Türchen 14 – Big Brother is watching you!

Seit 2013 hatten wir immer eine gesonderte Hengstweide für die Jungspunte, die uns nicht im Fohlenalter verließen. Als Jährling verabschiedeten sich die Hengste aus dem Stall auf die Weide. Den Anfang machten damals Belgabad und Mirar. Es folgten Omari, Bel Greco, Bel Re, Bel Avion und schließlich in diesem Jahr Bel Animo.

Im Mai stießen die Jährlinge zu den zwei- und dreijährigen und spätestens im Sommer verließen dann die Dreijährigen zwecks Anreiten die Gruppe. Über allen wachend immer der gute alte Morgenstern!

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2018 startete er miserabel ins Frühjahr. Sah er kurz vorher nocht tiptop aus, setzte ihm der starke Pollenflug so zu, dass er mit Atemwegsproblemen zu kämpfen hatte und innerhalb von 14 Tagen sicher 150 kg verlor. Er sah aus, als hätte man ihn von irgendeinem Transport gezogen. Die Medikamente griffen erst im zweiten Step und er kam langsam, ganz langsam wieder ein bisschen besser auf die Beine. Aber das Damoklesschwert schwebte fortan über ihm. Uns war bewusst, dass die Zeit des guten Onkel Sterns endlich war und so entschieden wir, dass sein Bruder Mattes seine Nachfolge antreten sollte. Wie uns der November dann zeigte, sollten wir ja Recht behalten…

Mattes, der ja hier bei uns zu Hause eine sehr enge Bindung zu Belle hatte, hatte seit ihrem Tod auch keine so enge Pferdefreundschaft mehr gepflegt und seinen Chef-Job konnte er ebenfalls zunehmend vernachlässigen, da BabyBelle Edas prima  im Griff hat.

So wurde ein weiterer Genarationswechsel vollzogen: Mattes übernahm im Alter von 16 Jahren den Job des Oberaufsehers in unserer Mehr-Generationen-Männer-WG.

Er wurde nun der nächste alte Onkel und gewährleistete die erwartete Ruhe und Souveränität. Diese Ruhe ermöglicht es dem einzelnen Youngster, seinen eigenen Bedürfnissen nachgehen zu können, ohne rund um die Uhr auf der Hut zu sein und sie befriedigt das Bedürfnis nach Sicherheit und sozialen Gruppenstrukturen.

Wir sind von dieser Herdenstruktur aus tiefstem Herzen überzeugt! Wenn man bedenkt, dass Pferde 90 % all ihrer Kompetenzen in den ersten vier Jahren in der Herde erwerben, dann muss einleuchten, dass es umso leichter wird die 10%, die der Mensch zum Reiten zusätzlich benötigt anzutrainieren, je sozialkompetenter ein Pferd ist.

Und so spiegelt es sich dann auch wider: Mal schnell verladen, weil der Schmied auf dem Hof ist? – Ja sicher, kein Problem. Taptaptap es benötigt genau die Sekunden, die der Weg über die Rampe in Anspruch nimmt. Und das alles klappt ohne einen wahnsinnigen Tross an Personal.

Tja und Mattes? – Der findet es gut. Vom Kindergarten in die Rente…. Tot arbeiten musste er sich wahrlich nicht. Aber was solls! Seine Schuld war es nicht und wir glauben, er könnte sich auch schlimmere Aufgaben vorstellen 🙂

Türchen 13 – Ein Blick auf Berlusconis Mutterseite

Am gestrigen Tag fanden wir den Einstieg zu Berlusconi, der vor allem aufgrund seiner überragenden Mutter Bandera und der besonders überzeugenden Vererbungsleistung der gesamten Familie unseren Zuspruch als Vatertier bekam.

Elitestute Bandera, aus dem Hause Ebert wurde im Jahr 2003 Eintragungssiegerin und auch Jahressiegerstute. Gut acht Wochen vor dem Trakehner Bundesturnier nahm Hella Kuntz sie unter den Sattel, die Einlauf- und Qualifikationsprüfung zum Championat für dreijährige Reitpferde beendete sie mit einer silbernen Schleife. Das Championat gewann sie und erhielt die Nominierung zum Bundeschampionat. Zwei vierte Plätze in Qualifikation und Finale standen am Ende des Warendorfer Wochenendes. Vier Starts in renommierten Prüfungen mit vier Platzierungen an vorderster Front – Hier darf man wohl von besonderer Effizienz im Sporteinsatz sprechen!

