Türchen 3 – Geistige Werte: Von Herz, Bereitschaft, Intellekt und Seele

AK3

Ein Pferd mit Herz guckt nicht, sondern geht unbekümmert und selbstbewusst seinen Strich. Auch „packt es alles an“ – im Gelände und im Parcours. Bei ihm fühlt man sich bestens aufgehoben, auch wenn es möglicherweise vorn etwas verstellt oder in einer hinteren Einschienung etwas „matt“ sein sollte.

Dem ist nichts hinzu zu fügen. Jeder Reiter wünscht sich Herz – und sei es nur für den gemütlichen Ausritt am Sonntag. Lebend heim kommen, hat doch gerade bei uns Ü35 oberste Prämisse, oder nicht? Die Twens möchten vielleicht in dieser Zeit ungestört whats-appen und um die Kinder sorgen sich die Eltern. Ergo: Entspannend und ungefährlich soll das Reiten sein und das geht nun mal nicht mit einem glotzigen Hysteriker 😉

Die Bereitschaft zur Arbeit erfordert lt. Köhler neben Ehrlichkeit und Herz noch mehr, nämlich das „sich-anfassen-lassen“. Eine Überempfindlichkeit des Wesens im Sinne von „Rühr mich nicht an“ ist somit unerwünscht.  So bezeichnet Köhler auch das Kleben als Defekt der inneren Einstellung zur Arbeit, die zwar reiterlich vertieft werden kann, im eigentlichen doch auf einer, wie er es nennt, angeborenen, inneren Verklemmtheit basiert.

Der Intellekt ist der nächste Punkt im Kapitel der geistigen Werte.

„… so ist doch nicht zu bestreiten, dass es ausgesprochen clevere und wesenspatente Individuen gibt und andererseits sehr dämliche….Allgemeine Stupidität mindern die Reitqualität erheblich und können die Qualität des Materials in Frage stellen…Intelligente Pferde..erfassen augenblicklich, was der Reiter von ihnen will, und kommen einer Feinabstimmung der Hilfen gefühlvoll entgegen… In schwierigen Situationen wächst ihnen ein fünftes Bein..“

Da wir Belles sowie Oksanas Nachwuchs selbst noch nicht unter dem Sattel fühlen konnten, können wir Stand heute nur feststellen, dass BabyBelle ein hochmotiviertes Pferd in der Ausbildung ist und toll mitmacht. Mit einem beruhigt wissenden Lächeln können wir allerdings auf unsere „M’s“ schauen: Mirage – noch immer ihrer Besitzerin ein verlässliches Jagdpferd und bei Ihrem diesjährigen allerersten Turniereinsatz (im Alter von 17 Jahren!!) im Springen sofort platziert! Morgenstern – Springen, Dressur oder heute Volti-Partner, er ist unser Alleskönner und Professor. Mattes – unser Souverän egal in welcher Lebenslage und seit 2013 auch ein geprüftes Sankt-Martins-Pferd. Maravedi – Immer brav, immer anständig, immer leistungsbereit. Masurenfee – gerade haben wir vorsichtig mit Freispringen begonnen, was für eine Einstellung und was für ein Vermögen!

Resümierend dürfen wir unsere komplette Nachzucht wohl als clevere Pferde betrachten, alle mehr nach dem Modell „lass-mich-nicht-los“ denn „rühr-mich-nicht-an“. Der Grieche ist aber wohl der erste, der sich mit Fug und Recht den Titel ‚Stratege‘ verdient hat. Ein hoch gewitzter Busche, mit klaren Vorstellungen was sein soll und was nicht, was er möchte und was nicht. So überwand er – gerade halbjährig – spielend einen 1,20m-hohen Zaun, um zu seiner Mutter zu gelangen. Dass er das ganze unversehrt überstand versteht sich. Missfällt ihm eine Situation, so sieht man ihm an, wie er denkt und Lösungsansätze zu finden versucht, sich aus der unerwünschten Lage zu befreien. Nie versucht er etwas zweimal, er ist in der Tat unser kreativer Geist 🙂

Alles Geistige, alles Körperliche ist abhängig von einer gesunden zuversichtlichen, sich geborgen fühlenden Seele. So auch beim Pferd.

Köhler geht in seinen Kapiteln Seele und Kontakte darauf ein, wirklich horseman zu sein: Bedürfnisse erkennen und ihnen gerecht werden. Das Pferd bitte Pferd sein zu lassen, damit es sich in Wohlbefinden entsprechend entfaltet.

Und apropos Wohlbefinden:

Das Wohlbefinden des Reiters ist eine entscheidende Komponente in der Pferdebeurteilung. Sein Urteil ist letztlich ausschlaggebender, als manche vermeintliche Fehlerlosigkeit, die Experten an einem Pferd konstatierten, wenn sie es zum Gebäude degradieren!  

Wir Züchter habe also „nur“ die Aufgabe, solche Pferde zu schaffen und aufzuziehen. 😉