Adventstürchen 5 – 2014 / Belle Surprise x Icare d‘ Olympe oder vom Glück einer Passerpaarung

Tür5-2014

Es gibt kein Pferd ohne Fehler. Das ist so. Einen kleinen Makel lässt sich an jedem Lebewesen finden, es ist die Natur, die hier schafft, kein computergesteuertes, bis ins Detail berechnetes Modell. Wir als Züchter können maximal ein bisschen in die eine oder andere Richtung steuern.

Wir haben die Stuten, die wir haben, aus der Überzeugung heraus, dass sie es wert sind, sich zu vermehren. Eine gute Zuchtstute entspringt aus einem guten Stamm – Sportpferde heißt hier die Devise!! Wenn diese im Stamm nicht zu finden sind, verlieren alle Prädikate (gekört, prämiert, etc.) jedwede Bedeutung für uns. Was bringt eine Phalanx von hoch bonitierten Fohlen, wenn es letztlich keiner dieser Vierbeiner schafft, sich – in welcher Disziplin auch immer – unter dem Reiter zu bewähren. Welchen Weg ein Pferd dann geht, ist immer eine Frage des neuen Zuhauses, denn natürlich werden Sportpferde vor allem „gemacht“. Aber ein „bisschen was“ sollte sich im Stutenstamm schon finden lassen….

Dann kommen wir zum Erscheinungsbild. Exterieureigenschaften definieren sich über eine Vielzahl von Genen und die Weitergabe an die Nachkommen ist nicht gesichert. Darüber hinaus können Exterieureigenschaften auch ein Ergebnis der Aufzucht sein und diese werden mit Sicherheit nicht vererbt. Wohl ist auffällig, dass verschiedene „Eigenarten“ sich mitunter am Züchterstall fest machen lassen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt… 🙂

Dennoch kommt dem korrekten Exterieur, vor allem in Bezug auf Haltbarkeit und Reiteigenschaften, eine gewisse Bedeutung zu.

Nun also zu unserer Belle: Eine absolut bedeutende Stute in ihrer Erscheinung, Rahmen, Größe, Halsung und dabei bewegungsstark mit aktivem Hinterbein ausgestattet. Darüber hinaus eine echte Mutter! Fruchtbar, sehr gute Milchleistung (wenn man hier diesen Begriff mal benutzen darf) und charakterlich einwandfrei. Vielleicht einen Ticken länger als die Norm (was allerdings für eine Stute nicht schlimm ist, denn so hat sie auch Platz fürs Fohlen) und mit leichten Abstrichen im Fundament – sie ist etwas ungleich im Vorderfuß. Und nun, mit mittlerweile 18 Jahren, verfügt sie sicher auch nicht mehr über die Elastizität ihrer Jungend.

Belle hat seit 2008 bei uns sechs Fohlen zur Welt gebracht und ALLE haben korrekte gute Füße – keine Verstellung, nix ungleich, kein Zwang – alles so wie man es sich wünscht!! Hier kann man wohl kaum von einer genetischen Disposition für Schwächen ausgehen. Schaut man dann auf die vorhergehende Heimat unserer Belli, dann muss man sich wohl nicht wundern. Dem Vernehmen nach wurde dort weder um die Hufpflege noch um den Auslauf der Zuchtpferde ein großes Buhei gemacht. Mit Schrecken denken wir noch heute an die Einblutungen zurück, die wir im Horn fanden….

Bei der Suche nach dem passenden Hengst gilt ja für alle Züchter „Versuch macht kluuch“ und so tastet man sich an das gewünschte Ideal heran.

Zunächst schließen wir erst einmal alle die aus, die wir für ungeeignet halten 🙂

Also bitte einen Hengst aus einem sportlich erfolgreichen Mutterstamm, denn hierauf haben wir ja auch schon bei Auswahl unserer Stute wert gelegt. Der Hengst sollte leistungsgeprüft sein und über altersentsprechende eigene Erfolge verfügen. Gerne gesehen sind hier Geschwister, die ebenfalls erfolgreich sind. Hat der Hengst bereits Nachkommen in entsprechendem Alter, so sollten diese über entsprechende Sporterfolge verfügen. – Übrig bleibt in jedem Jahr eine sehr überschaubare Anzahl von Hengsten, vor allem, wenn man so wie wir, ein gewisses Augenmerk auf Springen legt.