Ausdrucksstark und wach: Berlusconi

Bandera kehrte zurück in den heimischen Züchterstall und ihr wirken als Zuchtstuten zu beginnen. Aber das Pech verfolgte sie und ihre Züchterfamilie denn der 2009 geborene Berlusconi sollte der einzige Bruder des 2008 geborenen Banderas bleigen. Das erste (2006)und zweite (2007) Hengstfohlen verstarben jeweils kurz nach der Geburt durch unglückliche Unfälle. 2009 wurde abstammend von Le Rouge der dritte Sohn der Bandera geboren: Banderas, Prämienhengst der Körung 2010 in Neumünster. Er legte einen ordetnlichen 30 Tage-Test mit guter dressurbetonter Note – das Springen war ob seines Vaters erwartungsgemäß nicht die größte Stärke – ab und qulifizierte sich fünfjährig zum Bundeschampionat des jungen Dressurpferdes.

Bandera wurde nach Berlusconi noch einmal tragend, ging aber leider während der Trächtigkeit an Kolik ein. Und so sehr hatten die Züchter gehofft eine Tochter von ihr zu bekommen….

Banderas Vater war der 1990 geborene Elitehengst Friedensfürst, der damals als besonders moderner Vererber galt: 174 cm groß, langbeinig, bergauf getragene Bewegungen und hohe Rittigkeitswerte. Im Hengstbuch wurde er wie folgt beschrieben: Trotz Übergröße versteht es dieser typvolle Rondo-Sohn, ein hohes Maß an Harmonie, Gleichgewicht und Losgelassenheit, besonders unter dem Sattel zu entwickeln. Wohlgeformte Halsung, bedeutender Schultergürtel, mit großzügiger Sattellage. Das etwas offen gewinkelte Hinterbein entwickelt Tragkraft in allen drei Grundgangarten mit Energie und Kadenz, so dass dieser Hengst ein bedeutendes Beschälerbild verkörpert.

Friedensfürst kam über Umwegen zum Trakehner Verband: Im November 1994 legte er eine fabelhafte Hengstleistungsprüfung in Adelheidsdorf (5. v. 53) ab, bestach durch sehr gute Leistungen mit herausragenden Noten sowohl in der Dressur als auch im Springen. Es folgte die Erstkörung im Dezember 1994 durch den Hannoveraner Verband in Verden. Im Januar 1995 erkannte der Trakehner Verband ihn in Alsfeld an.

Im Anschluss an die HLP startete er in eine ausgesprochen erfolgreiche Dressurkarriere. Zunächst war er unter Nicole Uphoff und später unter Lisa Wilcox auf den großen Dressurplätzen unterwegs. 58 Erfolge weist die FN in der schweren Klasse aus, davon mehr als die Hälfte unter den ersten drei, bei 22 Siegen. Bis zu seinem viel zu frühen Tod im Alter von 11 Jahren galt er als einer der großen Hoffnungsträgern des Dressursports.

Der charakterstarker, elegante Fuchs war ein Sohn des Leistungsprüfungssiegers Rondo, der neben Friedensfürst eine ganz erkleckliche Anzahl (134) an Nachkommen im Sport verzeichnen kann. Darunter fünf in der Dressur bis Klasse S, 3 im Springen bis Klasse S und einer im Fahren bis Klasse S. In Zeiten, in denen der Natursprung die Nachkommenzahl noch limitierte, ist dies eine nicht zu verachtende Größe.

