Türchen 4 – MASURENNACHT, aka „Mini-M“

Nachdem wir im dritten Türchen die gute Planbarkeit von allen Geburtsdingen bei unserer lieben BabyBelle preisten, kommt nun in Türchen 4 wieder eine Geschichte aus dem Chaos-Jahr 2020, an der wir humoristisch angehaucht teilhaben lassen wollen 😉

Maidengeburt made by Huddel und Brassel….

Kinder kommen ja selten nach anderen Leuten und nachdem Fee uns bei Maracanã am 312. Tag narrte und uns ohne erkennbare Annzeichen morgens ein Fohlen präsentierte, sind wir bei unseren M’s ab Tag 310 auf der Hut!! Masurenglück wurde dann als zweite Tochter von Fee am 317. Tag geboren und wir hatten den schnellen Brüter per Kamera fest im Blick.

Als Glücki nun sehr früh – am 312. Tag – mit den ersten kleinen, noch gelben Harztropfen aufwartete, waren wir nicht wirklich verwundert. Der PH-Wert ließ eine Geburt in den nächsten 7 Tagen erwarten. Am 315. Tag hing der erste weiße Tropfen dran und wir hofften, dass sie sich zumindest bis zum Wochenende Zeit ließ. Was sie dann auch tat und darüber hinaus die 6,2, die auf eine sehr nahe Geburt schließen lässt, bis zum Schluss ausreizte: Vier Nächte „tanzte“ sie, dekorierte ihre Box komplett um und stahl uns den Schlaf.

Normalerweise halten wir es mit der Geburtsüberwachung so, dass die Kamera vom Büro aus im Auge gehalten wird und die Stute bei nahender Geburt auch mal einen halben Tag in der Box verbringt, damit nichts verpasst wird, wenn am Nachmittag keiner mehr auf dem Hof ist. Die Nachbarn werden im Zweifel involviert und bislang ist es immer gelungen, dass pünktlich jemand da war.

Dank Corona und Home-Office von Frank war es in diesem Jahr anders. Er konnte immer mal schnell auf die Weide gucken, ob schon was los war. Am 322. Tag, dem 4. Tag mit PH=6,2, führten wir um ca. 15:00 Uhr ein Telefonat mit folgendem Wortlaut:

F: Das gibt heute wieder nix. Die ist gerade eben wie eine Irre mit ihrer Mutter über die Weide getobt.

S: Statistisch müsste sie aber heute fohlen, da schon vierter Tag bei 6,2.

F: Na dann wollen wir heute Nacht mal gucken, aber jetzt fahre ich eben Getränke holen.

S: Alles klar, bis gleich – bin so um vier daheim.

Daheim angekommen, in Shorts, Top und Crocs gesprungen, den auf dem Hof arbeitenden Mann begrüßt (hat Zaunpfosten abgeflemmt) und über den Hof durch den Stall zur Weide gewandert. Kurzer Stop am Arzneischrank in der Stallgasse, denn auf dem Heimweg hatte ich noch mit einer Freundin über die Vorzüge der Jod-Alkohollösung im Vergleich zur reinen Jodlösung zur Nabeldesifenktion gesprochen. Um 16:23 also noch schnell ein Foto der Flasche gemacht und per er WhatsApp versendet. Dann weiter zur Weide – von oben kein Pferd in Sicht, seltsam um diese bald-gibt-es-Futter-Zeit….Also weiter gings bis zum Eingang mit Blick den Hang runter in Richtung Wald…. „Was hängt denn da an Glück?!?!?!?“

Es war die Nachgeburt und vor dem dunklen Hintergrund des Waldes war das neueste Mitglied der Herde bei ihren ersten Aufstehversuchen zu erkennen. Den ersten Zaun hatte sie bereits „überwunden“ und befand sich auf dem ~ 3 Meter breiten Rundweg, der um die Weide herumführte. Ich hatte schlagartig einen 180er Puls, mit Vollgas in Crocs die Weide runter, denn im Geiste sah ich die Kleine schon den Berg herab in Richtung Wahnbachtalsperre kugeln.

Als ich hinter Mini-M auftauchte, dachte die bestimmt „O.k., ade schönes Leben, großer Beutegreifer von hinten!“……

Erst das Fohlen, dann das Handy gegriffen und den Mann angerufen, damit er den Strom ausmacht. „The person you have called….“

Der Puls von 180 näherte sich der 200er-Grenze.

