Türchen 16 – Vom Fohlen zum Pferd

AK16

So, wie das junge Fohlen, wird das ausgewachsene Pferd – trotz mancherlei Zweifel in den einzelnen Stadien der Entwicklung.
Es ist keine Frage, daß jeder Züchter mit großer Spannung den Moment erwartet, wo ein Fohlen geboren wird – und, daß es dann aufsteht und begutachtet werden kann.

Dieser erste Augen-Blick umfaßt den Habitus, den Typ, den Rahmen, die Points und das Fundament, auch Farbe und Abzeichen. Wenn auch nicht alles endgültig ist, was bei solcher Inaugenscheinnahme sichtbar wird, so läßt sich doch mit ziemlicher Sicherheit das Wesentliche schon gleich nach der Geburt erkennen. Gerade dann ist noch alles trocken markiert und durch keine Polster verzerrt. Da sind zunächst der Habitus, der Grad der Lebensenergie und – bis auf Erscheinungen eines Verlegenseins – auch die grundsätzliche Normalität zu erkennen. Ist dies alles soweit in Ordnung, und nicht gerade eine breite ,,Laterne‘‘ in das kleine erwartungsvolle Fohlengesicht gehängt, kann man schon mal aufatmen. Das zweite Mal dann, wenn man sich vergewissern kann, daß die Stute ihr Kind liebevoll annimmt, und dieses bald begierig zu saugen lernt und den Darmpech verächtlich von sich gibt.
Der Kopf wird bleiben wie er ist, auch die Art der Genickpartie und des Halsansatzes, ebenso die Schulter – Oberarm (Querbein) – Widerrist – Formation und die Kruppenlage und –länge, alles in allem die Proportionen. Auch die Gurtentiefe und Muskelbildung in der Länge und Markanz ihrer Ansätze, auf die es ja vor allem ankommt, wird konstant bleiben. Veränderlich kann die Halslänge sein. Es ist keine Seltenheit, daß Pferde mit großer Halsung als Fohlen im Hals zunächst etwas kurz, ja stuckig erscheinen.

Bedenklich findet Köhler lediglich die, die bereits im Fohlenalter zu steil und straff oder zeheneng stehen. Diese Erfahrung können wir bestätigen, denn mit zunehmender Breite der wachsenden Pferdebrust verstärkt sich diese Erscheinung eher noch, als das sie verschwindet. Deswegen: Gerne etwas zehenweit zu Beginn des Pferdelebens, es wird gerade mit der Zeit.

Rückbiegigkeit im Vorderbein sieht er, aufgrund der fehlenden Elastizität dieser Konstruktion und die damit verbundene spätere Haltbarkeit als Reitpferd, kritisch.

Den Rücken beschreibt er als den Körperteil, der in der Entwicklung die meiste Abwechslung erfährt, bewertbar nur gleich nach der Geburt: War er da zweckmäßig? – Nun, wenn ja, dann wird er es auch wieder werden. 😉

Folgt man den Ausführungen, so kann man im Prinzip über die gemeinhin organisierten Fohlenbewertungen nur laut lachen! Man nehme also das im Mutterleib verlegene Fohlen (ein Zustand der sehr gerne mit einer gewissen Größe einhergeht). Nun kommt die Fundamentsbewertung des Richtergremiums und was sagt sie aus? – Richtig: Gar nichts. Weiter geht es mit der Oberlinie. Hierfür eine Note zu geben, kommt dem nächsten Witz gleich, denn wie will ich eine Oberlinie bewerten, wenn doch der Rücken die nächsten drei Jahre macht was er will? Gerne genommen auch der Spruch von einer schönen Dreiteilung. Wie kann ich das bewerten, wenn doch die Längenentwicklung noch gar nicht begonnen hat?