Das Jahrbuch Sport verzeichnet für Friedensfürst eine Nachkommenlebens-gewinnsumme von 62.500 €. 191 Nachkommen sind als Turnierpferde registriert, davon 110 mit Erfolgen. Eine Handvoll weist Erfolge bis Klasse S aus, sowohl in der Dressur als auch im Springen. Auch die Nachkommengewinnsumme erwirtschaftet sich aus allen Sparten der Reiterei, denn trotz seines ausschließlichen Dressureinsatzes haben die Nachkommen des Friedensfürst auch Dampf am Sprung. Allen voran ist hier sein gekörter Sohn Lücke zu nennen, dessen Hengstleistungsprüfung ebenso wie die des Vaters tadellos war. Mit einem Gesamtindex von 125,42 Punkten war er vierter von 43 Prüfungsteilnehmern und belegte den zweiten Platz mit 128,30 Punkten im Teilindex Springen. Für die Teilbereiche Leistungsbereitschaft, Springvermögen und im Fremdreitertest Springen erhielt Lücke jeweils die Höchstnote 10. Im Jahr 2003 qualifizierte er sich zum Bundeschampionat des sechsjährigen Springpferdes, im Jahr 2004 schaffte er erfolgreich den Sprung in die schwere Klasse. Er ist der erste und einzige Trakehner, der je in das Springpferdeprogramm der Hannoverschen Zucht aufgenommen wurde.

Banderas Mutter stammt auch schon aus dem Züchterhaus Ebert. Horst Ebert erwarb ihre Mutter Blinklicht II im Vertrauen auf die Aussage von Fritz Schilke, dass Stärke, Größe und Gangvermögen charakteristische Merkmale der Blitzrot-Familie seien, von der hessischen Hausstiftung Panker. Die mit der Verbandsprämie ausgezeichnete Blinklicht II verband als Tochter des angloarabischen Halbblüters Burnus und Enkelin des Vollblüters Pindar die positiven Eigenschaften des Edelbluts perfekt mit den Vorzügen dieser durchgezüchteten Stutenfamilie, die ihren Ursprung im Hauptgestüt hat. Typstärke, Adel und Gangvermögen zeichneten die Ausnahmestute aus.

Aus der Anpaarung von Blinklicht an den als Verstärker geltenden Diamant, fiel dann 1989 Ballerina XXV, die 1992 Reservesiegerin der ZSTE in Bayern wurde. Mit einem Stockmaß von 1.66 m und einem Röhrbeinumfang von 20 cm wurde sie mit folgenden Noten eingetragen: Typ 8, Gebäude 8, Regelmäßigkeit der Bewegung 7 und Schwung 9 sowie Gesamteindruck 8. Die Vererbungsleistung dieser Ballerina darf man wohl als Knaller werten! Hier einige Beispiele:

1994 Buddenbrock von Sixtus – Körung 1996, Elitehengst, S-Dressursieger

1995 Balalaika III von Sixtus – Reservesiegerin der Eintragung 1998 in BaWü

1996 Biskaja von Sixtus – Siegerstute der Eintragung 1999 in BaWü

1998 Batida von Sixtus– Prämienstute und Mutter des gekörten Hengst Blitz und Donner v. Lehndorffs (Bester Springhengst 2004)

2000 – Bandera von Friedensfürst – wie zuvor beschrieben…

2004 Banderas von Sixtus – Hengstanwärter NMS, bis Klasse S in der Dressur erfolgreich

Balalaika VI wurde später Mutter der Siegerstute (BaWü /2008) Bakira von Summertime und und ihrer Vollschwester Briska – „Beste Stute der Schau“ (Rhl-Pf-S/2007)

Aus dieser Familie stammen unzählige Sportler, gekörte Hengste und hoch dotierte Stuten; Es lohnt sich einmal Horsetelex zu besuchen und die Stutenfamilie anzusehen. – Hier alle aufzuzählen würden den Rahmen sprengen!

Wegen Bandera habe ich dann auch nochmal zum Telefon gegriffen und im Gespräch erzählte Horst Ebert dann, dass er immer besonderen Wert auf die guten Mütter gelegt hat. Dass es ihm immer wichtig war ein aktives Hinterbein zu sehen. Größe und Rahmen, denn schließlich würden ja auch die Menschen immer größer… Auf dieses Wirken und diesen Stutenstamm vertrauen wir eben auch ein gutes Stück weit.

Berlusconi repräsentiert über Generationen Qualität in Sport und Zucht auf höchstem Niveau! Beim Schreiben dieses Portraits ist ein Wunschfohlen in Gedanken gewachsen! Wir hoffen dass es aufgeht und sind enorm gespannt aufs kleine „O“ 2019.

