu auch gestriges Türchen 😉 – siegte vierjährig im Dressurfestival. Ebenso wie bei Ihre Mutter zierten darüber hinaus Siege und Platzierungen in Reitpferde- und Dressurpferde-Prüfungen sowie eine sehr gute Stutenleistungsprüfung das Konto, bevor es „ab in die Zucht“ hieß. Alle Drei Stuten hatten keinen Start ohne Schleife und alle drei in der Rittigkeit eine 9. Eine weitere Tochter der Ratna – die 2007 geborene Rebana von Insterburg – wurde ebenfalls mit einer 9 für die Rittigkeit belohnt, war seinerzeit bestes Trakehnernachwuchspferd und wurde Vizechampion bei den vierjährigen Reitpferden auf dem Bundesturnier in Hannover. Mittlerweile ist sie siegreich bis Klasse M.

Jahrgang 2016

Die dreijährigen mag man noch gar nicht wirklich ansehen, die wenigsten fahren ja schon so früh los. Trotzdem hier ein Screenshot der registrierten und erfolgreichen 13 Dreijährigen. Folgende Fohlenzahlen haben wir für die Vieldecker aus 2015: Honoré du Soir 51, Millennium 42, Sir Sansibar 42, Davidas 36, Schwarzgold 31, Ivanhoe 28, Saint Cyr 21 und High Motion 20. – Das ist ein ~Drittel aller gefallenen Fohlen!

Und da ist man doch trotz der geringen Masse schon wieder fassunglos, wenn man feststellt, dass selbst diese 13 dreijährigen nicht von den Vieldeckern dominiert werden. Natürlich stellen sie je ein, zwei Nachkommen, aber Donauruf, Banderas Goldschmidt, Scaglietti, Herbstkönig und gar 2 Hibiskusse sind auch dabei. Davidasse tauchen wegen der Ausrichtung auf die Stange erwartungsgemäß in der Liste nicht auf. Dreijährig passiert ja mit dem Springpferd nicht wirklich viel. Zumindest unsere Beiden haben aber ja für den Vater beim Freispringcup in NMS schon mal Werbung gelaufen 😉

Tja was ist das Fazit? … Nach den letzten zwei Tagen und er intensiven Recherche zu dem auch der Blick über den Tellerrand gehörte und Pferde aus anderen Zuchtgebieten einbezogen wurden, möchten wir gerne eine Frage stellen:

Liebe Dressurpferdezüchter, wo sind Eure Pferde abgeblieben?!!

Sie hätten uns doch spätestens in Warendorf nieder rennen müssen?! Und zwar nicht nur aus der Trakehner-Zucht sondern vor allem auch aus Hannover, Oldenburg, NBL und Süddeutsche. Und für die Trakehner gilt, wenn schon nicht in Warendorf, dann doch zumindest in Hannover.

Wo sind sie, die Massen an Nachkommen dieser alles überschwemmenden Linie?

Es kann doch nicht sein, dass seit Jahren das Verhältnis der Bedeckungszahlen und der Aspiranten auf Zuchtveranstaltungen wie Stuteneintragungen und Körungen nicht mehr zu dem passt, was erfolgreich im Sport auftritt. Da läuft doch was falsch! Natürlich kommt nicht jedes Pferd im Sport an, das wissen wir aus eigener Erfahrung, aber es muss doch die Gaußsche Normalverteilung auch hier gelten? Die Konsequenz aus diesem sich offenbar wenig am Sport orientierenden Tun sah man dann unserer Meinung nach dieses Jahr in NMS – siehe Türchen 14.

Fallbeispiel:
Da wird ein Hengst im Dezember auf dem heimischen Hof gekört und gar prämiert, nachdem er zum Hengstmarkt im Oktober ausfiel und man auf keinen Fall bis Münster Handorf im Februar warten will. Kann ja passieren. Im Jahr darauf macht seinen 30-Tage-Test mit einer guten Note, wobei diese wegen Ausfalls hochgerechnet wurde. Keinerlei weiteren sportlichen Einsatz mehr in diesem ersten Deckjahr. Und daraus resultieren dann im Folgejahr über 50 Nachkommen. – Über 50?!?! – Wenn wir mal davon ausgehen, dass auch ein paar Stuten nicht aufgenommen oder resorbiert haben, hat dieser Hengst vermutlich 60+ Stuten gedeckt. Was führt zu diesem Züchterentscheid? – Leistung kann es nicht gewesen sein. Erst in zweiten und dritten Jahr folgten 3 Dressurpferde A (1. / 2. / 4.) und eine Dressurpferde L (1.). Im vierten Jahr dann wieder keine Starts. Dieses Jahr, im Alter von sieben, dann auf neuer Station erste Erfolge in Dressurpferde M, darunter auch ein Sieg, diesen allerdings in einem recht übersichtlichen Starterfeld. Trotzdem, gewonnen ist gewonnen und insofern könnte man es ja noch verstehen, wenn die Züchter sich nun in 2020 für ihn entscheiden. Aber vorher? Gar im ersten Jahr? Was ist das? Aktienzüchten? Zocken statt Züchten? Lag es an der tollen Mutter? Oder vielleicht doch nur am Hengst-Prospekt / Video? An den Schnittchen bei der Hengstschau? … Diese Situation wird für uns ein ewiges Rätsel bleiben…..

Abschließend hier noch einmal komprimiert die Teilnehmer des BuCha 2019 ohne Wertung der Rangierung

Dressur:

Hulapalu 11 4j.Trak. R H v. Fairmont Hill M.v.Münchhausen – Singolo … Monteverdi … Arogno-Linie

Bourani 5 04j.Trak. R H v. Fairmont Hill M.v.Legretto – Singolo … Monteverdi … Arogno-Linie

Fellini 145 – 06j. Trak. Db H v. Berlusconi M.v.Grafenstolz – Habicht/ Sixtus-Linie

Vielseitigkeit

Akito 83 05j. Trak. Schwb H v. Sixtus M.v.Unkensee – Habicht/ Sixtus-Linie

Aslan 74 05j.Trak. Db H v. Tarison M.v.Lafayette – Habicht/ Sixtus-Linie

Isselhook’s First Sight – 05j.Trak. B H v. Lossow M.v.Hibiskus ¬– Suchard/ Kassius …Humboldt-Linie

Forrestine 05j.Trak. B S v. Tarison M.v.Master Speaker xx – Habicht/ Sixtus-Linie

Ibsen 27 05j.Trak. Db H v. Checkpoint M.v.Michelangelo – Polarpunkt / Arogno-Linie

Karlsson 36 5j.Trak. B H v. Dramatiker M.v.Elimcal xx – Bardolino / Itaxerxes … Humboldt-Linie

Kealoa M 05j.Trak. Db S v. Schwarzgold M.v.Nachtruf – Habicht/ Sixtus-Linie

Maddocks 05j.Trak. Db W v. Hancock M.v.Manrico – Habicht/ Sixtus-Linie

Polartanz 4 05j.Trak. Schwb W v. Hirtentanz M.v.Hyalit – – Habicht/ Sixtus-Linie

Skyjacker 3 05j.Trak. B W v. Sixtus M.v.Cadeau – Habicht/ Sixtus-Linie

Hohenschmarks Tabytha 05j.Trak. B S v. Syriano M.v.Schwadroneur – Gribaldi / Kostolany-Linie

Sweetwaters Ziethen 1 6j.Trak. Schwb H v. Abendtanz M.v.Campetot AA – Habicht/ Sixtus-Linie

Na, was gemerkt?