Türchen 17 – Ein Sprung zurück in den Dezember 2009

ak2016-17Der Zuchtleiter des Warmblood Studbook of Ireland bereiste im Oktober 2009  „Trakehner-Deutschland“ und besuchte große und kleine Gestüte, staatliche und private Züchter. Im Anschluss besuchte er den Trakehner Hengstmarkt in Neumünster, auf dem 21 von 63 Hengsten gekört wurden. – Sein Urteil lautete damals: „Für mich war die Körung eine Enttäuschung, ich habe keine 21 Hengste gesehen, die ihrer würdig waren. Die Zahl lag eher bei einem Dutzend…“

Dr. Thomas Reed ist gebürtiger Amerikaner und promovierte an der Columbia University in New York. Er lebt seit Ende der 90er Jahre in Irland, ist Inhaber des von ihm gegründeten Morningside Stud (Zuchtstätte internationaler Spring- und Vielseitigkeitspferde), Hengsthalter und eben Zuchtleiter des Warmblood Studbook of Ireland.

Ein Mann, von dem man meinen mag, dass er ein wenig Plan von dem hat, was er so erzählt. Nebenbei ist er Mitglied des Trakehner Verbandes, hatte eine Trakehner Stute in seiner Zucht und auch in mehreren Stammbäumen seiner Hengste finden sich Trakehner-Gene.

Im Anschluss an seine Reise verfasste er einen Artikel, der in der Dezember Ausgabe 2009 Horse International erschien und auf seiner Hompepage ebenfalls zu finden ist KEEPING TRAKEHNERS ON TRACK / Im März 2010 erschien er, übersetzt von Dr. Maren Engelhard im DER TRAKEHNER. Wir wollen diesen Artikel hier sechs Jahre später noch einmal einbringen, weil er eben immer noch passt, vor allem auch zu dem worum wir uns bemühen.

Der Trakehner kann auf eine lange, erfolgreiche Geschichte als vielseitig veranlagtes Reitpferd zurückblicken. Oft brachte die Zucht Sporterfolge bis zur Olympiade in allen Disziplinen. In den Annalen der Dressur werden Namen wie Peron TSF, Biotop oder Pepel für immer auftauchen, genauso wie Nurmi, Habicht und Windfall in der Vielseitigkeit, oder Abdullah, Almox Prints und Livius im Springen.

Leider hat die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts viele Trakehner Züchter auf einen Pfad weg vom Sportpferd und hin zum ,Typpferd‘ wandern lassen. Für viele Züchter und auch den Verband selber schien der Trakehner Typ als Zuchtziel ausreichend zu sein und Sportlichkeit verlor an Bedeutung. Im 21. Jahrhundert scheint sich ein Trend durchzusetzen, bei dem Züchter und Verbandsobere wieder den Sport in den Mittelpunkt ihrer Bemühungen rücken wollen – es werden wieder Athleten gezüchtet, keine Schönheitskönige. Dennoch muss man feststellen, dass die ,verlorenen Jahre‘ Schaden angerichtet haben, von dem sich diese kleine Zucht nicht so schnell erholen wird. Wie kann sich die Trakehner Zucht ihren Stellenwert als Weltklassezucht in allen drei Olympischen Disziplinen zurück erobern? Leider ist es deutlich einfacher, ein großartiges genetisches Reservoir zu vernichten, als ein neues zu errichten, vor allem dann, wenn man mit einem geschlossenen Stutbuch arbeitet. A

ndere Warmblutverbände erlauben grundsätzlich anerkennungsfähige Hengste und Stuten in ihrer Population, wenn sich die Zuchtleitung einen Vorteil verspricht. Zwei extreme Gegenteile in Philosophie und Umsetzung stellen wohl das Stutbuch Zangersheide auf der einen Seite, und der Trakehner Verband auf der anderen Seite dar. Zangersheide hat eine gänzlich offene Politik und registriert Fohlen aller in einem WBFSH-geführten Zuchtverband anerkannter Hengste und Stuten. Im Gegensatz dazu steht der Trakehner Verband, der außer Vollblütern und Arabern keine weiteren genetischen Outcrossvarianten erlaubt. Dementsprechend sieht sich der Trakehner Verband mit der monumentalen Aufgabe konfrontiert, aus diesen limitierten Ressourcen eine Verbesserung der allgemeinen Sportlichkeit zu züchten.