Fotos mit freundlicher Genehmigung der Hengststation Massener Heide
Fotos: Fotografie Marx, Hengststation, Martin Schhütte HorsepowerPictures

Türchen 12 – BungaBunga… ;-) … Blümchen trägt von Berlusconi

Nach dem Fohlen ist vor dem Fohlen und nachdem Blümchen sich gut von der Geburt erholt hatte, wurde die nächste Bedeckung geplant.  Hier müssen wir jetzt etwas ausholen: Im Herbst 2017 hieß es, dass AXIS in 2018 den Züchtern wieder per Frischsamen zur Verfügung stehen würde. Gerne hätten wir diesen großlinierten Sportler mal für Blümchen benutzt, aber diese Chance verpuffte leider im November 2017 als Axis im Alter von 18 Jahren beim morgendlichen Training an einem Aortenabriss verstarb. Tragisch!

Noch wenige Tage zuvor sahen wir einen seiner Söhne beim Sieg des TSF Dressurchampionat : Sidney Bay entschied unter Nuno Palma y Santos souverän das Finale des Trakehner Dressurchampionat mit 73,45% in Neumünster für sich und rückte damit seinen Vater einmal mehr in den Focus.

Fakt war also: Wir schauten gezielt nach einem Sohn des Axis und derer gibt es bei den Trakehnern vier:

Zunächst die beiden aus Kostolany-Müttern stammenden Hirtentanz und Sydney Bay. Diese Kombination wollten wir mit Blümchen nicht.

Dann Ballzauber a.d. Ballgeflüster v. Itaxerxes, der bis vor kurzem in den USA stationiert und damit quasi nicht verfügbar war. Aktuell steht er auf der Hengststation Holkenbrink und bietet damit eine sehr interessante Pedigree-Alternative für die Zukunft.

Last but not least der jüngst bei den Trakehnern gekörte Sohn Berlusconi aus der Bandera von Friedensfürst. Die Kombi der beiden international erfolgreichen Väter plus diese phantastische Mutterlinie gaben den Ausschlag!! Es sollte Berlusconi werden.

An dieser Stelle darf auch die sehr gute Arbeit der Hengststation Massener Heide gewürdigt werden: Immer freundlich, zuverlässig und mit züchterfreundlichen Konditionen agierend.

Mitte Mai gibt es also einen Berlusconi-Blümchen Mix. Wir geben mal einen Tipp für die Farbe ab: Braun mit Stern 🙂

Die nächsten beiden Tage wollen wir uns also Berlusconi widmen, denn seine Abstammung hat eine intensive Betrachtung in jedem Falle verdient.

Berlusconi wurde 2009 im Hause Ebert/ Neckarsteinach geboren und 2011 in Neumünster gekört. Lars Gehrmann kommentierte den Hengst damals als weit gereift, als ein Beschälermodell mit herrlichem Seitenbild und mit männlichem Ausdruck sowie  aus bestem Leistungsblut stammend. Kraftvoll am Sprung, dynamisch in den Bewegungen, mit großen Partien, über viel Boden stehend und mit allen Attributen eines künftigen Vatertieres ausgestattet.

Seit dem hat sich Berlusconi weiter entwickelt, weist heute stolze 172 cm Stockmaß aus und konnte sich im Sport ebenfalls profilieren: 2018 errang der neunjährige die ersten Erfolge in internationalen CIC* Vielseitigkeitsprüfungen erringen. Die FN Siege und Platzierungen bis Klasse L in allen drei  Disziplinen – Dressur, Springen und Vielseitigkeit – aus. Berlusconi besticht mit echter Doppelveranlagung und einer großen Galoppade. Durchlässigkeit und Lernbereitschaft sowie sehr viel Geschick am Sprung mit guter Manier und Technik runden das Paket ab. Seine beiden HLPs (30 TT und 70 TT) schloss er mit Noten im hohen Achterbereich für seine Grundgangarten, die Springanlage und sein Interieur ab.

