Adventstürchen 6 – 2014 / Frohen Nikolaus wünschen die Twins mit „Hinter den Kulissen“

Tür6-2014

Zum Nikolaus wollen wir die Geschichten rund um die Zwillinge erzählen, die nicht so wahrgenommen wurden. Klar, sie hatten / haben eine riesige Fan-Gemeinde im www.

Egal wo ihre Bilder auftauchten, so waren Herzchen, Küsschen und Worte wie zauberhaft, niedlich und süß zu finden. Und einmal schrieb auch eine Freundin „Da steckt mehr dahinter als nur schöne Bilder machen!“ .. ja, damit hatte sie wohl Recht.

Das tolle an alten Zuchtstuten ist ja, dass man nach x Geburten Regelmäßigkeiten kennt. Bei Oksana wussten wir – auch schon von der Vorbesitzerin dokumentiert -, dass sie nach maximal 48 Stunden nach den ersten Harztropfen fohlt.

Zudem messen wir ja pH-Wert und lagen damit eigentlich auch immer gut, um den Gebutszeitraum eng einzugrenzen, weil wir ja dann eine Rund-um-die-Uhr-Kamera-Überwachung haben.

Als am 318 Tag der Trächtigkeit die ersten Harztropfen erschienen, hatten wir es schon ein bischen mit der Angst! Das war zu früh! Der pH-Wert bei 6,2 …. alles sagte eine kurz bevorstehende Geburt voraus.

Tatsächlich dauerte es noch 11 Tage.. Der pH-Wert sprang hoch und runter (wir gingen einmal neues Papier kaufen, denn das konnte doch nicht sein!!) und vor allem wachten wir vom 02. April bis zum 13. April Non-Stop. Die Nächte wechselweise geschlafen, einer wachte meist durch, der andere guckte auf die Kamera und damit auf eine Stute, die sich in gebärdete, als wolle sie jeden Moment loslegen.

Am 13. April, es war Palm-Sonntag, waren wir fertig mit der Welt! Um 22:35 Uhr ging dann das Fruchtwasser ab. Wir versteckten uns in Belles Box.. aber es kam keine Frucht.

Raus auf den Hof, Kurzwahltaste Tierärztin „Fruchtwasser ab, aber keine Frucht!!“ Sie versprach in Hochgeschwindigkeit zu kommen.

Zwischenzeitlich hatte Oksana sich nach kurzem Aufstehen erneut hingelegt und nun sah man doch etwas: Ein Bein neben fußballgroßen roten Ballon. Scheiße!!!

Wahlwiederholung. „Da kommt grad was mit raus, was da überhaupt nicht hingehört!“ – Das einzige, was wir uns in dem Moment vorstellen konnten, war ein Gebärmuttervorfall. Wir hatten wahnsinnige Angst um unsere Stute!

Frank hat sich dann an Oksanas Kopf gehockt, sie gestreichelt und mit ihr gespochen. Ich habe das rote Ding angefasst – weich, ließ sich eindrücken, wie ein Wasserballon.. wie eine Fruchtblase!! Gefühlt. O.k. ich fühlte einen Fuß. Blase aufgerissen. Ich sah, zwei Füße und einen Kopf und der Blick ging zum dritten Bein (was ja von Anfang an zu sehen war). „Gott, wie liegt denn das Fohlen??!!“

Mit der nächsten Wehe und meiner Unterstützung rutschte Omari ins Stroh. Noch immer stakte das als erstes sichtbare Bein aus der Stute. „Oh Gott, wir haben ihm ein Bein abgerissen“. Eihaut vom Fohlen gestreift, nein es waren alle vier Beine dran. Es gab kein Wundern mehr, der kleine hatte keine Atmung, ein labbeliger lebloser Fohlenkörper. „Frank, kaltes Wasser!!“ – Omari bekam zwei kleine Eimer ab, wir haben über Rippenpressung und Bewegung der Vorderbeine zusammen mit Beatmung das Ganze versucht in den Griff zu bekommen. Irgendwie!! So was hatte man mal gelesen, aber doch noch nie gemacht!! … Und dann atmete der kleine Fuzzi und knötterte seiner Mama einen guten Tag. Mit Handtüchern haben wir ihn dann trocken gerubbelt. Blutdruck in Gang bekommen!

Oksana, hoch erfreut über ihr Kind, stand auf um ihn trocken zu lecken, drehte sich rum und …. „Scheiße, da hängen ja noch zwei Beine!!!!“

Wir haben eine kleine Spritze Kolostrum abgemolken und die Omari gegeben. Oksana legte sich wieder ab, eine große Wehe und Oka-Liebchen war da. Vital, munter alles gut.

Die Tierärztin traf in dem Moment ein und konnte feststellen, dass beide Fohlen lebten.

Bei Oka-Liebchen haben wir dann nach einiger Zeit die Nabelschnur abgebunden (mussten wir ja, kam ja alles in einem Rutsch mit), Oksana noch etwas ruhen lassen. Frank rubbelte das Liebchen trocken. Beide Fohlen versuchten vor ihrer Mutter auf die Beine zu kommen und dabei ist dann Gott sei Dank auch beim Liebchen der Nabel an der Soll-Bruch-Stelle gerissen. Die komplette Familie stand innerhalb einer halben Stunde auf den Beinen. Beide Fohlen  orientierten sich sofort Richtung Milchbar, fanden sie und soffen ausreichend. Beide erhielten sofort ein Klistier, das Darmpech ging komplett ab, Milchkot wurde nachgeschoben.

Im Prinzip haben die beiden das wie ganz normale Fohlen über die Bühne gebracht – Lehrbuch! Sie haben nur nicht beachtet, dass Pferde keine Zwillinge machen …..

Man mag jetzt im Nachgang über einen Gedanken wie „Wir haben ihm das Bein abgerissen“ lachen, aber zu dem Zeitpunkt war für uns gedanklich nur ein Fohlen existent. Zwillinge waren einfach keine Option. Heute lachen wir selber drüber, aber die Situation in der Geburt war schrecklich und der Schlafmangel tat wohl das seinige….Auch gelernt haben wir, dass die Fruchtblase aussah, wie sie aussah, weil sich das wohl bei einer überreifen Frucht so darstellt und wenn man bedenkt, wieviele Tage sich die Beiden um den Ausgang gedrängelt haben, um dann doch gemeinsam die Reise in den Geburtskanal anzutreten… Zumindest taten sie es ja in der korrekten Geburtslage.

Und so nahm das Abenteuer Zwillinge seinen Anfang… mehr Geschichten hinter den Kulissen gibt es morgen….

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