Wenn die Hannoveraner oder KWPN Springpferde für internationale Aufgaben züchten wollen, steht ihnen die Möglichkeit, nach Holstein zu gehen, immer offen. Ebenso können sie sich bei der Züchtung internationaler Dressursieger auch immer an die Trakehner wenden, und tun das auch höchst erfolgreich. Holländische Züchter scheuen sich nicht, immer wieder erstklassige Trakehner Stuten in ihre Population einzukreuzen. Nur die Trakehner können sich eben nicht in Holland oder in einem der anderen Hochzuchtgebiete bedienen. Was also können die Trakehner Züchter tun?

Selektieren und Aussortieren
Zwei fundamentale Prinzipien in der Tierzucht sind die Selektion und das Aussortieren ungeeigneten Zuchtmaterials. Für eine Population der Größenordnung der Trakehner ist es Pflicht für jeden Züchter, hochgradig selektiv zu arbeiten und sich wirklich kritisch mit den eigenen Zuchttieren auseinander zu setzen. Es ist eher unwahrscheinlich, dass Merkmale mit hoher Erblichkeit, vor allem im Hinblick auf die Verbesserung der Springanlagen, vom Vollblut oder Araber kommen werden. Die großen Spezialhengste anderer Populationen, die mit hoher Trefferquote Springvermögen und Springveranlagung in die Zucht bringen, gibt es nicht mehr wie vor 20 Jahren.

Es ist ebenso unwahrscheinlich, dass die Quelle deutlicher Verbesserungen aus der Population selber kommt, aber nur kritische Selektion von Hengsten und vor allem Stuten können diese überhaupt ans Tageslicht befördern. Dafür muss sich jedoch einiges im Denken und Handeln der Züchterschaft ändern. Das wichtigste Selektionskriterium ist Sportlichkeit, nicht Typ. Wenn Eigenschaften wie Sportlichkeit, Elastizität oder Springvermögen nicht als Auswahlkriterien dienen, werden sie auch nicht wie von Zauberhand eines Tages auftauchen. Diese Merkmale werden eher noch weiter in den Hintergrund treten, wenn sie nicht bei Zuchtentscheidungen Priorität erhalten. Trakehner Züchter müssen sich an Attributen des Sportpferdes orientieren, wenn sie systematisch Weltklasseathleten produzieren wollen. [..]

[…]Für diese kleine Population bedeuten schon 10 nicht wirklich erstklassige gekörte Hengste mit beispielsweise 24 Stuten und im Idealfall 240 Fohlen, dass 20% des nächsten Fohlenjahrgangs von weniger guten Vatertieren geprägt sind. Die Trakehner können sich diesen Luxus‘ schlicht nicht erlauben. Des weiteren müsste deutlich mehr Wert auf die Sportlichkeit von Mutterstämmen gelegt werden. Neu gekörte Hengste müssten im Gros aus Familien stammen, die sich über ihre Sporterfolge definieren, nicht über die Anzahl an Titeln oder gekörten Hengsten im Mutter stamm.

Fokus auf den Sport
Wie eingangs erwähnt, nahm über viele Jahre die Selektion des Trakehner Typs eine übergeordnete Rolle ein. Neuerdings scheint ein wichtiges Kriterium die Größe bzw. der Rahmen zu sein. Das sind sicherlich keine schlechten Ziele – der Markt verlangt nach großrahmigen Pferden, auch wenn das nicht unbedingt mit der Größe oder den Fähigkeiten der Reiter korreliert. Aber Größe und Rahmen sind keine Attribute, die Sportlichkeit fördern. Vielmehr müssen sich Trakehner Züchter auf einem fundamentalen Level fragen , was sie wollen – typvolle, große Pferde für den Amateursport, oder Weltklasseathleten in allen Formen und Typausprägungen. Das ist eine schwere Wahl. Es ist unmöglich die Sportlichkeit zu erhöhen, wenn das Augenmerk auf reinen Äußerlichkeiten liegt.