Heute ist Berlusconi bereits Vater zweier Prämienhengste: Der 2013 bei Dr. Renate Wernke-Schmiesing geborene Fellini avancierte 2015 zum 2. Reservesieger der Trakehner Hengstkörung in Neumünster. Er offenbarte ein unglaubliches Bewegungspotential – locker, kraftvoll mit Mechanik und großer Übersetzung. Er hat uns damals sehr beeindruckt! Im 14-Tage-Test und den Sportprüfungen überzeugte er jeweils mit hohen Noten jenseits der acht. Im Juni 2018 bestritt er das erste Turnier seines Lebens, die Aufgabe war eine Dressurpferde, L die er mit goldener Schleife und Qualifikationsnote für Warendorf verließ. Es folgten im August ein weiterer Sieg und ein zweiter Platz in der gleichen Klasse. Auf dem Bundeschampionat erreichte er zwei gute Platzierungen im Mittelfeld.

Der Trakehner Fuchshengst Giuliani war Prämienhengst der Trakehner Körung 2018. Zuchtleiter Lars Gehrmann kommentierte ihn als herrlich markant und sportlich, als Dressurjuwel von hoher Gesamtqualität. “Körperlich längst noch nicht ausgereift, hat Giuliani eine tadellose Oberlinie und zeigte mit die beste Galoppade aller Hengste in steter Aufrichtung und mit gutem Antritt. Dabei steht er auf guten Hufen und hat große, gut eingeschiente Gelenke.“ Wie auch schon sein Vater stammt er aus der Zucht von Familie Ebert.

Die ältesten Nachkommen von Berlusconi sind 2018 wie Fellini fünfjährig. Insgesamt sechs Stück werden bei Rimondo ausgewiesen, mit altersgemäßen Erfolgen in Jungpferdeprüfungen. Die Erfolgsdatenbank (www.fnverlag.de) hat leider noch keine aktualisierten Daten aus dem Jahr 2018 unter dem Hengst stehen.

Berlusconis Vater Axis ist ein Sohn des von uns verehrten Sixtus, der auf dieser Homepage als Vater unseres Belgabads auch schon einen besonderen Platz erhalten hat.

Im Interview zu Axis‘ Hengstportrait, dass Meike Düsterwald für die trakehnerfreun.de führte, berichtetet Terhi Stegars am Telefon Persönliches über „ihren“ Axis: Sie hat sich schon bei den ersten Runden auf dem dreijährigen Axis sofort wohl gefühlt, wäre sie hier als Fremdreiterin unterwegs gewesen, so hätte er eine glatte 10 von ihr bekommen. Im Umgang war der schöne Rappe in jungen Jahren ein „richtiger Kerl“. Das hat sich mit den Jahren gegeben, inzwischen bezeichnet Terhi Stegars ihren Axis als richtigen Gentleman mit feinen Manieren. Er sei mit einem großen Talent für Seitengänge ausgestattet, immer ungemein elastisch und biegsam. So eine natürliche Rittigkeit und Leistungsbereitschaft wie bei Axis hat die Berufsreiterin sehr selten erlebt.

Dieses Empfinden spiegelte sich von 2007 bis 2016 auf den Turnierplätzen der ganzen Welt wieder. 75 Erfolge feierte das Paar alleine in der schweren Klasse, davon waren 22 Siege. Die letzten Starts und auch zugleich die letzten Siege errangen sie im März 2016 in Beaufort, wo sie den GrandPrix und die Grand Prix Kür für sich entscheiden konnten. 40.869 € weist die FN als Lebensgewinnsumme für Axis aus.

Auf in etwa die gleiche Gewinnsumme sollten es die 67 Nachkommen des Axis mit Abschluss des aktuellen Turnierjahres ebenfalls bringen. Fünf der Nachkommen sind in der scheren Klasse erfolgreich, wobei es hier 3:2 fürs Springen steht 😉 – Über die Gesamtheit seiner Nachkommen kann man feststellen, dass sie in allen Sparten gleichermaßen im Einsatz sind. Ganz wie der Herr Papa, der anlässlich seiner Körung auch noch bester Springhengst war – nur Terhi wollte davon wohl nix wissen.

Axis stammt aus der Stutenfamilie der T20F1 Arcona, einer Hauptgestütsfamilie die in späteren Jahren einige patente Sportler hervorbrachte – unter anderem der in schweren Springparcours erfolgreiche Alaskatraum von Abdullah stammt aus dieser Familie.

