Türchen 18 – Der Verband und wir…

Jeder Züchter braucht ja einen Zuchtverband und da wir Trakehner züchten, ist es konsequenterweise auch der Trakehner Verband. Da sind wir dann vielleicht auch ein bisschen unbeweglich. Trakehner züchtet man im Trakehner Verband, nicht im ZfDP und auch nicht im ZSAA. Letztere sind auch bestimmt tolle Verbände und bieten diverse Möglichkeiten, aber man züchtet eben keinen „Trakehner“ sondern ein Pferd mit Trakehner Abstammung. Schimpft uns Haarspalter, ist aber so.

Also ist es der Trakehner Verband. Dieser dann mit seiner Beitragsordnung (in vielen Bereichen nicht gerade ein Schnäppchen), seiner Satzung und seinem Delegierten-System. Vom Grundsatz her haben wir in unserem Verband ein gutes demokratisches Gerüst, sofern es denn gelebt wird.

Das Delegiertenprinzip, vom lateinischen „delegare“ stammend, bedeutet es, dass ein Anvertrauter geschickt wird, um Meinungen zu vertreten. Um aber eine Meinung zu vertreten, muss man diese zunächst kennen.

Und schon sind wir bei der Kommunikation!

Ich wüsste nicht, wann wir von unseren gewählten Vertretern zuletzt aufgefordert worden wären, unsere Meinung Kund zu tun! Sei es zum Thema Mindestnote HLP oder auch zum kürzlich gewählten Stutenkommissar. Das einfachste wäre ja gewesen, auf der Homepage des Verbandes oder des Zuchtbezirks darum zu bitten, seine Stellung zu den Themen abzugeben. Gerne per Mail. Daraus hätte man ein Meinungsbild schaffen können – wenn man denn überhaupt gewollt hätte.

Die Wahl des Stutenkommissars vor einigen Tagen ging völlig unter und die Aufforderung des Vorstands, dazu im Vorfeld Meinungen einzuholen, erreichte wohl zum Teil nicht einmal die Delegierten. Wir hätten eine Meinung gehabt. Schade, dass sie keinen interessiert hat. Dass wir in den unterschiedlichsten Bereichen mittlerweile eine Ämterhäufung haben, mit allen Risiken und Nebenwirkungen scheint ebenfalls nicht zu interessieren. Nicht mal ein Apotheker wäre da, den man fragen könnte.

Scherz beiseite – Es scheint immer mehr so, als wäre man gerne unter sich, schließlich lässt sich eine kleine Gruppe besser auf Linie halten.

Kritiker am System oder nur an einzelnen Themen werden schnell als Nestbeschmutzer ins Eck gestellt. Unvergesslich für uns in diesem Jahr: Auf die Feststellung des schlechten Springens bei der Körung, folgt die Empfehlung doch besser den Zuchtverband zu wechseln.

Die Diskussion um die Mindestnote in der HLP war beispielsweise gar keine. Es wurde im Vorfeld nicht diskutiert. Es wurde auch nicht differenziert. Es wurde auch nicht wirklich hin gehört.

Wir sind beispielsweise für die Mindestnote. Nicht zwingend bei den dreijährigen, auch um Überforderung zu vermeiden. Es reicht, wenn die brav ihre Runden drehen und sich auf die gestellten Aufgaben einlassen. Aber bei den älteren finden wir die Mindestnote richtig. Die HLP ist ein Qualitäts-Baustein und nur weil das System nicht in allen Punkten richtig arbeitet, muss man nicht gleich alle Standards über Board schmeißen. Man muss das System besser machen. Wir haben bei den Trakehnern nicht einmal mehr 1000 Fohlen im Jahr und ich unterstelle mal, dass alle Befürworter der Mindestnote für diese Fohlen den höchsten Qualitätsanspruch haben wollen. Im Sinne der Rasse!!

Die Idee des Vorstandes war die Abschaffung der Mindestnote, die Gründe nachvollziehbar – im Wettbewerb zu anderen begründet und pekuniärer Natur – und somit wurde dann der erweiterte Vorstand „geimpft“. Nun war die Entscheidung zur Mindestnote ein Mitgliederentscheid und es bedurfte einer 3/4-Mehrheit. Diese wurde nicht erreicht.

Die Pferdezucht ist ein hoch emotionales Thema, ein Großteil der Züchter züchtet aus Hobby, aus Freude und investiert viel Zeit und Geld. Was man absolut nicht braucht, ist beschuldigt zu werden, sein demokratisches Recht zur „Minderheitsblockade“ genutzt zu haben! Ich kann nicht auf der einen Seite über Basis-Demokratie fabulieren und diese dann im Nebensatz direkt mal ad Absurdum führen, weil ich den Teilnehmern in dieser Demokratie ihr Urteilsvermögen und ihre lauteren Absichten abspreche, sobald sie eine andere Meinung vertreten! Das ist zutiefst undemokratisch und darüber hinaus beleidigend! Und wie schamlos ist es, diese Beleidigung in ein Editorial zu packen?

Spätestens seit März diesen Jahres ist die zwingend notwendige Nutzung der digitalen Medien zum Meinungsaustausch in aller Munde. Diese trotz Corona sowie der großen Entfernungen, die es in einer Bundeszucht zu überwinden gilt, nach wie vor nicht zu nutzen, trifft bei uns auf völliges Unverständnis. Würde man diese Kommunikationswege nutzen, käme man vielleicht sogar zu der Einsicht, dass es sich beim HLP-Entscheid gar nicht um eine „Minderheitsblockade“ gehandelt hat? Wäre doch möglich, oder?

Das Internet ist Fluch und Segen zugleich: Weder lassen sich heute Dinge so einfach unter den Teppich kehren, noch darf man hoffen, dass Klüngelei im kleinen Kreis bleibt oder über Verfehlungen das Deckmäntelchen der Verschwiegenheit gehüllt wird. Irgendwer quatscht immer!

Eines sollten alle die, die Geschicke des Verbandes lenken nicht vergessen: Der Verband ist für den Züchter da, nicht umgekehrt und auch nicht aus Selbstzweck. Das Ehrenamt ist ein Dienst an der Gemeinschaft, es erhebt den Ausübenden nicht in eine „Machtposition“ gegenüber seinen Züchterkollegen.

Im Sinne des Pferdes kann es unserer Meinung nach nur in einem offenen und kritischen Miteinander gehen. Wenn der Züchter sich zunehmend ignoriert fühlt, dann hat es sich irgendwann auch mit der emotionalen Bindung an den Zuchtverband erledigt. Den Brand gibt es eh nicht mehr und so spricht letztlich auch nichts mehr gegen einen anderen Verband. Es wäre einfach schade drum!

3 thoughts on “Türchen 18 – Der Verband und wir…”

  1. Dem ist nichts hinzuzufügen. Und immer Kritiker ziehen mittlerweile ihre Konsequenzen. Ich befürchte nur, dass den vielen Ja-Sagern die Trakehnerrasse zum Opfer fallen wird.

  2. Sehr gut, entspricht meiner Einstellung. Es wird weiter vermehrt auf Missfallen stoßen, wenn der Leistungsgedanke sich auf Farbe und Trab Bewegung reduziert.
    Die mangelnde Transparenz und Kommunikation werden das Misstrauen in die Zuchtentscheidungen weiter verstärken. Mögen diese auch fachlich motiviert sein, die Akzeptanz ist dann nicht mehr gegeben.
    Eine gefährliche und selbstzerstörerische Entwicklung. Diese kann jedoch nur von den Funktionsträgern aufgehalten werden. Ob das gesehen und gewollt ist? Oft habe ich Zweifel.

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