Springeignung im Blick
Es ist aus heutiger Sicht sicherlich ausgeschlossen, dass Trakehner Pferde wieder zu ihrer Größe im internationalen Springsport kommen, die sie einst innehatten. Zu viele wertvolle genetische Reserven sind unwiderruflich verloren. Es ist unwahrscheinlich, dass die heute notwendige Springeignung von einem Vollblüter oder Araber in die Population gebracht wird – zumal diese Hengste viel zu wenig decken. Wahrscheinlich werden wir nie wieder Pferde wie Abdullah, Poprad oder Topki kontinuierlich im Sport sehen, aber das bedeutet nicht, dass die Trakehner Züchter gänzlich auf Springeignung- und Selektion darauf- verzichten sollten. Ganz im Gegenteil!

Warum ist es so wichtig, Springeignung zu erhalten und züchterisch zu fördern, wenn wir gerade festgestellt haben, dass die Trakehner Population keine Weltklasse Springpferde en Masse produzieren wird? Eine Antwort darauf ist nahe liegend: Trakehner produzieren immer noch Weltklasseathleten in der Vielseitigkeit und werden das auch in Zukunft tun, solange die richtigen züchterischen Entscheidungen getroffen werden. Der andere Grund ist, dass kleine Dosen erstklassiger Springgene oft die Zucht von internationalen Dressurcracks deutlich unterstützen. Einer der Hauptgründe, warum der Trakehner vor allem in Holland so segensreich wirken konnte, ist die Tatsache, dass er hier auf eine konsolidiert auf Springeignung gezogene Stutenbasis trifft und sich echte Passer finden. Der Springer bringt Kraft aus der Hinterhand, einen sehr guten Galopp und vor allem einen tragfähigen und starken Rücken mit Elastizität in den Mix – alles Attribute, die der Zucht moderner Dressurpferde nur helfen können. Obwohl ein Pferd wie der außergewöhnliche Totilas sicherlich eine Überraschung ist, überrascht es mich nicht, dass er das Resultat eines exzellenten Trakehners mit einer holländischen Stute ist, die dominant Springgene in sich trägt.

Springgenetik erhalten
Einige der wichtigsten und erfolgreichsten genetischen Reserven mit Augenmerk auf Springen innerhalb der Trakehner Population sind in den letzten Jahren durch das Aufweichen mit Dressurhengsten stark beschädigt worden. Springstämme werden nun mit Dressurhengsten angepaart. Auch wenn so eine Diversion einen Totilas produzieren kann, ändert das nichts daran, dass es auf lange Sicht komplette Springstämme ausradiert. Selbst auf der Körung 2009 waren etliche Junghengste aus erstklassigen Springfamilien dabei, deren Väter als reine Dressurhengste diese Familien ad absurd um führen. In meiner Frustration ob dieser Tatsache habe ich mich irgendwann an einen deutschen Züchterkollegen gewandt und gefragt, warum die Kommission nicht die Züchter verpflichtet, nach der Verkündung der Körurteile öffentlich ein paar Sätze zu ihrer Entscheidungsfindung zu sagen. [..]

