Adventstürchen 20 – Unbeschlagen = Verwahrlost??!!

Tür20-2014Ohne Huf kein Pferd – Soweit so gut, oder? Weiß jeder. Und dann ist auch ganz oft, die Fahnenstange schon am Ende. Wir sehen es immer wieder. Man guckt einem Pferd auf den Fuß, sieht diesen völlig aus der Achse gehen, irgendeinen gruseligen Beschlag drauf und wenn man es anspricht, dann heißt es „Habe ich keine Ahnung von , mein Schmied…“ und dann kommen tolle Argumente von „immer pünktlich“, „gar nicht teuer“ bis hin zu „hat noch nie ein Eisen verloren“. Gerade bei letzterem denkt man dann oft, „Klar, so eng wie das da drunter gezimmert ist, braucht es auch keine Nägel um zu halten!“

Vorweg, wir sind Fans des Barhufs, er ist das Gesündeste, aber dies soll kein Barhuf-Plädoyer werden. Zumindest nicht in Gänze. Es gibt Notwendigkeiten für ein Eisen – gar keine Frage. Zum Stollen rein drehen beispielsweise. 😉 oder im Distanzsport, wo es viele Kilometer bei unterschiedlichen Böden über Land geht. Aber vom Grundsatz, sollte ein Pferd bei normaler Nutzung, also sprich, einmal die Woche ein bisschen ausreiten und den Rest in der Halle mit gutem Boden prima ohne Eisen klar kommen.

Kann es das nicht, so ist hier ein Fehler im Funktionskreis zu konstatieren, nenne man sie auch eine krankhafte Veränderung. Ein junges Pferd, was nur mit verlängerten Eisenschenkeln und einem Steg im Hallenboden laufen kann, hat ein ganz anderes Problem. Aber man will sie ja nicht kaputt machen, die Sehen müssen geschützt werden und so wird das Eisen notwendig. Wenn das vernünftig gemacht wird, ist auch alles gut. Nichts desto trotz, führe man sich hier bitte vor Augen, das man Kosmetik an einem Problem betreibt, das einen irgendwann einholt. Der Barhuf allerdings wird es auch nicht lösen können. Eigentlich hat man einen Sozialfall im Stall….

Aber darum soll es hier gar nicht gehen, sondern um die Tatsache, dass es heutzutage ja fast schon einer Vernachlässigung gleichkommt, wenn man mit dem unbeschlagenen, dreijährigen Pferd zur Zuchtschau kommt. „Da sind ja gar keine Eisen drauf??!!“ wird man dann voller Entsetzen gefragt. Der leicht vorwurfsvolle Unterton kann vieles mitliefern: „Tierquäler!“, „Amatuere!“, „Guck, alle anderen haben das!“ oder auch „Geizhals! Das Geld für den Beschlag geklemmt!“ sind einige der Möglichkeiten.

Die Eisen auf den anderen sind angeblich drauf, weil die Pferde sonst nicht gearbeitet werden können…. Aaahhhh jaaa! Na gut, aber unsere können das!

Was natürlich zutrifft, mit Eisen treten sie mehr zu – …denn sie fühlen den Boden nicht! Und nun kommt das Hauptargument: Sie kommen mehr übers „Knie“! Hier wären wir dann wieder beim Spektakel….

Den Notwendigkeiten kann man sich beugen, Gott, wenn es denn sein muss, dann kommen da eben Eisen drauf. Zwei Tage vor der Veranstaltung rauf, einen Tag nach der Veranstaltung wieder runter. Und warum? Weil es so das gesündeste ist.

Eine ordentliche Barhufpflege spart im Vergleich zum Eisen keinen Cent! Vielleicht sogar manchmal im Gegenteil. Der Schmied kommt häufig und korrigiert wenn nötig in kleinen Schritten, kein Vergleich zu Beschlagsperioden von acht Wochen (oder noch länger….).

