Türchen 23 – Wo wir heute stehen und wo wir hin wollen.

ak2016-23

Vor einigen Tagen haben wir unsere Kalender für 2017 versendet. Die Impressionen aus 2016. Die Kalender gehen an Familie, Freunde, natürlich die Gewinner von Türchen 6 und vor allem auch an „unsere“ Pferdebesitzer. Dieses Jahr sind es wieder mehr geworden. Und alle lassen uns auch weiterhin an „unseren“ Pferdekindern teilhaben. Und sind immer voll des Lobes. Und glücklich. Und zufrieden. Bei einigen besteht die Chance auf einen sportlichen Einsatz, bei anderen ist das wohl eher auszuschließen, aber hey, ganz ehrlich? Wen kümmert das letztendlich? Das Wohl des Pferdes steht an allererster Stelle! Und dann kommt eine ganze lange Zeit nix. Lieber keine Förderung in Richtung Sport, als Überforderung zu Stillung menschlicher Eitelkeiten.

Die ideale Mischung aus Sport und „Wendy“ ist natürlich das Maß aller Dinge. Nicht zuletzt deswegen, ist neben dem Großziel „Sportlichkeit“ bei Anpaarungsentscheidungen das tadellose Interieur der Elterntiere zwingende Voraussetzung. Bei der Stute noch wichtiger, als beim Hengst, denn sie nimmt im Verhalten den meisten Einfluss auf ihre Nachkommen. Hier guckt sich das Fohlen viel ab.

Letzter „Big Point“ den sich jeder Reiter wünscht: Gesundheit! Wir durften nun in den vergangen Jahren schon einige unserer Pferde tüven. Die TÜVs waren immer einwandfrei. Das liegt zum einen in der Haltung und in der Versorgung der Zuchtstuten, nicht zuletzt aber auch in der Genetik begründet.

Ein bisschen hadern wir mit dem Angebot an Hengsten. Und dabei ist es gewiss nicht die Anzahl. Zahlenmäßig gibt es mehr als genug. Die Zucht hat in den letzten zwei bis drei Jahrzenten Jungpferde mit atemberaubende Bewegungskapazitäten und unvorstellbarem Sprungvermögen hervorgebracht! … gut, letzteres mehr in anderen Rassen… aber egal 😉 … Zeitlupen der Springer erinnern an Raubkatzen, so dynamisch und elastisch, ihren Körper in Perfektion nutzend fliegen diese Gummibälle schon in jungen Jahren beim Freispringen über die Hürden. Die Dressurpferde schaffen es alleine durch ihre Selbstdarstellung an der Hand schon zweieinhalbjährig, dass der Beobachter von den dicken Touren träumt. Unbesiegbar, getragen vom überragenden Bewegungskünstler.

Leider halten viele dieser Pferde aber die Ausbildung nicht aus. Im Gegensatz zu denen, die vielleicht nicht spektakulär sind. Dafür solide….

Unlängst hatten wir in den Medien wieder einmal einen sehr prominenten Todesfall durch Aortenabriss Anabell Balkenhol postete dazu: […] … Gestern ist mir, das wohl Schlimmste widerfahren, was einem Reiter wohl passieren kann. Gestern hat Didi beim Abreiten einen Aortaabriss erlitten…[…]… Es wäre schön, wenn man etwas mehr über das Phänomen Aortenabriss aufklären würde, es wird natürlich immer darüber berichtet, wenn ein Pferd im Leistungssport daran stirbt. Es ist aber so, daß der Aortenabriss, aus einer Bindegewebsschwäche entsteht und unvermittelt geschieht. : […]…

Phänomen? Tatsächlich? In der Humanmedizin steht eine angeborene Bindegewebsschwäche klar als eine Ursache für Aorten-Abrisse oder -Aneurysmen. Nur in der Pferdezucht, da will keiner an dieses Thema ran…..