[..] Wer mit einer Blutstute oder einer Springstute einen internationalen Topathleten züchten möchte, der muss sich ein ebenso gezogenes Vatertier suchen. [..] Neben Abdullah gibt es sicherlich noch andere Trakehner Hengste, die sich als Sportpferde bewähren und als Vererber empfehlen- ich denke da insbesondere an Heops, Hirtentanz, Lücke, etliche russische bzw. ostdeutsche Genalternativen wie z.B. die Söhne von Waitaki, Nerv, Almox Prints oder Tzigane. Und natürlich sollten Züchter in Europa an die Tür der Besitzer eines Windfall klopfen und seinen Samen anfordern. Nach einer höchst erfolgreichen Karriere im Sport sind es nun seine Kinder, die sich in den USA nachhaltig als Topathleten empfehlen. Es wäre geradezu tragisch, wenn dieser große Sohn des Habicht komplett aus den Zuchtbüchern in Europa verschwinden würde. Sein Bluttyp, seine Eigenleistung und seine Nachkommenleistung empfehlen ihn aus meiner Sicht als würdigen Vererber zur Zucht von Hochleistungspferden im Springen und der Vielseitigkeit.

Alternative Angloaraber?
Es gibt einige ausgezeichnete Angloaraber in Frankreich, die sich international im Springsport bewährt haben und als sichere Vererber erweisen. Etliche dieser Hengste sind nah verwandt, oder abstammend von der Stute Yasmin AA. Obwohl der ,Trakehner Typ‘ unter Umständen von diesen Hengsten nicht unbedingt erhalten werden kann, bringen sie doch alles andere mit, was Trakehner Züchter dringend benötigen: Blutalternativen analog der Reinzuchtprinzipien des Trakehner Verbandes, Karrieren im internationalen Spitzensport mit Nachzucht, die in ihre Fußstapfen tritt. Die Trakehner Zucht hat eine bewegte und beeindruckende sportliche Geschichte, auf die sich aufbauen lassen sollte. Es wäre eine wahrhaftige Tragödie, wenn der Trakehner nicht mehr als ein Veredler für andere Warmblutzuchten auf dem Dressursektor werden würde, ohne die Fähigkeit, aus seinen eigenen Reihen internationale Athleten zu stellen. Der Trakehner ist auf dem richtigen Weg, einem Weg zu fortgesetzter Exzellenz in allen Sparten der Reiterei, aber diese Richtung kann schnell aus dem Fokus geraten, wenn sich Verband und Züchterschaft nicht klar entscheiden, wohin die Reise gehen soll.

Dr. Thomas Reed

Schauen wir auf den von Dr. Reed erwähnten Körjahrgang 2009 so darf man sich doch über einige Erfolge freuen. Allen voran Heuberger! Der dunkelbraune Prämienhengst, siegte gerade erst gestern in der Einlaufprüfung des Louisdor-Preises einem nachwuchs Grand-Prix mit 76,588%. Erst kürzlich wurde das Paar in den A-Kader der Dressur berufen. Dort steht Heuberger nun zeitgleich mit seinem Vater Imperio, der mit seinem Reiter Hubertus Schmidt ebenfalls zum Kader zählt. Vater und Sohn zur gleichen Zeit an der Spitze DER Dressurnation Deutschland. Hat es das je gegeben? Und ist das dann – bei aller Kritik, die wir immer dem eigenen Lager auch entgegenbringen sollten – nicht schon mal wert, sich für die Rasse Trakehner stolz in die Brust zu schmeißen und einfach mal ein „Bitte nachmachen!“ in die Richtung der anderen Warmblutverbände zu lächeln?

Imperio und Heuberger vertreten die Hengstlinie des Burnus AAH (über Habicht) ebenso im Übrigen wie ein weiterer in Klasse S erfolgreichem Prämienhengst der Körung: Abendtanz. Jener ist allerdings über die Stangen unterwegs und fand vor einigen Tagen bei seinem Sohn Lebenstraum besondere Beachtung.