Einer der top Entwicklungsingenieure von Mercedes Benz hat einmal in einem Vortrag eingebunden, dass die beste Stoßdämpfung, die je erfunden worden wäre, von Mutter Natur stamme, es wäre der Pferdehuf. Und jeder, der sich mal mit einem Hammer auf den Finger gehauen hat, weiß, dass es mit Dämpfung bei Eisen nicht weit her ist. 😉

Ein gesunder Huf, mit funktionierendem Mechanismus dehnt sich bei jedem Schritt ab der Zehenspitze über die gesamte Länge bis hin zur Trachte aus . Neben der Stoßdämpfung, wird hier noch ein bisschen“ Blut das Bein hinauf in Richtung Herz zurück gepumpt.

Mittendrin in der Hornkapsel: Das Hufbein. Letzeres, bzw. seine Hufbeinäste entwickeln sich bis zum vierten, fünften Lebensjahr. Je nachdem, wann der Körper das Knochenwachstum voll abgeschlossen hat. In jedem Falle aber ist der Prozess sowohl im dritten als auch im vierten Lebensjahr noch voll im Gange!

Jeder weiß, für junge Pferde ist viel Bewegung wichtig, keine weiche Tiefstreu in den Boxen, gerne Bewegung auf hartem Boden. Aber kaum einer verdeutlicht sich, was den jungen Pferden eigentlich angetan wird, wenn wir sie zur „Päparation“ auf einer Zuchtschau – wir erinnern uns, das ist dummes im Kreis laufen!“ über Monate mit einem Eisen versehen, was sie a) nicht wirklich brauchen (um im Kreis zu laufen) und ihnen b) auch noch schadet, weil es den Mechanismus einengt und sich damit direkt auch auf den im Wachstum befindlichen Knochen auswirkt!

Zu a) möchte man noch einschränkend hinzu fügen: Sollten sie es doch brauchen, nur um ein paar Runden im Kreis laufen zu können, haben sie in der Zucht nichts verloren!!

Glücklich ist der, der einen guten Schmied hat! Wir haben einen sehr guten! Sein Motto ist „Nach Möglichkeit bitte barfuß, weil es das Gesündeste ist. Und wenn dann ein Beschlag drauf muss, dann müssen wir da was Gutes machen“.

Also bitte, liebe Kritiker, unsere Pferde sind unbeschlagen, weil es gesund ist. Unsere Pferde sind unbeschlagen, weil sie top Hufe haben: Groß, rund und grade! Sie sind unbeschlagen, weil sie schlicht und ergreifend dieses Hilfsmittel nicht brauchen!!!!

Eigentlich könnte das ja auch positiv gewertet werden, oder? Und wenn es dann unbedingt Gewicht braucht, können wir ja Blei dran hängen… wir haben noch ein paar Kilogramm vom Tauchen über…

4 Gedanken zu „Adventstürchen 20 – Unbeschlagen = Verwahrlost??!!

  1. Tränen gelacht! Genau so ist es bei
    – Eintragung
    – SLP
    aber auch im Sport ( Vet- Check)

    “ Die hat ja keine Eisen“- „Braucht keine!“ – „also ich meine, sie ist unbeschlagen!“ – “ ja, läuft immer barfuß!“ – „Sie hat also wirklich keine Eisen!“ – „NEIN!“

    Nachkontrolle zeigte erstaunlicher Weise, dass das Pferd WIRKLICH keinen Beschlag brauchte….

  2. Absolut einverstanden !
    Man kann sogar sowohl auf der Stutenschau, als auch beim Stutentest als solch ein „Exot“ gut abschneiden. 😉

  3. Genau so muss es sein !!! Für die Gesundheit…..und nicht für spektakuläre „Show“-Tritte. Glückwunsch zu dieser Einstellung 🙂

  4. Das unterschreibe ich.

    Wir fahren hier halbe-halbe. Bzw im Sommer hat das Buschpferd Eisen drauf – wegen der Stollen. Zwei sind leider dabei, die vorne Eisen haben müssen. Die eine läuft sich extrem ab da weiches Horn, die andere hat zwar tolle große Hufe, aber dabei hat der liebe Gott das Gewölbe vergessen… Mein Schmied denkt übrigens wie Eurer 😉

    Ein schönes Wochenende wünscht
    Llewella

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