Türchen 21 – Der Handel

AK21

Hast Du erst einen angeschissen,
ist das nicht wieder wegzuwischen…

In diesem Kapitel des Buches geht es um den Pferdeverkauf, das 1982 geltende Recht, welches mittlerweile ja überholt ist, Seriosität und, so nennt es Köhler, „Medizinische Kalamitäten“.

Auf den Handel wollen wir nur ganz kurz eingehen, denn „Handel“ trifft es ja bei uns nicht wirklich. Wir verkaufen hin und wieder mal ein Pferd aus eigener Zucht. Soweit so gut.

Festhalten kann man auch, dass unsere Pferde unser Hobby sind und dass ein Hobby Geld kostet ist ebenfalls bekannt. So ist man froh, wenn der Zögling mit einer „schwarzen Null“ den Hof verlässt und zieht generell ausschließlich nach eigenem Qualitätsanspruch in Fütterung, medizinischer Versorgung, Hufpflege, etc. auf. Ebenso, wie man das geliebte Tier selbstverständlich nur in Hände gibt, in denen man es gut aufgehoben glaubt.

Wichtig ist uns vor allem, dass Mensch und Pferd später zueinander passen. Denn nur so sind alle Parteien auf Dauer zufrieden. Um ein aktuelles Beispiel zu geben: Käme nun ein eher zögerlicher Mensch hierher und wollte gerne den Griechen erwerben, so würden wir von diesem Verkauf wohl absehen. Der Grieche ist ein klasse Kerl, selbstbewusst und mutig – aber vermutlich würde er mit einem etwas zarter besaiteten Individuum recht schnell Schlitten fahren. Er braucht seine gesetzten Grenzen und er ist definitiv kein Typ für den antiautoritären Erziehungsstil. 😉

Ganz anders zum Beispiel ist Mirar. Er ist ebenso wie sein Halbbruder Maravedi ein wirkliches Herzchen, auch selbstbewusst auch mutig, aber im Umgang doch um einiges „höflicher“. Er würde auch zu dem zart besaiteten Typ Mensch passen. Blümchen bräuchte einen Menschen der Sicherheit ausstrahlt, was Fee wiederum völlig egal wäre – derer hat sie selbst genug! Dafür bräuchte Fee aber zwingend einen Menschen der Freude am Schmusen mit Pferden hat, denn das liebt sie über alles. 🙂

Gerne betreuen wir also unsere Interessenten vor dem Kauf länger, lassen ihnen die Zeit sich zu entscheiden – ebenso wie wir die Möglichkeit haben, in dieser Zeit zu schauen ,ob es wirklich passt. Tut es das nicht, so formulieren wir das und lehnen den Verkauf auch ab. Dies ist Teil einer Verpflichtung und Verantwortung die wir für das von uns verursachte Leben haben, eine Ehrlichkeit, die vor allem das Pferd verdient!

Ehrlichkeit ist ein wesentlicher Bestandteil des Geschäftes. Köhler beschreibt es als „Visitenkarte“ und wir möchten diese bitte mit Goldkante!

After-Sales ist heute ein geflügeltes Wort und auch hier versuchen wir mit entsprechender Betreuung zu Seite zu stehen. Bei Oka-Märchen unterstützen wir gerade (erfolgreich) beim Anreiten, Turbo ist nach wie vor bei uns und das Maravedi wieder hier in „Mutterschaftsurlaub“ steht, zeigt vielleicht ein wenig, dass wir es nicht ganz so schlecht machen. 😉

Ohne Vertrauen läuft nichts. Am wenigsten bei lebenden Wesen. Da ist es nur die Frage, wem man sein Vertrauen schenkt.

Wir kommen also zu den „medizinischen Kalamatitäten“, in deren Zusammenhang Köhler 1982 die heute kaufbestimmende Röntgendiagnostik noch als übertrieben herab würdigte:

[…] …wenn nämlich ohne klinische Veranlassung Röntgenaufnahmen die absolute ,,Fehlerlosigkeit‘‘ feststellen sollen und zumeist dann tatsächlich irgendwo etwas feststellen, was etwas sein könnte. Dieses gänzlich unredlicher Getue von der Käuferseite aus, sollte sich kein Verkäufer gefallen lassen. Das Röntgen von Pferdebeinen ist wissenschaftlich nicht gesichert, zumal es mit verschiedenen Fehlerquellen technischer Anwendung und Auswertung behaftet ist. Auch die Wissenschaft geht davon aus, daß ein Pferd nicht frei ist von Veränderungen oder Abweichungen, genausowenig wie ein Fußballspieler, daß ihre Deutung – gerade bei jungen Pferden – vielfach vage ist, und daß der Diagnostiker sich zumeist in zweideutige Aussagen zurückziehen muß. So kommt es dann zu Feststellungen wie ,,ja, da ist was, kann was sein, braucht aber nichts zu sein, aber vielleicht in einigen Jahren…‘‘ 
Und dann wird es kriminell: Der Käufer ist verunsichert, der Verkäufer ist fassungslos, und die Umwelt spricht darüber. Das betreffende Pferd wird allein der ausgesprochenen Möglichkeit wegen, daß vielleicht bald oder in 20 Jahren eventuell eine Schädigung eintreten könnte, kaum noch zu verkaufen sein […]
Da haben wir also eine ganz verheerende Situation zur Zeit, die beide Seiten verrückt macht, die Käuferseite ebenso, wie den verkaufenden Part. Zwischen beiden bewegen sich Tierärzte und Rechtsgelehrte. Die Mediziner übervorsichtig und lieber etwas skeptischer, um sich von ihren Kunden später nicht sagen lassen zu müssen, daß sie nicht genau hingesehen hätten, die Rechtsanwälte nach dem Motto ,,Der Gärtner (Züchter) ist der Täter‘‘, weil es so halt Usus ist und so bequem […]
Da war die Stute Simona, die kaufte Alwin. Ließ sie röntgen: ,,Beidseitig starke Hufrolle‘‘. Da kaufte sie Hartwig Steenken. Der ritt sie viele Jahre. Wurde Weltmeister mit ihr und brachte sie auf die Gewinnsumme von 314 961,–DM.
Ein Beispiel nur, wohlgemerkt; so mancher wird wesensähnlicher Fälle erlebt haben. Damit soll nicht gesagt werden, daß Röntgen in jedem Fall abzulehnen ist. In klinischen Fällen, wenn also wiederholte oder langwierige und hartnäckige Lahmheiten auftreten beispielsweise, dann sollte man röntgen. Aber nur dann. Und dann gründlich! (Und eindeutig!)

