Türchen 3 – Franzis Jahresrückblick

Wir bleiben bei den B’s. Gestern der Sohn, heute die Mutter. Belle Francaise – aka Franzi wusste von jeher zu bezaubern – so natürlich auch als Mutter.

Aber von vorn: Jede Erstlingsgeburt ist ja zunächst mal sehr aufregend, denn neben der reinen Geburt als solche ist hier ja auch ein Fragezeichen an das Verhalten der Mutter zum Fohlen zu machen. Wie umsichtig ist die Stute? Lässt sie gut saufen? Hat sie genug Milch, usw, usf….

Franzi war perfekt! Sie liebte ihren Sohn vom ersten Moment an so sehr und war eine ganz bemühte Mutter. Den ersten Ausflug auf den Platz erledigte sie voller Stolz, dass wir deutlich das Abbild ihrer Mutter erkannten. Noch was tolles bei den selbstgezogenen Zuchtstuten: Sie haben Gottvertrauen in ihre Menschen. Da war übernhaupt keine Unruhe drin, sie gingen ganz brav mit uns und ließen das Fohlen bei schieben. Da waren die Alten doch immer anders. Da hatte man manches Mal die Hände voll zu tun, wenn Mama Belle den russischen Panzer rauskehrte und Richtung Fohlen schob, wenn es sich nur einen Millimeter  zu viel außer ihrer Reichweite befand…

Mit Fohlen bei Fuß legte Franzi in Ausdruck und Erscheinung nochmal ne Schippe drauf – egal wo sie erschien, ihr galten bewundernde Blicke. Mehr als einmal hörten wir in diesem Jahr das Wort „Traumstute“.

In Hörstein zum Fohlentermin hätten wir sie einige Male verkaufen können, gleiches galt in Hannover. Und wenn schon nicht verkaufen, dann doch vielleicht verpachten? Und wenn da mal Stutfohlen draus fielen, dann möchten wir doch bitte so gut sein und….. – Warten wir es ab, jetzt steht erst einmal ein bisschen Sport auf der Todo-Liste.

Schon im letzten Jahr hatte sich Franzi ja zum Freispringcup qualifiziert und in diesem Jahr überzeugte sie erneut. Da wir sowieso zum Oktober hin absetzen mussten – Orik verließ uns ja – und für Franzi auch wieder Sportprogramm geplant war, entschienden wir nach Neumünster zu fahren und am Freispring-Cup teilzunehmen. Das ist eine so tolle Veranstaltung, die verdient es auch, dass sie bestückt wird.

Leichtes Training brachte Franzi gut in Kondition und das Absetzten klappte super, das Euter bildete sich gut und schnell zurück. Regelmäßiges Freispringen – vorzugsweise eine In-Out-Reihe – für Körpergefühl und Rhythmus, ein letztes Mal die „richtige Reihe“ schickte uns mit breitem Grinsen auf die Reise nach Neumünster. Hey was hob die ab – richtig Spitze!! Ganz klares Ziel: Eine Platzierung unter den ersten 5, lieber den ersten 3 und wenn wir ehrlich sind, schielten wir auf 1.

Die letzten Tage verbrachten wir bei chilligen Spaziergängen und lockeren Jogging-Work-Outs im Gelände für Mensch und Tier 😉

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt! Oder: Kein Sport lehrt uns soviel Demut wie es der unsrige tut…..

Mitten in der Nacht ging es Richtung Neumünster und die ,Anreise war ganz großer Mist. Wir hatten zwei unschöne Situationen: Einmal mit einem LKW, der hinter uns hupte und eine, als uns ein besonders eiliger Vollpfosten schnitt, und ausbremste um mal eben schnell noch die Ausfahrt zu erwischen….

Das ganze wurde dann gekrönt von einer Stunde Stillstand in der Baustelle bei Bremen-Stuhr – Sperrung……Franzi stand verkrampft in der rechten Ecke, denn die LKWs auf der Gegenspur machten ihr schon ganz schöne Angst. Da half es auch nicht, dass ein Eimerträger die Zeit verbotenerweise im Pferdeanhänger verbrachte. Sie zog den Bauch hoch, krampfte und vor unserem inneren Auge sahen wir uns schon mit einem mit Koliker in einer Sperrung, bei der nix vor und nix zurück geht… Horror pur!

Nach 7,5 Stunden kamen wir in NMS an, aus dem Hänger stieg ein völlig verspanntes Pferd. Trotz aller Mühen bekamen wir das dann auch nicht mehr wirklich in den Griff Zwar haben wir Donnerstag noch lange Schritt geführt, Freitag morgen waren wir um 6 im Stall – führen und joggen an der Longe, mit Beginn der Prüfung nahmen wir sie aus der sowieso viel zu kleinen Box um auch vor ihrem Start lange Schritt führen zu können. Gut gemeint, aber nicht gut gemacht, denn das Ergebnis war wohl eine hochvolle Blase und die eh schon verspannte Stute zeigte sichtlich ihr Unwohlsein, und verkrampfte total.

Copyright Peter Richterich

Ums platt zu sagen: Sie galoppierte und sprang wie ein Kackstuhl. Zwar sehr gut im Vorderbein aber gänzlich ohne Abdruck und Durchfußen im Galopp, ab der Niere fest, öffnete hinten Null.

Die Einstellung muss man unserer Zaubermaus ganz hoch anrechnen, auch aus dieser Situation wollte sie das Beste zu machen – sie bemühte sich redlich den Anforderungen gerecht zu werden. Es gab Leute, die hätten sie wohl aufgrund ihrer Technik weiter vorn gesehen, wir können es nicht beurteilen, wir haben sonst keinen gesehen und wir fanden sie einfach nur schrecklich, denn von dem Pferd was wir am Sprung kennen, war nichts zu sehen.

Die Verspannung wurde selbstredend in Neumünster dann über die Tage nicht besser, wie auch bei Boxenknast in diesen Karnickelställen, ihr Geheimnis wurde aber nach Neumünster gelöst: Sowohl Brustbein als auch Kreuzdarmbein bedurften der chiropraktischen Behandlung.

Trotz der schrecklichen Hinfahrt stieg sie am Sonntag im Übrigen sofort wieder in den Anhänger. Man muss sich vor seinen Pferden tatsächlich manchmal verneigen.

Franzi ist in jedem Falle jetzt wieder ganz fröhlich und frei von Verspannungen. Wir haben begonnen, sie wieder in die reiterliche Arbeit zu nehmen. Für das nächste Jahr stehen Springpferdeprüfungen – und wenn es uns organisatorisch gelingt – auch Geländepferdeprüfungen auf dem Programm. Wir freuen uns schon darauf!

Ein Gedanke zu „Türchen 3 – Franzis Jahresrückblick

  1. der weg vom wunderfohlen zur wunderstute.
    es geht nicht nur steil nach oben.
    es macht nix, wenn mal die die steigende kurve kurz nach unten rutsch.
    unter dem sattel und dann im gelände , die kurve macht dann wieder einen
    steilen sprung nach oben.
    das wunder, als fohlen oder als stute, das bleibt.
    (habe ich selber gesehen)
    alles gute
    horst

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