… es sind ja die bindegewebsschwachen, die sich untrainiert und ungeritten schon in jungen Jahren am spektakulärsten bewegen können und dadurch auch wirtschaftlich am interessantesten sind. Wohin extreme Bindegewebsschwäche führen kann und zeigt uns die Hypermobilität bei einigen Gangpferderassen. So ist es den Isländern beispielsweise tatsächlich gelungen, einem robusten Kleinpferd zu Gunsten des Gangwerks eine Körperbehinderung anzuzüchten….

Es sind die im Übrigen auch die Bindegewebsschwachen, die sich am wengisten gut „fest machen“ und so weniger gutes Reiten kompensieren können und es sind die  Bindegewebsschwachen, die prädestiniert für Probleme mit Bändern und Sehnen sind.

Unlängst haben wir auf einem Zuchtrichterseminar nachgefragt, wie es denn aussieht, bei Bewegungsabläufen und Körperkonstitutionen, von denen wir wissen, dass sie früher oder später Opfer fordern werden…. Wie spielt das Thema Gesundheit und Haltbarkeit mit in eine solche Bewertung? – Die Antwort war einfach: Man kann nur bewerten was man sieht. Alles andere ist spekulativ. Kann gesund bleiben, kann erkranken. Wenn es zum Zeitpunkt der Betrachtung taktmäßig und gut ist, dann gibt es für diese spektakuläre Bewegung ein 9. Ebenso, wie es für das übermäßig hohe Springen oft eine 9 gibt – Eine Aufwändigkeit, die keiner mehr will, wenn es gegen die Uhr geht. 1 Sekunde länger in der Luft, bedeutet nämlich bei 12 Sprüngen, 12 Sekunden langsamer zu sein, als der Sieger….

Ist also unsere Selektion nach Bewegungskapazität auf der einen und Vermögen auf der anderen Seite immer so richtig? Ist dieser „Zuchtfortschritt“ reell und nachhaltig? Man will meinen nein, wenn so wenige dieser jungen Sternchen zu echten Sport-Stars heranwachsen können. Ist vielleicht wie beim Anziehen einer Schraube – Nach ganz fest, kommt ganz ab! Wir haben im letzten Jahr sehr intensiv zu diesen Themen geschrieben und der geneigte Leser mag sich da noch einmal informieren, wenn er mag.

Wir können für uns und unsere Zucht daraus nur einen Schluss ziehen: Auch wenn wir vielleicht mit dem soliden, etwas normaleren im Gang auf Schauen nicht ganz vorne mitmischen, so werden wir unserem Konzept auch künftig treu bleiben: Vielseitige Pferde mit klarere Ausrichtung auf sehr gutes Springen. Aus erfolgreichen Stämmen. Mit bestem Interieur.

Das sind wir nicht nur unseren Kunden schuldig, sondern vor Allem unseren Pferden! Nur leistungsbereite, gesunde Pferde mit einwandfreiem Interieur machen auf lange Sicht Spaß. Dieser Spaß auf lange Sicht gewährleistet das dauerhafte und gute zu Hause. Keiner will sich in seiner Freizeit mit einem Sticksack plagen. „Ein Schlechter frisst soviel wie ein Guter!“ heißt es. Es sollte unser Bestreben bleiben, den Reiter im Fokus zu behalten und nur gute zu züchten. Und wer weiß, vielleicht rennt auch irgendwann mal einer von unseren in Hamburg den Wall runter, das wäre was, wovon wir träumen 🙂

2 Gedanken zu „Türchen 23 – Wo wir heute stehen und wo wir hin wollen.

  1. Kann ich mich voll anschliessen. Unsere sind fast alle zu Freizeitreiter gegangen, denen sie hoffentlich noch lange viel Freude machen.
    Bei einem muss ich jetzt aber widersprechen: Ein guter TÜV ist zwar toll, steht aber mitnichten für lange Haltbarkeit. Dafür kenne ich zu viele, die mit 1er TÜV permanent Gesundheitsprobleme wie Sehnenschäden o.ä. haben

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