Der beste Springhengst der Körung war Come Close, ein Sohn des Heops aus der  Charts vom Klosterhof (Prints x EH Sokrates), ein Vertreter der Hengstlinie des Pilgers (über Ossian). Dieser Hengst startete sehr vielversprechend in den Sport und verstarb viel zu früh. Er vertrat alle Attribute, die Reed forderte und eines war er ganz sicher nicht: Der Typ-König der Körung 😉

Sportlich ist der Rest, mit Ausnahme von All Inclusive und Shapiro die immerhin die Klasse S* in der Dressur schon siegreich / erfolgreich bestritten und Zauberdeyk, der sich in der Vielseitigkeit unter schwedischer Flagge beweist und im September diesen Jahres unter anderem bei den International Nordic Baltic Eventig Championships im norwegischen Lilleström das CIC* unter seiner schwedischen Reiterin Evelina Carlsson gewann, ohne Bedeutung. Über den Rest schweigt man besser. Ein Siegerhengst, der es immerhin schaffte, fünfjährig mal einen zweiten Platz in der Dressurpferde L zu erreichen. Er hatte allerdings in 2010 eine beträchtliche Anzahl an Stuten…die wiederum hoch bonitierte Fohlen hatten, welche später zu hoch bonitierten Stuten wurden und sich nun mit den nächsten Junghengsten paaren dürfen… das Glücksrad dreht sich weiter. Die Forderung von Dr. Reed oben, nach den Spitzenathleten zu suchen? Sie bleibt ungehört. Von den meisten.

Und sind wir ehrlich, so richtig, richitg viele gibt es auch nicht. – Wenn es dann auch noch einer aus dem Springsektor sein soll, welche Chance haben wir Züchter? Welche bewährten Spitzenhengste stehen uns für diese Sparte zur Verfügung? Wir haben alle obenstehenden Empfehlungen befolgt: Hope of Heaven, ein Abdullah Spross, der sich fünfjährig zum BuCha des deutschen Springpferdes qualifizierte, Phlox – im schweren Springsport erfolgreich, Sixtus – im schweren Springsport erfolgreich, Bonaparte N AA – im schweren Springsport erfolgreich, El Greco TSF – einzigartig in seiner Vielseitigkeit, der vielseitig bewährte Icare d‘ Olmpe AA und nun zuletzt den Junghengst Davidas im Vertrauen auf sein Pedigree. Das auf Stuten / Stutenlinien, die sich ihrer Sportlichkeit durchaus rühmen dürfen.

Nun, die Produkte daraus ließen als Fohlen „den letzten Schmelz vermissen“ oder  „gingen im Trab nicht so richtig los“. Waren als zweijährige „zu unreif“, „zu wenig“ „zu unmodern“, „zu schlicht“, “ zu….“you name it“!  Als Reitpferd zeigten sie sich dann rittig, unkompliziert, einfach, cool, unerschrocken, mit genügend Grundqualiät, um sich auf die Ausbildung zu freuen und von mehr zu träumen.

Wir sind also sehr zufrieden mit unseren Pferden, aber wie kann es sein, dass Zucht und Sport teilweise so weit auseinander gehen? Es ist doch ein Witz, dass man – orientiert man sich an den sportlichen Attributen den Zuchtverband dann tatsächlich nur dafür brauchen kann, die Papiere auszustellen. Es gibt keine besondere Förderung von sportlichen Genen. Es werden die Sportler nicht mal besonders herausgestellt. Im Allgemeinen viel zu wenig in Richtung Sport informiert, geschult, beraten. Der französische Angloaraber? – En Gros ein Buch mit sieben Siegeln.

In Punkto Information ist gar das Gegenteil ist der Fall! Da gewinnt einer der stärker frequentierten, sehr dunklen und sehr schönen Junghengste nun endlich mal sechsjährig eine Dressurpferde-M und schon bekommt es der Züchter als großen Sieg verkauft. Eine (Achtung Unwort des Jahres!) wunderbar postfaktische Meldung. Ja er siegte. Er wurde tatsächlich erster von aus der unglaublichen Masse von vier!! Startern auf einem Late-Entry. Er, der sechsjährige, siegte mit einer siebenkommanochwas und einem zehntel Punkt vor einem fünfjährigen. Dann kam zweimal der Platz drei…. – Wie wundervoll! Was für ein grandioser Erfolg!! Eine sportliche Leistung die zu rühmen es sich wahrlich lohnt…. Wofür fragt man sich? Um den Wohlfühlmodus beim Züchter zu erhalten? Dass man ja eben doch ein Spitzensportler genutzt hat?

