Türchen 23 – Besondere Momente des Jahres 2015

23Es gibt schon Momente im Züchterjahr, die einen dazu animieren, ernsthaft die eigene geistige Gesundheit in Frage zustellen. Bei Regen- oder Hagelsturm beispielsweise, wenn man bei Windstärke 12 Futter über den Hof schiebt.

Oder wenn die geliebten Zossen ausgerechnet im Dauerregen beschlossen haben, dass dieser Zaunpfahl nun überflüssig ist und nach eingehendem Benagen der unteren Etage nun schlussendlich umgedrückt werden kann. Und dann steht man da, mit Wekzeug in den klammen Fingern – denn das passiert NIE, NIEMALS!! im Hochsommer –  und während einem langsam das Wasser in den Kragen läuft, träumt von der Südsee und fragt sich: „Warum um alles in der Welt tust Du dir das an??!!“

Und jedes Jahr im Frühjahr, wenn die Fohlen kommen, die Geburt gut vollzogen ist und der kleine Erdenbürger das erste Mal seiner Mami entgegenknöttert, dann ist einer dieser Momente gekommen, die alles das wett machen! Ein Moment, der uns das größte Wunder der Natur, die Geburt eines neuen Lebens, so hautnah miterleben lässt. Ein Moment tiefer Ehrfurcht!

Vergessen sind dann die durchwachten Nächte, auch die Anspannung nach Beginn der Austreibungsphase, ob das Fohlen richtig liegt, die Sorge, ob alles gut und richtig und lebensfähig ist….alles das geht unter in Glücksgefühl, wenn das Fohlen im Stroh liegt, den Kopfhebt und atmet.

Da wir die Geburten engmaschig überwachen ist es für uns eigentlich immer so – fast! Am Dienstag, den 19. Mai war alles anders. Vorweg zu nehmen ist, dass unsere Stuten ca. 3 Wochen vor dem Abfohltermin unter Videoüberwachung stehen. Unsere Boxen haben Gummimatten, aber für das Abfohlen und die Zeit danach, wird eine dicke Stroheinstreu eingebracht, die an den Seitenwänden wannenartig hochgezogen wird, damit das Neugeborene sich nirgendwo verletzen kann, etc. pp.

Aber es gibt diese Schreckmomente : Am 19. Mai – 23 Tage vor!!! dem errechneten Geburtstermin – sorgte unsere Fee für Wirbel:

Mogens füttert immer das „S“ von SF ;-). S läuft also in den Stall, wirft den gewohnten Kontrollblick die Stallgasse runter und denkt sie halluzieniert! Da waren zwei Fuchsfohlenköpfe, wo tags zuvor nur einer war. Hä??!! – Auf den zweiten Blick nur der Kopf vom König. Dritter Blick….Ach Du lieber Gott!!! Da standen zwei! – Am 312. Tag, völlig ohne Vorzeichen hat Fee gefohlt! Die Öhrchen der kleinen Maracanã waren noch nass, die Dame war auf den Beinen und wackelte durch die Box…..

Da hatte die Maidenstute das völlig alleine gemacht… S bekam noch im Nachgang einen Herzinfarkt und rief F auf der Arbeit an, dem es auch kurz die Sprache verschlug! Der Tierärztin wurde auf die Mailbox gesprochen, dass da was etwas unerwartet gelandet wäre.. es würde atmen und stehen und wäre augenscheinlich auch ganz munter, aber man könne ja bei dem Termin nie so richtig wissen…… Als die Tierärztin dann kam, lautete der Kommentar nur „Da siehstes, selbst im Schönbeckschen Hochsicherheitstrakt machen die Damen was und wann sie es wollen!“ ..

IMG_1452O.K, think positiv! Es waren in jedem Falle entspannte Nächte mit ausreichend Schlaf und auch wenn die Box nicht den SF-Geburtsreglementarien entsprach, waren Mutter und Kind wohlauf. Ganz offenbar waren die beiden Ladies der Meinung, sie “hätten fertig” und sie hatten Recht, denn an der kleinen Maracanã war alles drum und dran wie es sein sollte.

