Türchen 20 – Der Rauch verzieht sich…

Seit 2009 ist die unsägliche Verordnung in Kraft, dass alle neu geborenen Equiden mit dem mistigen Chip gekennzeichnet werden müssen. Deutschland musste die EU-Gesetzgebung mal wieder besonders gut umsetzen und ließ die Möglichkeit für Ausnahmeregelungen in seiner Viehverkehrsordnung ungenutzt, Ausnahmen wären durchaus durchaus möglich gewesen: Österreich machte es vor! Hier gibt es keine keine Transponderpflicht.

In Deutschland nahmen es Verbände und Organe mit Schulterzucken hin. Warnende Stimmen, dass der Heißbrand damit bald der Vergangenheit angehörte wurden belächelt. Trotz Chip durfte ja weiter per Brandzeichen gekennzeichnet werden.

Und dann kam es wie es kommen musste! Bereits ein Jahr nach Inkrafttreten der EU-Verordnung vermeldete die Bundestierärztekammer, dass das Brennen  aus tierschutzrechtlichen Gründen nun nicht mehr zu vertreten sei, da eine Kennzeichnung des Pferdes mittels Heißbrand im Zeitalter des Transponders nicht mehr notwendig wäre. Peta startete die unsägliche Kampagne „Fühl Dich wie ein Pferd“ – abgelichtet war eine Dame die ein Branding auf der Schulter zeigte. Dass die Wirklichkeit sich ganz anderes darstellt, berichteten wir unter anderem hier.

„Fohlen erleiden beim Brennen mit dem verbandseigenen Markenzeichen eine hochgradige Verbrennung, die unter Bildung einer Narbe abheilt. Nur durch diese gezielte Verbrennung bleibt das Brandzeichen permanent sichtbar. Eine Schmerzbehandlung findet nicht statt“ – so die Kritik der Bundestierärztekammer. Weiter: „Mit der neuen EU-Verordnung haben die Brandzeichen ihren Zweck verloren und damit muss die Ausnahmeregelung im Deutschen Tierschutzgesetz aufgehoben werden. Schließlich fügt man dem Fohlen durch das Brennen grundlos Schmerzen zu.“

Nun haben sie sich durchgesetzt, ab 2019 darf kein Brandzeichen mehr gesetzt werden. Der Brand als solches ist dabei gar nicht das Thema, sondern der Schmerz!

Es darf nicht ohne Schmerzausschaltung gebrannt werden. Ein für diesen Anwendungszweck geeignetes und für den den Veterinärbereich zugelassenes Lokalanästhetikum gibt es derzeit aber nicht. Es gäbe wohl geeignete Präparate, aber eine Zulassung ist aus wirtschaftlichen Gründen nicht im Fokus. Die Verwendung eines passenden Humanpräparates nicht zulässig… – Willkommen in der Muppets Show!!

Bei den Schweinen sieht es ganz anders aus: Rein theoretisch hätten die deutschen Ferkelerzeuger  – wie abartig schon dieses Wort klingt!! – ab dem nächsten Jahr nicht mehr ohne Betäubung kastrieren dürfen. Eine Maßnahme, die ja nach gesundem Menschenverstand durchaus mal als notwendig angesehen werden dürfte, denn dass man einem Individuum nicht bei vollem Bewusstsein und Schmerzempfinden die Hoden abschneidet, sollte doch wohl jeder verstehen, oder??

Weit gefehlt!! – Nach Scheitern eines Antrages auf Fristverlängerung im Bundestages, schaltete sich der Koalitionsausschuss  der Regierungsparteien ein und schaffte es, die Übergangsfrist bis zum vollständigen Verbot der betäubungslosen  Kastration um zwei Jahre zu verlängern.

Und erneut rufen wir aus: „Willkommen in der Muppets Show!!!“ –  Hip Hip Hurray, dem Tierschutz ist ein enormer Schritt geglückt! Wir Pferdezüchter, von Hause aus ja sowieso die größten Tierquäler unter Gottes Sonne, sind gezwungen diese unsäglichen Transponder zu nutzen und das Risiko zu tragen, dass die Mist-Dinger wandern wie schon x-Male geschehen und dokumentiert. Und warum? Weil gerne Firmen und Veterinäre Geld verdienen, weil unsere Verbände und Organisationen – allen voran die FN – vollkommen versagt haben und weil wir schlicht und ergreifen keine Lobby haben. Den armen Ferkeln dürfen weiterhin bei vollem Bewusstsein die Eier abgeschnitten werden! …..

Dass der Mikrochip enorme Fehlerquellen bietet, wird ignoriert. Chip nicht mehr lesbar, Einfach einen weitere Chip in das darüber liegende Gewebe gesetzt (es wird nur der oberste gelesen), Chip wandert und verursacht Schmerzen / Fistelbildung bis hin zur OP, etc. pp.

Egal! – Hauptsache die Presse stimmt! Unsere Regierung tut was für den Tierschutz! Sie tut ja auch was fürs Klima, votiert für E-Mobilität (mit Strom aus Braunkohle) und hetzt wider allen wissenschaftlichen Erkenntnissen gegen den Diesel……

Ferkelkastration? – Egal!

Massentierhaltung? – Egal!

Abscheuliche Zustände in Schlachthöfen? – Egal!

Wichtig ist der Heißbrand!!! Denn der bewegt ja anscheinend die Gemüter. Hier hat auch ein jeder, der für 0,99 EUR beim Discounter das Billigfleisch kauft mal die Möglichkeit, ganz ohne dass es seine eigene Komfortzone betrifft, über Tierschutz zu schwafeln….Es ist schlicht und ergreifend unfassbar!!!

Sinnvoll wäre der Schenkelbrand plus DNA-Abstammungsprofil gewesen, ein Weg, der gemäß der europäischenn Vorschriften durchaus hätte bestritten werden können. Er wurde verpennt!! Auf höchster Ebene und mit sehendem Auge! Nun ist es zu spät, der leidtragende ist der Züchter. Und vor allen anderen das arme Fohlen! Das Fohlen, dem eine Mords-Nadel in den Hals gedrückt wird. Das Fohlen das dafür fixiert werden muss, dass sich ggfs. vor lauter Gegenwehr und Schreck überschlägt, das Fohlen, dass Jahre später vielleicht in eine Klinik muss damit der bis zum Genick gewanderte Chip entfernt werden muss.

Wenn die FN und die Zuchtverbände nun lamentieren, kann man nur hoffen, dass sie bei der nächsten Entscheidung etwas früher aufwachen. Denn dieser Zug wird wohl abgefahren sein. Schämt Euch!! Ihr solltet uns vertreten und das Wohl der Pferde im Auge haben. Aufgabe verfehlt, Note sechs, setzen!

2 Gedanken zu „Türchen 20 – Der Rauch verzieht sich…

  1. Man kommt sich manchmal vor wie in einem schlechten Traum und denkt immer, „man muss doch gleich aufwachen“, zumindestens geht es mir speziell bei diesem Thema (Schenkelbrand/Ferkelkastration) so…..leider ist es aber Realität und ich finde es unfassbar.

  2. Danke für diesen Bericht. Der zweit letzte Satz trifft das Problem am besten.
    vg
    horst

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