Türchen 4 – Belle Aimée, die Zauberprinzessin und wie aus Nathan Satan wurde…

In diesem Jahr hatten wir es zum ersten Mal: Ein Einzelkind! Am 27. März kam BabyBelles Tochter zur Welt. Und wie es so bei den Einzelkindern ist, wurde sie innerhalb von kürzester Zeit zur von allen geliebten und betüddelten Prinzessin. Dazu übertraf sie unsere Erwartungen. Unser Zuchtleiter hatte die Anpaarung gar als „recht mutig“ bezeichnet, vermutlich vor dem Hintergrund dass Vater Nathan de la Tour auch kein zierlicher Spiddel ist und BabyBelle ja von bösen Zungen auch schon mal den Spitznamen „Kolossos“ verliehen bekam.

Nun, sei es drum, wir waren sehr froh mutig gewesen zu sein und das nach drei Wochen auch noch so sehr, dass wir beschlossen die Anpaarung zu wiederholen. Für April ist das Vollgeschwisterchen ausgerechnet. Die Wetten stehen erneut auf Stute. D

Was man sicherlich sagen kann, ist dass die kleine Prinzessin mit Abstands das Fohlen in unserem Stall war, das von Beginn an am meisten im Gleichgewicht war. Sie gab es immer nur im Vollgas und auch schlüpfriger Boden konnte sie nicht wirklich bremsen. Wenn sie mal etwas aus dem Tritt kam, sprang sie in die Luft, sortierte sich und mit der Landung ging es wieder volle Pulle nach vorn. Auch bergab! – Sehr zum Entsetzen der ständig hinterher eilenden Mutter und den am Zaun stehenden Züchtern, denn mehr als einmal erwarteten wir, dass Sie nach gut 100 Meter bergab ungebremst durch den Zaun schmetterte. Passierte aber nie!

Die Superlativen zur Beschreibung der kleinen Dame häuften sich: Zauberhaft, kuschelig, sooooooo lieb, iiiiimmer brav, mustergültig bei Schmied – ach nein was ein tolles Fohlen! Mittlwerweile stand auch fest: Die hat keinen Verkaufspreis sondern ein Schmerzensgeld.

Dann kam der Morgen der Landesstutenschau und aus Nathan wurde Satan…. Das ganze begann mit dem Einstieg in den Anhänger: Statt – wie unsere anderen Fohlen sonst – brav hinter der Mama her zu laufen, bzw. sich mitschieben zu lassen, hatte Madame eigene Pläne und machte mal so richtig ein Fass auf. Klares Statement zum Einstieg ins Transportmedium: NEIN!

Nach einigem Rumgewrangel, nochmalig korrigiertem Parken für die komfortablere Rampenneigung, haben wir kurz entschlossen ein Handtuch um die Augen gebunden und das widerspenstige Prinzesschen neben ihrer Mama Schritt für Schritt in den Anhänger bugsiert. Im Schweiße unseres Angesichts Teil 1, denn schon in den frühen Morgenstunden waren die Temperaturen sehr sommerlich.

Gut in Wickrath angekommen wurde eine missgelaunte Pinzessin ausgeladen. Die Situation missfiel, denn nachdem man die Nacht schon in der Box verbringen musste, ging es auch nun auf direktem Weg wieder in eine Box. Hier ergab sie sich dann in ihr Schicksal und lies sich tatsächlich ganz lieb – sogar liegend – einflechten.

Als BabyBelle dann in ihrer Altersklasse startete, musste Prinzesschen am Halfter mit in den Ring. Das ging ihr mal alles so richtig gegen den Strich! Sie wollte sich nun endlich bewegen und brachte das auch deutlich zum Ausdruck. Am Ende stand es 1 zu 0 für die Prinzessin gegen menschliches Schultergelenk. Als Muttern auf dem Dreieck trabte konnte sie dann frei bewegen und stellte schon zu diesem Zeitpunkt ihre Selbständigkeit unter Beweis, da sie sich postwendend vom Geschehen abwendete und eigene Wege ging.

Als es dann zum Fohlenchampionat ging, hatte sie den Kaffee endgültig auf. Schon nölig zappelig Richtung Aufstellen – das menschliche Schultergelenk lag mitterlweile zweistellig im Hintertreffen – und als es hieß „Bitte Halfte ab!“ gabs für die Dame kein Halten mehr. Im Vollgas ging es Richtung Ausgang (den kannte sie ja noch) um mit der dort positionierten Jungzüchterin das Angsthastenspiel zu spielen: Prinzessin 1: Jungzüchterin: 0….

Zurück blieb eine recht verzweifelt rufende BabyBelle, die gemeinsam mit dem fassungslosen Richtergremium verfolgte, wie ihre Tochter über den Platz ballerte, den Wall hoch und direkt wieder runter um dann über die Brücke zu jagen und in die Stallgasse zu scheppern. Hier nahm unser Helferteam sie in Empfang, sperrte sie in die Box, in der sie dann wütend tobte, da ja ihre Mutter noch nicht eingetroffen war….

Nach dem Einfangen hieß es dann auf ein Neues, der Ausgang wurde vergattert und mit 4 Personen gesichert (weniger hätten es auch nicht sein dürfen…) So erhielt dann auch das Richtergremium die Chance zu Bewertung des Fohlens. Sie verließ mit 5 mal 8 und zwei mal 7,5 als Prämienfohlen den Ring.

So brachten wir unsere kleine Satans-Prinzessin versöhnt zurück in den Stall. Auf die Ankündigung „Wir streichen ne Null beim Preis“, gab es verschiedene Reaktionen: a) Seid Ihr verrückt? Nicht streichen! Eine dran hängen, so wie die im Gleichgewicht den Wall hoch und runter galoppiert ist läuft die in 6 Jahren Le Lion!“, b) „Gib mir Zeit bis Morgen, heute haben die Banken zu“ und c) „Euer Fohlen war das beste, was hier heute lief, die hat den richtigen Geist!“ … Na denn… Den Geist zeigte sie selbstredend auch nochmal auf der Rücktour und verladen wurde wieder mit Handtuch überm Gesicht. Zum menschlichen Schultergelenk gesellten sich mittlerweile auch die Hüfte und ein Knie ….

Zu Hause angekommen verrauchte die Wut der Prinzessin. Nach einigen Malen Vollgas über die heimische Weide kehrte Zufriedenheit ein. Und aus Satan wurde dann wieder Nathan 🙂

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