Ganz ihrem Namen nach, nämlich weltmeisterlich, entwickelt Maracanã sich und Mama Fee war von Anfang an die Super-Mami. Dennoch hatten die beiden kleine Startschwierigkeiten: Fees Euter kam erst so gegen acht Uhr in Gang, die erste „Milch“ die da raus kam, war irgendwie nicht vertrauenserweckend. War noch so wässrig / orange durchscheinend… Attacke auf das Gefrierfach, Kolostrum raus. Erstmal verabreicht. Dann hat die Kleine sich beim Euter ein bischen doof angestellt. Fee war zwar sehr geduldig, aber eben doch unerfahren und die Zitzen fürs Fohlen nicht ganz so komfortabel wie die von Belle. Aber irgendwann begriff sie es, und soff. LINKS! Und zwar nur LINKS….Das rechte Euter lief über den Vormitag voll, tat dann wohl auch irgendwann weh und Fee zuckte mit dem rechten Hinterbein, sobald das Fohlen von rechts kam. Zudem, litt sie ziemlich wohl noch unter den Nachwehen der Geburt. Wir haben dann rechts abgemolken, die TÄ kam nochmal und gab ein bisschen was zur Entspannung und gegen die Schmerzen. Irgendwann am Nachmittag ging Maracanã auch ans rechte Euter, allerdings nur von LINKS….  Aber Fee begriff das schnell und kippte dann einfach das Becken, alles klappte gut. Wir haben die ersten Tage sehr gut überwacht, vier mal täglich Temperatur und Nabeldesinfektion – das ganze Programm eben!… Maracanã entwickelte sich toll. Heute ist sie der Knaller! 75% Spezialblut und dennoch von genug Masse / Körper, ein tolles Selbstbewusstsein, super Handling, schnurgerade auf den Knochen und ganz, ganz sportlich. Echt ein tolles Fohlen und dazu noch in schokobraun! Was ein i-Tüpfelchen!September-9762

Das sind die bedeutendsten Momente im Züchterjahr, aber es gibt auch andere….. Lustige zum Beispiel, wenn sich Franzi einen abgesägten Ast schnappt, den übers Paddock zieht, sich selber davor verjagt und bockt, aber auf keinen Fall die Beute loslässt.

…. Spannende Momente zum Beispiel, wenn man das erste Mal einen Reiter auf den selbstgezogenen Nachwuchs setzt.

…. Beieindruckende Momente beispielsweise, wenn Fee unterm Reiter an der Longe anfängt zu schwingen und in völliger Ruhe und Gelassenheit zu marschieren, dass man einfach nur noch still sein möchte, um das Bild zu genießen und ein wenig vom großen Viereck zu träumen.

….Fassunglose Momente zum Beispiel, wenn man hört, dass ein Richter kommentiert „Mit deutlichem Abstand und einer Note von 8,3 heute Siegerstute SF Oka-Blümchen aus der Zucht von Simone und Frank Schöenbeck“…

….Stolze Momente beispielsweise, wenn der junge Schmali das erste Mal auf einem fremden Platz springt und zeigt wo der Frosch die Locken hat….

…. Dankbare Momente beispielsweise, weil das junge Pferd, mit dem man gerade begonnen hat zu arbeiten, bei Schreck nur einen Anker sucht und das bist Du!……

.. Und einfach viele Momente, die geprägt sind, von einer Menge Menschen, die genauso verrückt sind wie wir, die sich mit uns freuen, mit uns zittern und helfen wo auch immer sie können. Türchen 23 ist auch dafür da, Euch heute allen mal herzlich „Dankeschön!!“ zu sagen!

4 Gedanken zu „Türchen 23 – Besondere Momente des Jahres 2015

  1. Herzlichen Dank für die viele Mühe, wieder diesen wundervollen Adventskalender zu verfassen. Mit viel Spaß und Anteilnahme haben wir Ihre Ausführungen verfolgt, mit gelacht und mit gebangt und einiges gelernt.
    Wir wünschen Ihnen und Ihren Pferden alles Gute, Gesundheit und wieder zauberhafte Fohlen im neuen Jahr.

  2. Dem Kommentar von Carola kann ich mich nur anschließen……vielen Dank für die letzten 23 Tage, es war wieder ein echtes Dezember-Highlight ! Alles Gute im neuen Jahr, insbesondere für Bel Re….auf das der Funken Hoffnung obsiegt, alles gut wird und es nicht nur beim „König der Herzen“ bleibt.

  3. Vielen Dank für euren tollen Adventskalender und die wunderbaren Einblicke in euer Leben mit den Pferden und für die Pferde! Für das kommende Jahr noch viele, viele wunderbaren Momente und gesunde Pferde!

  4. Ihr Lieben SF’s , es war wieder wunderschön mit Euch, Euren Pferden u Gedanken durch die Adventszeit zu gehen. Nun freue ich mich morgen noch auf das letzte Türchen. Ich wünsche Euch weiterhin viel Spaß u Erfolg mit Euren Trakis u ein wunderschönes Weihnachtsfest

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