Türchen 22 – Angloarabische Impulse aus Frankreich

Wie schon vor einigen Tagen angedeutet, wird die Suche nach springpatenten Hengsten in der eigenen Population immer schwerer. Aber ohne Springen ist es eben auch Essig mit der Vielseitigkeit.

Was also tun? Der Blick des spring- und buschaffinen Trakehnerzüchters muss sich unserer Meinung nach dem Spezialblut zuwenden, dass Springen gesichert mitbringt.

Und auch, wenn es Ausnahmen geben mag, so ist weder das englische noch das arabische Vollblut vom Grundsatz dazu geeignet, die Kapazitäten an den Stangen zu verbessern.

Als Heilmittel darf hier also durchaus der Angloaraber gelten, dieser gerne aus französischer Zucht, denn da gibt es einige Vererber mit abgesicherter Eigen- und Nachkommenleistung. Drüber zeigt die Vergangenheit einig Erfolgsmodelle: Französische Angloaraber nahmen schon früher bedeutenden positiven Einfluss auf die Deutsche Warmblutzucht – man denke nur an Inschallah – so dass das Risiko diese Fremdbluts für uns irgendwie doch überschaubar scheint.

Der Angloaraber in Frankreich entstand mit der Zielsetzung des leistungsstarken Kavalleriepferdes zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch Anpaarung von arabischen Hengsten an englische Vollblutstuten. Nach dem ersten Weltkrieg wurde das Zuchtziel des vielseitigen Sportpferdes angestrebt. Parallel dazu entwickelte sich quasi eine eigene „Rennpferdezucht“ für Flachrennen und Hindernisrennen. Härte, Leistungsbereitschaft und Ausdauer brachte diese Sorte wiederum in das Sportpferd ein. Einer der im Rennsport wurzelnden Vererber mit Weltbedeutung ist Nithard, „Le chef de race“.

Viele Eigenschaften und Ziele sowie die Populationsgröße des französischen Agloarabers lassen sich mit dem der Trakehner vergleichen. Und so zeigen uns eben auch die aktuell kritischen Stimmen aus dem Ursprungsland dieser Leistungspferde, dass wir eines nicht tun sollten: Nämlich die Reinzucht verlassen! – So verlockend die Endprodukte auch sein mögen! – Die Franzosen haben es getan und haben heute große Probleme, noch auf rein gezüchtete Angloaraber Hengste zurückgreifen zu können. Dies wird von vielen als kritisch gesehen, denn die Reinzucht war eben auch ein Grund, warum sich die Selle Francais-Züchter immer wieder gerne zur Blutauffrischung und zur Erlangung der Vorteile des Büters wie Härte, Leistungsbereitschaft und Ausdauer des AAs bedienten. Natürlich entstanden in dem Gemisch unbestritten Weltpferde wie Jaguar Mail, aber er ist eben kein 100%iger Blüter mehr. Im Reinzuchtbuch also nicht einsetzbar.

Den ersten „Schritt Richtung Frankreich“ machten wir bekanntermaßen mit Icare d‘ Olympe und wurden mit Franzi mehr als großzügig belohnt. Ihre Brüder, wenn auch echte Unglücksraben, sind beides ebenfalls Traumpferde. Maracana – aka Engel – entwickelt sich dem Vernehmen nach super und auch ein viertes Mal werden wir uns zu unserem Lieblings-Anglo trauen: 2018 soll Blümchen von Icare besamt werden.

Über Icare haben wir sehr umfangreich auf dieser Homepage (Benutzte Hengste) berichtet. Herausstellen wollen wir hier nur noch einmal seine abgesicherte Eigen- sowie  Nachkommenleistung. Dass er darüber hinaus ebenfalls in der Lage ist, sowohl in In- als auch Exterieur zu überzeugen, macht ihn für uns zu einem der absoluten Spitzenvererber.

Und mit der Eigen-sowie Nachkommenleistung sind wir beim nächsten Vererber: Nathan de la Tour AA ist seit 2017 als Boxennachbar zu Icare d‘ Olympe auf Marbach stationiert..

NATHAN DE LA TOUR / Bild mit Genehmigung des HuLG Marbach

Eigentlich hätte es schon was für 2018 geben sollen, aber BabyBelle wollte ja dieses Jahr nicht aufnehmen.

Der imposante Schimmelhengst war Körungssieger, vierjährig Finalist in Fontainebleau, fünf und sechsjährig mehrfach siegreich in Springen bis 1,30 Meter und qualifiziert für das Championat in Fontainebleau. Siebenjährig war er siegreich und platziert in Springprüfungen bis 1,40 Meter auf internationalen Turnieren. Dort schlug er Pferde, die später in Großen Preisen erfolgreich waren und mit denen er sich hätte messen können und sollen aber leider beendete 2008 ein Unfall seine Sportkarriere.

