Türchen 22 – Von der Bestrebung es besser machen zu wollen…

22Der Adventskalender neigt sich dem Ende und es ist ja mittlerweile schon witzig, dass wir uns über regelmäßige Leser-Kritiken freuen dürfen…. Eine lautete dann „Ja, aber es ist ja nicht nur Gebäude und Abstammung, es ist ja auch der Kopf, der es ausmacht.“ – Richtig, das ist so. Gewinnen tun sie zwischen den Ohren! Der Wille zum Mitmachen, die Bereitschaft, sich anzustrengen auch wenn es unbequem wird, das Vertrauen in den Menschen, dass der schon nix unmögliches will – All das sitzt zwischen den Ohren!

Einen gewissen Rückschluss auf Leistungsbereitschaft lassen erfolgreiche Vorfahren ja schon zu und selbstverständlich haben wir ausschließlich Pferde, die im täglichen Umgang nett sind. Bei aller Liebe zum Hobby, aber auf Psychos, die eine Spezialbehandlung brauchen, hat doch keiner Lust. Es ist unsere Aufgabe als Züchter und auch als Ausbilder den guten Charakter und die gute Einstellung zu pflegen, zu erhalten und zu fördern! Hierbei ist die Stute sicher noch wichtiger als der Hengst, weil die Fohlen von ihr abgucken, aber auch der Vater muss charakterlich einwandfrei sein.

Die Ausbildung muss dann Vertrauen aufbauen, im Idealfalle gelingt es, dieses Vertrauen so zu festigen, dass das Pferd auch in Stress-Situationen kein Bedürfnis nach Flucht verspürt sondern den Menschen als seine „Sicherheitszone“ definiert.

Neben ordentlicher Arbeit und dem ganzen Drum und Dran ist die Ausrüstung auch ein Thema, wenn es um das Wohlfühlen des Pferdes geht. Und auch wenn wir Freunde des Althergebrachten sind und die Pferde-Szene im Ganzen wohl eher konservativ einzustufen ist, so sollte man doch Verbesserungen offen entgegen stehen. So kamen wir auf den neuen Micklem-Zaum von Horseware. Gesehen haben wir ihn auf den Bundeschampionaten, vornehmlich in der Vielseitigkeit, und das Prinzip war sofort erkennbar (wenn man ein bisschen was von Gesichtsnerven, Ohrspeicheldrüse etc. weiß….). Das Micklem ist so geschnitten, dass es die empfindlichen Bereiche des Pferdekopfes auslässt und es für eine optimale Druckverteilung sorgt. Gekauft, ausprobiert, überzeugt! Direkt noch zwei Stück in unterschiedlichen Größen bestellt.

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Es ist wenig Leder am Kopf, ein „Zuschnüren“ ist aufgrund der Konstruktion gar nicht möglich und das ultimativ schlagende Argument für den Jungpferdebereich sind die mitgelieferten Clips (auf Turnier nicht zulässig!), die das Gebiss ganz ruhig halten und einen Teil des Drucks auf den Nasenrücken umleiten. Beim Multi Bridle ist am Nasenriemen ist ein zusätzlicher, dauerhaft befestigter, Ring angebracht, so dass eine Nutzung als Kappzaum möglich ist – Ideal zum Ablongieren! Die Zäumung ist gemäß LPO zugelassen und kann in jeder Klasse und jeder Disziplin verwendet werden, also ab der Führzügelklasse in der Dressur, im Springen und der Vielseitigkeit. Also auch auf Zuchtschauen, denn dort ist nur eine LPO-konforme Zäumung vorgeschrieben. Auch für das Einmustern der jungen Pferde bietet sich der Zaum an, eben aufgrund der oben beschriebenen weichen Druckverteilung auf die Nase – die jungen Pferde verstehen viel leichter, ergo lernen sie auch schneller! Tolle Sache!

Denkste!! – Wat dä Boor nit kennt, dat friss hä nit!

Da werden wir doch tatsächlich angesprochen, besser `ne „normale“ Trense drauf zu tun…. Bitte?! Also jetzt mal wirklich, da werden Mäuler mit schwedischem Reithalfter zugeschnürt, damit das Maul beim Parieren durch den Vorführer nicht so weit aufgemacht werden kann, und das ist in Ordnung?! Und unsere LPO-konforme Trense mit mustergültiger Verschnallung ist a) anormal und man fühlt sich auch noch b) berufen uns das mitzuteilen?! Bilder aus den 70er Jahren zeigen immer die Hannoversche Zäumung. Ob die ersten Züchter mit englisch kombiniertem Reithalfter auch angemoppert wurden?

Uns ist es in jedem Falle egal! Unser Pferd trägt das, was erlaubt ist und womit es sich am wohlsten fühlt. Und neben der Tatsache, dass es sich damit zu Hause ein bisschen nett im Kreis reiten lässt, siegt sie ihre SLP dann nämlich auch mit 8,3!

2 Gedanken zu „Türchen 22 – Von der Bestrebung es besser machen zu wollen…

  1. Ich bin ja auch ein großer Freund dieser Trense. Inzwischen werden zwei meiner vier Pferde damit gearbeitet. Auch ich wurde schon gefragt, ob man damit auch auf dem Turnier reiten dürfen. Schon komisch, bei offensichtlichen Dingen bekommt man fragen, was für ein Gebiss im Maul drin ist, scheint viel weniger Leute zu interessieren. Fällt ja auch nicht so ins Auge.

    In diesem Sinne: Daumen hoch und lasst euch nicht verdrießen!

    Gruß
    Llewella

  2. Daumen hoch! Ich gebe zu, ich verstehe nichts von den Nervenbahnen am Kopf, aber manche „Moden“ stechen einfach ins Auge. Ein schwedisches Reithalfter macht das Maulzuschnüren viel zu einfach. Aber wenn der Nasenriemen dann noch schön breit ist (natürlich, damit der Druck besser verteilt wird) und möglichst in Lack, dann fällt das klobige Schwedische ja gar nicht mehr auf. Vor lauter Lack und Bling nimmt man kaum noch Typ, Ausdruck und Auge war. Muss man sein Pferd hinter Leder verstecken? Und muss es immer kombiniert sein? Reicht einfaches englisches nicht in den allermeisten Fällen zur Kontrolle? Es gibt Pferde, da wird das Maul von Anfang an zugeschnürt, damit die bloß nicht auf die Idee kommem, es zu öffnen, sich zu wehren, gar die Zunge rauszustrecken … Dass der Druck irgenwo hin muss, wenn sich der Kiefer nicht bewegen und das Genick nicht lösen kann, ist klar. Im besten Fall heißt es dann „der hat bestimmt was an den Zähnen“ – ja, nämlich ne Reiterhand! Auch frage ich mich häufig, wo das Gebiss den sitzen soll. Auf vielen Bildern wirkt es dermaßen hochgezogen, dass ich nicht weiß, wie die Maulwinkel das mitmachen solln. Bei den alten Hengstfotos im letzten Türchen dagegen hängt es recht tief und locker im Maul. Und mit wenig Leder am Kopf stehen die Hengste da ganz entspannt rum. Naja, die waren wohl auch alte Hasen. Geht vielleicht nicht mit jedem Pferd. 😉

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