Axis‘ Mutter Arkansas ist eine Tochter des Anduc Sohnes Angard. Angard trug das Brandzeichen des hessischen Verbandes und wirkte Zeit seines Lebens auf dem Jagdschloss Zweifalten. Er war im Dressurviereck erfolgreich bis zur schweren Klasse, stellte sieben gekörte Söhne und seine als Sportpferd eingetragenen Nachkommen verdienten bis heute über 120.000 Euro. Der Hengst wurde anlässlich seiner Anerkennung von Lars Gehrmann so beschrieben: Ein im Typ vom Vater deutlich geprägter Hengst in imponierender Aufmachung mit interessantem anglo-arabischem Ursprung mütterlicherseits; großrahmig und großlienig angelegt und mit einem mittelstarken Fundament in guter Korrektheit, mit relativ kurzen Fesseln ausgestattet.

Zwei weitere Sixtus-Söhne aus der Arkansas reisten nach Neumünster, erhielten aber kein positives Körurteil. Einer der beiden, Avalon, qualifizierte sich jedoch 2009 unter Julia Mestern für das Bundeschampionat des deutschen Geländepferdes. Danach trat er jedoch leider sportlich nicht mehr in Erscheinung.

Axis‘ Großmutter Arabeske ist eine väterliche Schwester zum Elitehengst Heuriger, der auf internationaler Ebene unter Ellen Bontje Wettkämpfe für die Niederlande bestritt. (u.a. 1994 WM-Silber mit der Mannschaft / 5. In der Einzelwertung).

Arabeske ist ebenso wie Angard ein Enkel des Gunnar, wodurch Arkansas in dritter Generation eine Linienzucht auf Gunnar ausweist. Gunnar wurde als ein Hengst mit viel Ausdruck und Trockenheit beschrieben. Energisches Gesicht, guter Hals, viel Schulter, geschlossener Körper, viel Schwung. Die energischen und schwungvollen Bewegungen gab er fast an alle seine Nachkommen weiter.

Axis repräsentiert ein durch und durch sportliches Pedigree, das bei Berlusconi auf eine eben solche Mutterseite trifft. Aber dazu schreiben wir morgen…;-)

Fotos mit freundlicher Genehmigung der Hengststation Massener Heide
Fotos: Fotografie Marx, Hengststation, Martin Schhütte HorsepowerPictures

Türchen 11 – B… B… B.. Zauberfranzi :-)

Nachdem unser Adventskalender sich dieses Jahr schon zum achten Mal jährt, brauchen wir zur Abstammung unserer Pferde nicht mehr zu referieren. Dies ist zu Genüge geschehen und wir laden alle Erstbesucher herzlich ein, die Suchfunktion zu nutzen. Nachdem wir gestern kurz auf BabyBelle,die in 2019 wieder Mutter wird, schielten, gehört das heutige Türchen Belle Francaise. Oder Zauberfranzi  oder schlicht Franzi – der geneigte Besucher wird bei seiner Suche fündig werden 😉 .

Dieses Jahr sollte es los gehen mit unserer Franzi! Fünfjährig, gerade passend für den Start in Springpferde-Prüfungen. So war der Plan.

Hin und wieder bestimmen ja auch andere berufliche Themen den Tagesablauf und so schien der Mai als realistischer Zeitpunkt Training und Turnierstart aufzunehmen. Und dann war Karen krank. Krankenhaus, völlig out of Order, das komplette Paket! – Nix war es mit reiten.  Und dann wurde es heiß! … So heiß! Und so trocken!!

Lange Rede kurzer Sinn: Bis wir tatsächlich ins Training starteten, wurde es Ende Juli. Training immer auf Zuruf, wenn es mal geregnet hatte, denn so toll die Böden, die richtig viel Wasser vertragen ja auch sind, 2018 waren sie kontraproduktiv. Nicht nur einmal musste das Training ausfallen, weil der Platz  nicht bereitbar war.

Und so nahm Franzi dann tatsächlich bis zu ihrer ersten Springpferde-A im Oktober an vier Trainings teil. 🙂  Davon sprang sie auch wirklich einmal einen kompletten Parcours….

Als sie dann in Köln Weiß an den Start ging, hätten wir es ihr wirklich was weniger glotzig gewünscht. Bei 1 ging es los mit einer roten Planke, 2 folgte auch mit irgendeinem Unterbau… Welle, Gatter, es war alles vorhanden.