Da stand ich nun, mit Fohlen im Arm, zwischen Mutter und Kind der Elektrozaun, neben der Mutter die Horde der besorgten Tanten….

Tief Luft geholt und gebrüllt. Keine Reaktion vom Göttergatten, klar, er konnte ja nix hören, hatte ja den Gasbrenner an….

– Mein Puls nun Nähe 300.

Den Nachbarn angerufen. „Geh schnell rüber und sag Frank Bescheid, er soll bitte den Strom ausmachen und runterkommen.“

In der Zwischenzeit wunderte sich allerdings mein Mann, wo ich so lange blieb und tauchte oben am Hang auf. „Brauchst Du Hilfe?“

– Puls nun (im festen Glauben der Nachbar hätte ihn doch schon gebrieft) bei 380.

„Mach den Strom aus!!!! und KOMM HIER RUNTER!!“

Im Rücken von Frank taucht nun der Nachbar auf. „Frank, Simone bittet Dich den Strom auszumachen und ….“ – „Jaja, bin schon unterwegs!“

Strom also aus – Frank, Nachbar und ich nun also das Fohlen mit Mutter und vereinten Kräften, vorbei an der Horde der besorgten Tanten, den Berg hinauf und in die Box geschoben. Klingt einfach, ist es aber nicht.

– Der Puls unverändert bei 380. „Leicht“ gereizte Stimmung. Der Nachbar will nun beschwichtigen.

N: „Der sieht aber doch fit aus.“

S: „Es ist eine Sie und es ist nicht schön, dass sie ohne desinfizierten Nabel durch den Dreck gerutscht ist“

N: „Aber ihm geht es ja gut.

S: „Es ist eine Sie und wir müssen gucken, ob es auch gut bleibt, es kann immer viel passieren in den ersten Tagen.“

N: „Du machst Dir bestimmt zu viele Sorgen, er ist doch gut drauf.“

S: „ES IST EINE SIE!“

F zu N: „Komm wir gehen mal was trinken, Simone kommt schon klar….“ – Nach über 20 Jahren hat er einfach ein feses Gespür dafür entwickelt, wann es gefährlich werden könnte 😉

Der Puls sank langsam. Und es blieb alles gut mit der zauberhaften Mini-M. Zeit, das erste Mal befreit aufzulachen und zu konstatieren, dass 2020 nicht nur das Jahr ist, in dem Corona jegliche Normalität aufhebt, sondern auch unsere Stuten beschließen, einfach nur noch das zu machen was sie wollen! Da wird die Überwachung im Stall aufgerüstet – mittlerweile kann man von einem Kamera-Netzwerk sprechen – und geschlafen wird vom Züchter nur noch in den zugewiesenen Stunden. Und wofür? – Genau, für nix und wieder nix …

Sport hatte sich für mich un mein Knie für die nächsten Wochen erledigt. Im Nachgang betrachtet also auch noch ein bösartiger Angriff auf die Region rund um die Hüften…

Glücki entpuppte sich in den Folgestunden und -tagen als Super-Helikopter-Mama!!! Keinen Tritt zu schnell, keinen Meter zu weit weg vom Töchterchen und gluckig kontrollierte sie stetig Anwesenheit und Unversehrtheit.

Nach drei Tagen durfte Fee auf der Weide hinzu, forderte von Glück recht deutlich, dass sie ihre Enkelin nun kennen lernen wollte und fortan lief rechts vom Fohlen der eine Helikopter und links der andere. Behütet von Mama und Oma zeigte sich Mini-M von Beginn an – ganz ihrer Familie entsprechend – als sehr gehfreudig, vornehmlich im Galopp. Dazu ganz typvoll, mit tolle Linien ausgestattet, immer sportlich unterwegs und wirklich alles mit Mädchen-Charme ausgestattet – …. ein Zauberfohlen!!

Wir waren sehr verliebt und von Beginn an war der Gedanke da, dass auch gerne bleiben darf. Nach langem Hin und Her haben wir uns also entschieden Glücki – wenn es passt!! – in gute Hände abzugeben und ihre Tochter zu behalten.

Mini-M hatte mit sechs Monaten eine Größe von 140 cm, was eine Endgröße von 164 cm bis 169 cm erwarten lässt. Bei dem Wachstumsverhalten der Stutenfamilie ist letzteres zu erwarten.

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