Der Typ, ja der ist wohl bewertbar, denn Rasse- und Geschlechtstyp können erkannt werden. Nichts desto trotz, gehört auch zum Geschlechtstyp der Auftritt, gerade die Jungs wünscht man sich deutlich als solche zu erkennen. Und wenn es dann 35 Grad Außentemperatur ist und die Gewitterluft drückt, dann ist vielleicht auch der sonst auffällige einfach nur unauffällig in Habitus und Ausdruck…..

Weiter geht es zu den Bewegungen: Hier haben wir die letzten Kapitel gelernt, dass die Bewegung vom Zusammenspiel der Kräfte abhängig ist. Von der Konformität aller Eigenschaften, dass der Rücken den Motor durchlassen muss, dass alles optimal aufeinander abgestimmt sein soll. Und wie bitte wie soll das verlässlich funktionieren bei einem wachsenden Individuum? Es kann funktionieren, wenn gerade der Zeitpunkt stimmt, es kann aber auch voll in die Hose gehen.

Man rettet sich dann mit „Fohlenbewertungen sind Momentaufnahmen“. Stimmt. Nur die Noten der „Fachleute“ stehen nicht nur für den Moment. Sie sind das für die nächsten drei Jahre feststehende „Urteil“. Werden auch heran gezogen um über die Vererbung eines Hengstes zu „richten“.

Gott sei Dank, kann man auf Bewertungen verzichten und so haben wir beschlossen, eben dies künftig zu tun. „Richten“ tun wir unsere Fohlen erstmalig, wenn sie auf die Welt kommen. Dann tagtäglich, wenn wir die Entwicklungsphasen beobachten und letzltich dreijährig, wenn der Sattel drauf kommt. Jeder der uns kennt, weiß wir sind kritisch und mäkeln auch gerne am eigenen Produkt. Gerne hören wir auch Kritik, denn man will ja nicht stallblind sein.

Das Urteil über unsere Pferde werden wir allerdings nicht fixieren lassen, denn das soll sich jeder Betrachter, jeder mögliche Interessent, bitte selber bilden. So wie wir es tun, denn wir gehen davon aus, dass der liebe Gott fast jedem ein eigenständiges Paar Augen gegeben hat und so mag er es nutzen und seine eigenen Prioritäten setzen. 😉

Es gibt Phasen – und das weiß jeder Züchter – da darf man einfach nicht hin gucken. Das Sarafan-Erbe beispielsweise schlägt in Form von „Höckern“ auf dem Nasenrücken kurz unter den Augen, genau da, wo das Nasenbein ansetzt zu. Sie verschwinden im dritten Lebensjahr, aber man muss das wissen, um nicht so manches Mal am Gesicht des Nachwuchses zu verzweifeln! Das schlechte Gewissen schleicht sich dann von hinten an, wenn man das geliebte Pferdekind ansieht und einfach in dem Moment nur denkt: „Herrjeh, was bist Du grade hässlich!“. Und so wie man im dunklen Wald pfeift, um sich Mut zu machen, so klopft man dann tröstend den Hals des hässlichen Entleins und bestätigt ihm (und vor allem sich selbst!!): „Keine Sorge, das wird schon wieder!“. 🙂

Auch Köhler beschreibt das „Vereseln“ der Fohlen, die in alle Richtungen zu wachsen scheinen und nichts mehr zu einander passt. Ein Lächeln gibt es für jene, die in dieser Phase den „Fehler“ des „Überbautseins“ entdecken. – By the way: Turbo füht gerade ca. 10 cm dieses Fehlers spazieren…..

Fruchtbarkeit und Lebendfohlenquoten, Aufzucht und Fütterung ein sind ebenfalls Inhalt dieses Kapitels, aber hier trifft uns nichts Unbekanntes. Über Aufzucht und Futter haben wir im letzten Jahr berichtet, so dass wir diese Themen diesjährig aussparen wollen. Fruchtbarkeit und Lebendfohlenquoten stehen vor allem vor wirtschaftlichem Hintergrund im Fokus – nichts was im Rahmen eines Türchens amüsieren könnte 😉