Aber sie machte einen super Job, sprang gut und ohne Fehler, was noch etwas fehlte war die letzte Kraft und die Souveränität im Rhythmus zwischen den Sprüngen. Sie hätte die Vorderbeine noch etwas mehr anheben dürfen und sie war auch nach der letzen Wendung sichtlich geschockt, dass da noch ein Sprung kam, denn den hatte sie nicht mehr erwartet. Belohnt wurde das Ganze mit einer 7,0 und damit waren wir mehr als glücklich und zufrieden für den ersten echten Springparcours ihres Lebens.

So darf sie nächstes Jahr dann auch noch Springpferde A gehen. Die Kraft und die bessere Technik wird mit der weiteren Ausbildung schon kommen. Wichtig war, dass die Einstellung stimmte – und das tat sie :-)!!

Kaum begonnen, war die Saison 2018 dann damit auch schon am Ende. Am 28. Oktober ging es mit mir nach Greven zur Trakehner VS-Sichtung. Im Nachgang betrachtet war Greven sicher nicht de richtige Ort für den Einstieg über feste Hindernisse, denn da war gar nichts, wo man das unerfahrene Pferd einfach nur so ein bisschen nett drüber reiten konnte. Darüber hinaus ereilte uns kurz vor Ankunft auf den Trainingsplatz eine sehr traurige Nachricht  – am frühen Morgen war mein Papa gestorben…. Es kam wie es kommen musste, die Nerven beim Reiter lagen blank, Franzi übersprang sich am ersten Baumstamm enorm, erschrak sich brutal vor meinem darauf hin zufassendem Bein und bockte los, als gäbe es kein Morgen mehr. Ich habe wirklich gekämpft, dem Vernehmen nach auch lange erfolgreich, aber schlussendlich musste ich mich der Schwerkraft geschlagen geben: Mit Schwung landete ich im Gevener Sand (und hatte EINE WOCHE lang KÖRPER!!!)

Danach lief es aber besser. Der erste Schreck war verdaut, sie machte einige sehr gute Sprünge und wurde für ihr Vermögen gelobt. Sie ging super durchs Wasser und zog im Galopp mal richtig los, aber dann war auch der Akku leer! Ganz plötzlich merkte man, dass da vor allem geistig gar nichts mehr ging! Genug Neues aufgenommen. Genug gelernt. Es reichte! Zeit Schluss zu machen.

Seitdem hatten wir sie zum Training mal mit auf dem Annaberger Hof, das klappte ganz gut. Ganz anders als bei Fee, die selbstbewusst auch alleine ihr Ding macht, ist bei Franzi das getrennt sein von ihrer Herde, ihren Freunden, ein Thema. Auch mal eben zur Überzeugung „anpieksen“ wenn sie noch nicht in ihrer Situation angekommen ist, funktioniert nicht, denn dann schmeißt sie den Schleudersitz an. Und das dann auch nachdrücklich!

Sie braucht ihre Zeit, sie muss das alles verstehen, dann klappt es gut. Das ist auch etwas, worauf man sich als Reiter einlassen muss. Aber bei all dem macht sie unterm Sattel wirklich viel Spaß! Sie verkörpert das tolle Gesamtpaket aus „sitzbequem und trotzdem spritzig“.

Sicher, das nächste Dressurpferdechampionat wird sie ob ihres Trabes nicht rocken, aber dafür wurde sie auch nicht gezüchtet! Es gibt auf dieser Erde ja eh keinen Parcours, der im Trab gewonnen wird! 😉

Wir freuen uns in jedem Falle auf 2019, denn da nehmen wir sie mal ein bisschen mit. Springpferde- und Geländepferdeprüfungen darf sie ja ohne Limitierung auch sechsjährig noch fein laufen! Ein Ziel ist in jedem Falle das Trakehner Bundesturnier im Juli.

Türchen 10 – Warten auf Bel … oder Belle …

Nachdem es in 2017 mit BabyBelle nicht klappte, hieße es in 2018 „ein Schuss ein Treffer“! Babybelle trägt von Nathan de la Tour. Errechneter Geburtstermin ist der 25. März 2019.