Es sollte im Übrigen die einzige Platzierung in dieser Klasse bleiben. Aber das macht nichts. Im allerbesten Beritt steigt dieser Vererber vielleicht ja irgendwann wie der Phoenix aus der Asch in der höchsten Klasse in den Turniersport ein. Dann nehmen wir alles zurück. Allein der Glaube daran, er fehlt…. Dafür kann dieser Vererber allerdings mit Stolz rasseübergreifend schon auf 25! gekörte Söhne und 45! eingetragene Töchter verweisen. Wir stellen also fest, die Nutzung von dunkel und schön ist ein scheinbar ein verbreitetes Problem und hängt nicht nur den Trakehner an. Wer über den Tellerrand nach Verden und Vechta schaute, sah es dieses Jahr auch deutlich. ….

In den nächsten Tagen werden wir uns also gezielt auf die Suche nach den Spitzenathleten machen. Im Osten und im Westen – Sportrecherche und kurze Betrachtung der Abstammung. Wir laden ein, uns auf diese Reise zu begleiten. (und dann gibt es auch wieder Bilder;-) )

4 Gedanken zu „Türchen 17 – Ein Sprung zurück in den Dezember 2009

  1. Sehr interessant ! Gerade für mich als „freien“ Züchter, der sich keinen Vorgaben ausser einer möglichst vielseitigsten Sportlichkeit verpflichtet fühlt sind diese Gedanken sehr aufschlussreich. Man sieht, wohin das führt, wenn zu sehr in engen Bahnen gedacht und gehandelt wird und dabei das Grosse Ganze aus dem Augen verloren.

  2. da muss ich dir leider Recht geben Simone. Die Haltbarkeit bei einigen Hengsten macht auch uns Sorgen. Daher versuchen wir unseren Stutenstamm schon bestens zu selektieren. Und natürlich machen wir uns auch bei der Anpaarund diese Gedanken.

  3. Liebe Gabi,

    alles gut 😉 – Es geht hier nicht darum, die Qualität in Frage zu stellen oder den Siegerhengst zu diskreditieren, sondern herauszustellen, dass eben nicht nach dem Spitzenathleten gesucht wird, sondern das genutzt wird, was jung und modern erscheint. Es ist ein Glücksspiel, ein Aktien-Züchten. Kann gut gehen -> siehe Heuberger, kann in die Buxe gehen -> siehe ganz aktuell Davidas (ich nenne den bewusst, weil von uns benutzt!!).

    Und eines darf man mit Hinblick auf den Siegerhengst nie vergessen: Wenn einer in jungen Jahren beim im Kreis laufen erkrankt, so sollte man auch DAS kritisch beobachten. Es ist nicht ein alleiniges Problem dieses Siegers, sondern ein weit verbreitetes. Sie halten leider nicht! Warum? Spekulationen sind Tür und Tor geöffnet. Und es sind doch gerade in den Fällen eben nicht die schlechten Reiter, mit denen sich die Freizeitzossen plagen müssen, die das Dilemma verursachen. Die Hengste laufen unter Optimal-Bedingungen auf spitzen Böden und spitzen Beritt. Wieso halten sie nicht? Ist das denn gar kein Fragezeichen wert?

  4. Ganz toller Artikel Simone 🙂 bin immer wieder begeistert von deinen Berichten 🙂
    Nicht ganz einverstanden bin ich wie du Dir denken kannst über dein Urteil zum damaligen Siegerhengst, der ja nun zumindest im HVP 2016 in der Zuchtwertschätzung Turniersport 2015 mit seinen dort gerade 4 jährigen Nachkommen bereits erwähnt ist. Bei der SLP sogar mit einem Wert von 129 und ABP und TSP ebenfalls beide über 100. Wie du weisst haben wir einige Nachkommen bei uns unter dem Sattel und sind äusserst angetan von deren Rittigkeit. Der Hengst selber war ja nun verletzt, das ist ja nun auch bekannt.

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