Nun, das mit dem Röntgen sieht heute anders aus. Und jeder Verkäufer röntgt schon im Eigeninteresse – ein Tribut an das Gesetz. Es soll  jedoch nicht selten Konstellationen geben, da macht die AKU mit Röntgen-TÜV fast zwanzig Prozent des Kaufpreises aus. O.K., man kann argumentieren „Der Gute frisst soviel wie der Schlechte“, aber die Krux ist, dass die Pferde heute eigentlich doch gar nicht mehr auf den Knochen kaputt gehen, sondern auf den Bändern. Mal ehrlich, hat vor 15 Jahren ständig irgendwer „Fesselträger“ gerufen? Gab es ständig Probleme mit den Kniebändern? Trügt uns die Erinnerung oder hat sich einfach was in der Haltbarkeit geändert? Morgenstern hüpft mit fast 22 Jahren täglich fröhlich mit den Jungspunden – bei glasklaren Beinen, und der hat ja nun in seinem leben auch ein paar Ründchen gedreht…..

Wir erinnern uns an den abnehmenden Einsatz von Vollblut, das aber als verantwortlich für Härte und Vitalität angegeben wird. Wir sehen heute Pferde, die auch Ahnen im Pedigree mehrfach führen, denen eine gewisse Bindegewebsschwäche nachgesagt wird. Hinzu kommt der Schrei nach der „modernen“ Langbeinigkeit! Jeder mag uns glauben, dass wir schon aus purem Eigennutz und in Reflektion der eigenen Körpergröße, große Pferde mögen, aber man muss kein Statiker sein um zu wissen: Je höher, desto instabil! Das lernen Kinder schon im Sandkasten. Ist der Turm zu hoch und zu schmal, fällt er um!

Frauen kommen auch gerne langbeinig daher – und doch kommt keine, des Schönheitsideals wegen, auf die Idee in Pumps zu joggen! Oder gar hochbehackt schwere Sachen zu tragen. Es ist schlicht und ergreifend eine zu wackelige Angelegenheit.

Und so geht es heute mit den hochgezogenen oft schmalbrüstigen Zuchtprodukten, die freilaufend ein tolles Bild abgeben und auch präpariert an der Hand staunende Augen beim Betrachter zaubern: Kaum sitzt der Reiter drauf, fordert gar Versammlung heißt es „aus die Maus“. Die Muskulatur verspannt, die verspannte Muskulatur kann nicht mehr dehnend nachgeben und die Sehnenfasern werden in Mitleidenschaft gezogen. Fesselträger – tiefe Beugesehne – Kniebänder usw.usf. Im günstigsten Falle merkt der Reiter die Verspannung frühzeitig und Masseur, Chiropraktiker und Akupunkteur finden ihren Einsatz.

Die moderne Bewegung „übers Knie“ verstärkt die Kräfteeinwirkung aufs den stützenden Bandapparat noch. Von diesen Auswirkungen sind andere Rassen allerdings viel, viel stärker betroffen als der Trakehner.

Hier liegen Fehler in der Konstruktion, die kein Röntgengerät dieser Erde aufdecken wird. Anders als den winzig kleinen Kanal im Strahlbein, der an unbedeutender Stelle liegt und nach Adam Riese auch in den nächsten 30 Jahren dort still vor sich hin ruhen wird. Die Technik vor 10 Jahren hätte diesen vermutlich nicht einmal entdeckt…

Wir haben uns gestern schon kritisch zur FN geäußert, hier sind wir wieder beim gleichen Thema. Wann beginnt hier endlich eine zweckdienliche, sachbezogene Aufklärung. Die Tierärzte stehen bei jeder AKU mit einem Bein in der Fußangel der Haftung, ihnen ist also kein Vorwurf zu machen, wenn sie sich vorsichtig äußern.

Und wenn der Tierarzt es sachlich einschätzt, dann wissen Tante Google und unzählige Foren es doch besser. Herrjeh, es will doch keiner irgendwem eine „kranke Krücke“ andrehen, aber zum Einen muss doch dieser Röntgen-Hype irgendwann einmal ein Ende finden und zum Anderen muss doch das allerhöchste Organ der deutschen Reiterei dafür sorgen, dass Maß gehalten wird? Wer, wenn nicht die FN kann bestimmen, was in Reitpferdeprüfungen belohnt wird? Wer, wenn nicht die FN zeichnet verantwortlich für die theoretische Ausbildung der Reiter?

Es gibt doch so vieles mehr als Röntgenbilder, was ausschlaggebend für die Gesundheit und vor allem für die Haltbarkeit von Pferden ist!!