Der imposante Schimmelhengst war Körungssieger, vierjährig Finalist in Fontainebleau, fünf und sechsjährig mehrfach siegreich in Springen bis 1,30 Meter und qualifiziert für das Championat in Fontainebleau. Siebenjährig war er siegreich und platziert in Springprüfungen bis 1,40 Meter auf internationalen Turnieren. Dort schlug er Pferde, die später in Großen Preisen erfolgreich waren und mit denen er sich hätte messen können und sollen aber leider beendete 2008 ein Unfall seine Sportkarriere.

Nachdem die französoschen Staatsgestüte aufgelöst wurden erwarb ihn ein Syndikat engagierter Züchter “ Génétiqu‘ Anglo und er war für drei Jahre der meistgenutze AA Vererber in Frankreich. 2017 konnte Landstallmeistering Astrid von Velsen-Zerweck ihn für Marbach sichern.

NATHAN DE LA TOUR / Bild mit Genehmigung des HuLG Marbach

Sein Vater ist zu Lebzeiten bereits eine Vererberlegende: Fusain du Defey. Der 1993 geborene, 165 cm große Schimmel war zu seiner Zeit Finalist der Weltmeisterschaft der jungen Springpferde und später in schwersten, internationalen Springen erfolgreich.

Dessen Vater Phosphor´d`or war ebenfalls in schweren Springen erfolgreich , bevor er Frankreich verließ und in Italien als Deckhengst wirkte.Großvater Unicol ‚Or AA ist im Übrigen über Feticheur ebenfalls väterlicher Großvater bei Icare ‚ d Olympe.

Die Mutterlinie von Fusain du Defey zeichnet sich durch viele höchstsportliche Nachkommen aus, einige Töchter wurde Hengstmütter, wie beispielsweise Ladybird de Buissy die Mutter des Rock’n Roll Animal, der vier-, fünf- und sechsjährig Finalist in Fontainbleau, dem Nachwuchs-Championat für französisch gezogene Springpferde, war.

Auch die Mutterlinie von Nathan de laT our geben die französischen Quellen mit besonderer Qualität an:

Die ersten Nachfahren von Nathan wurden in 2007 geboren und schon 2009 sicherten sich zwei zweijährige Nachfahren Höchstnoten In Pompadour: Sein Sohn TORRENT BIBOULET  erzielte die beste Punktzahl im Freispringwettbeweb und  seine Tochter THEMIS DES MARTRETTES gewann ihre Abteilung bein den zweijährigen Stuten.

Seither haben sich die Nachkommen des  sportlich profilieren können und errangen beachtliche Erfolge in Spring- und Vielseitigkeitsprüfungen bis zur schweren Klasse. (https://de.calameo.com/read/005464629fbfa97435342)

2018..

.. gewann sein Sohn, der sechsjährige NINJA DE SAGAZAN Z, das französische Junioren Championat  in Tartas mit seiner jungen Reiterin.

..wurde Nathans Tochter FOLLOW ME PALIJA dritte bei der französischen Meisterschaft der 3-jährigen Pferde mit CCE-Ausrichtung anlässlich des Mondial du Lion d’Angers.

… sah Bayern aus dem ersten Jahrgang des Nathans in Marbach 2018 sein Hengstfohlen-Champion. KASHMIR, ein Sohn der ehemaligen Eintragungssiegerin Kassaya von Imperio überzeugte das Richtergremium mit guter Linienführung, Typstärke, toller Galoppade und Leichtfüßigkeit – „Ein Modellathlet, wie man ihn sich wünscht!“ titelt die bayrische Zuchtbezirks-Homepage.

Auch wir sahen einige kleine Nathans und waren sehr überzeugt!

Nach den positiven Erfahrungen mit Icare und Belle,  sind wir gespannt, wie der nächste Anglo zu dieser Sutenfamilie passt.

Ob es ein Bel oder eine Belle wird? – Wenn man vom Verhalten der Stute auf das Geschlecht schließt, dann bekommen der Grieche und der Flieger erneut einen Bruder. Genau wissen wir es dann Ende März, denn von Weihnachten an sind es noch 90 Tage zum errechneten Termin; das wird das früheste Fohlen, dass wir je hatten. Hoffen wir darauf, dass wir erneut einen April mit sommerlichen Temperaturen genießen dürfen, damit Mutter und Kind auch direkt unbeschwert nach draußen können.