Nachdem die französoschen Staatsgestüte aufgelöst wurden erwarb ihn ein Syndikat engagierter Züchter “ Génétiqu‘ Anglo und er war für drei Jahre der meistgenutze AA Vererber in Frankreich. 2017 konnte Landstallmeistering Astrid von Velsen-Zerweck ihn für Marbach sichern.

Seine Nachkommen haben beachtliche Erfolge in Spring- und Vielseitigkeitsprüfungen. Leistungsbereitschaft und Springvermögen sind in seinem Pedigree fest verankert, sein Vater ist zu Lebzeiten bereits eine Vererberlegende: Fusain du Defey. Der 1993 geborene, 165 cm große Schimmel war zu seiner Zeit Finalist der Weltmeisterschaft der jungen Springpferde und später in schwersten, internationalen Springen erfolgreich.

Dessen Vater Phosphor´d`or war ebenfalls in schweren Springen erfolgreich , bevor er Frankreich verließ und in Italien als Deckhengst wirkte.Großvater Unicol ‚Or AA ist im Übrigen über Feticheur ebenfalls väterlicher Großvater bei Icare ‚ d Olympe.

Die Mutterlinie von Fusain du Defey zeichnet sich durch viele höchstsportliche Nachkommen aus, einige Töchter wurde Hengstmütter, wie beispielsweise Ladybird de Buissy die Mutter des Rock’n Roll Animal, der vier-, fünf- und sechsjährig Finalist in Fontainbleau, dem Nachwuchschampionat für französisch gezogene Springpferde, war.

Nathan de la Tour werden wir in 2018 erneut mit BabyBelle probieren!

Dann kam der Dezember 2017 und der Söderhof „warf“ einen weiteren höchst interessanten Angloaraber in den Ring: L‘ Elu de Dun AA

L’Elu de Dun – Bild mit freundlicher Genehmigung des Söderhofs

Geboren 1990, 168 cm groß und reinerbig dunkel. L´Elu ist selbst erfolgreich in schweren Springen (bis 1,45m) gewesen – unter anderem 2010 seinen 3. Platz beim Grand Prix des CSI * von Rodez Combelles und seinen 4. Platz beim Grand Prix des CSI ** von Castres – und hat bereits einen erfolgreichen Nachkommen in der Vielseitigkeit – Tsar du Manaou ist bereits erfolgreich in Vielseitigkeitsprüfungen bis CIC 3*.

Sein Vater Prima d`Or startete ebenfalls erfolgreich in internationalen Springkonkurrenzen. Einer der gößten Erfolge war der Sieg im Großen Preis von Posen. Mutter und Großmutter von Prima d‘ Or waren selbst ebenfalls erfolgreiche Springpferde. L‘ Elu de Dun kombiniert bewährte Mutterlinien, die einige erfolgreiche Sportler hervor brachten und bei Gelegenheit genauere Bertrachtung erfahren werden. – Ein Partner für Malaika? – Wir werden ihn in jedem Falle ansehen fahren!

Last but not least, sollte es uns mal jucken und wir es nochmal mit TG versuchen: Vasnupied de Jonkiere AA

Der braune, 168 cm große Vasnupied de Jonkiere empfiehlt sich sowohl durch seine Eigenleistung und durch sein hervorragendes Pedigree. Sein Vater, der in Frankreich sehr angesehene Vererber Laurier de Here war u.a. Finalteilnehmer bei der Weltmeisterschaft der Jungen Springpferde in Lanaken.

Die direkte Mutterlinie brachte sowohl erfolgreiche Spring- wie auch Geländepferde hervor.

Bereits siebenjährig war Vasnupied S erfolgreich, gut ein Drittel der von ihm bis dahin bestrittenen Prüfungen beendete er als Sieger. Dass er ebenfalls für die Selle Francais anerkannt ist, düfte zusätzlich Zeugnis über seine Qualitäten am Sprung ablegen.

Um uns selbst ein Bild von den Linien und den Pferden zu machen, werden wir im Januar 2018 einige Tage die Straße der Hengste – le route des etalons – bereisen.

Wir sind schon sehr gespannt und freuen uns drauf. Wir hoffen auch auch weiterführende Literatur, damit wir dann im nächsten Jahr, bei hoffentlich drei guten Trächtigkeiten, die Abstammungen mal wieder so richtig zerpflücken können. Aktuell beschränkt sich die Recherche auf das Internet und bringt die Erkenntnis hervor, dass der französich Unterricht irgendwie doch schon einige Jahre her ist…. man müsste nochmal 20 sein …

Der Bericht ist nicht bebildert, weil wir zu den Hengsten keine eigenen Fotos vorliegen haben und noch kein positives Feedback zur Nutzung der Bilder von den Sites der Hengsthalter bekommen haben. Der interessierte Leser findet aber hier etwas zu Nathan , hier etwas zu Vasnupied und hier etwas zu L’Elu de Dun. Auch jede Menge Tuniervideos finden sich zu den einzelnen Protagonisten, bei Interesse einfach mal Tanke google befragen 😉

Achso und bei allem ist der glücklich, der noch ein wenig französisch kann 😉

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