Icare d’Olympe wählten wir nach diesen oben stehenden Kriterien aus, hinzu kam die Erkenntnis, dass die „Russen“ gut mit Blut harmonieren, eine große Reihe bis in die höchsten Klassen erfolgreicher Pferde legt hierfür Zeugnis ab. Ein ausführliches Portrait zu Icare findet man unter den gewählten Hengsten.

Icare war zum Zeitpunkt unserer Wahl ein in Deutschland unbeschriebenes Blatt. Wie gut er zur Warmblutzucht passte, stand in den Sternen. Wir wählten ihn ja kurz nach seiner Anerkennung. Es gab ein Video, Zuchtwerte und nach kurzer Rücksprache mit dem Zuchtleiter (Frage nach dem Fundament) griffen wir in die Black Box… Ganz ehrlich, als wir ihn 2012 in Neumünster in der Box stehen sahen, kam der Gedanke auf „Naja, jetzt können wir es nicht mehr ändern…“. Er war recht unscheinbar. Ausdruck bekommt er erst unter dem Reiter, vor allem, wenn er wie ein Buschpferd galoppieren darf! Die Begeisterung mit der alle Marbacher von diesem Hengst seinem Charakter und seiner Arbeitseinstellung sprachen, das wiederum lies positiv in die Zukunft schauen.

Als Franzi dann geboren wurde..die ersten Ausflüge hinter sich brachte.. ja.. das war schon wirklich was!!! Wir waren sehr begeistert, vor allem auch von ihrem Wesen. Wir sahen andere Icare-Fohlen und alle waren so toll modelliert. Wir wiederholten die Anpaarung. Und jetzt kann man ja selber seine Fohlen immer toll finden, wenn dann allerdings der Zuchtleiter da steht und kommentiert mit „Besser geht es nicht!! So sollen sie aussehen, das ist alles was wir uns erträumen und wünschen, wenn wir eine solche Anpaarung vornehmen! Ein absolutes Spitzenfohlen!“ dann ist das schon ein Pfund.

Grieche_3Monate-8926Nicht umsonst machte wohl unsere Franzi dann auch auf der Homepage des hannovrischen Landgestütes Werbung für Ihren Papa. Den Hannos gefiel sie wohl auch ganz gut und wir nehmen einfach auch mal ganz vermessen an, dass ihr Konterfei die Bedeckungszahlen ausgesprochen positiv beeinflusst hat. 🙂

Dieses Jahr kam dann Franz. Ein Hengst im Ausdruck, aber ansonsten von der Machart wie gespuckt!! Seine Kommentierung lautete dann „Eine interessante Anpaarung die wiederholt wurde, nachdem sie im vergangenen Jahr mit einem Stutfohlen schon sehr geglückt ist. Der Vater ist Icare d’Olympe, ein französischer Angloaraber, der im Landgestüt Marbach stationiert ist und der Erfolge in Dressur-, Spring- und Vielseitigkeitsprüfungen hat. Diese vielseitige Veranlagung repräsentiert auch das Pedigree der Belle Surprise und der Passer-Effekt hat sich auch in diesem Jahr wieder eingestellt: Ein unglaublich langbeiniges großes Fohlen, mit komfortabler Halsung und viel Aufsatz…Das Fohlen in hervorragender Entwicklung, mit großzügigen und komfortablen Partien, korrekt fundamentiert und man kann es sich später sportlich aufgrund des spring- und vielseitigkeitsbetonten Pedigrees hier gut vorstellen.“

Tja, auch zu diesem Zeitpunkt war Belle wieder tragend – natürlich von Icare!! Hier wird es nichts anderes mehr geben, obwohl sie nächstes Jahr, nach dann vier Fohlen in Folge (ZL 11/12), zunächst eine Zuchtpause verordnet bekommt. (Wir hoffen, dass sie es uns verzeihen wird.)

Zum Eindruck hier mal ein paar Vollgeschwister-Bilder im jeweils gleichen Alter:

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Franzi – Wenige Stunden alt

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Franz – Wenige Stunden alt

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Franzi – Drei Tage alt

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Franz – Drei Tage alt

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Franzi – Drei Wochen alt

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Franz – Drei Wochen alt