Türchen 17 – Ein paar Gedanken zum Pferdemarkt…

Auch wenn Auktionen mit Sicherheit nicht die Realität für Verkauf ab Hof widerspiegeln, so gelten sie doch immer wieder als Barometer des Marktes und alle Züchter wünschen sich gute Erlöse.

Immer wieder heiß diskutiert sind die Fohlenauktionen. Nach diesen geht meist im www die Diskussion los, warum welcher Kanditat welchen Preis erzielt, bzw. nicht erzielt hat. Da treffen mitunter harte Gegener aufeinander, es diskutiert Schein gegen Sein, Show gegen Sport. Mal grob skizziert. Seltenst diskutieren Käufer. Es diskutieren die, die wollen, dass andere für ihr eigenes Ideal von einem Pferd viel Geld ausgeben.

Bestückt werden diese Auktionen mit Nachkommen der modernen Fohlenmacher. Das ganze beschränkt sich auf einige wenige Vererber. Mahnende Stimmen gibt es bezüglich des Verlustes von genetischer Varianz contra „verkauft sich gut, ergo der Markt will es so“. Nochmal angemerkt: Hier sind wir beim Verkauf als Fohlen, vom Reitpferd sind wir zu diesem Zeitpunkt noch meilenweit entfernt!

Und jetzt kommt die Krux, denn dass der Markt en Gros es so will, stimmt sicher nicht ganz. Wäre es so, dann wären auch alle Nachkommen der spektakulären, meist schwarzen Fohlenmachern zu Bestpreisen dierekt ab Stall veräußert und die Verkaufsbörsen wären leer. Wildfremde Menschen würden sich glückseelig und freudetaumelnd in den Armen liegen. Dem ist aber nicht so. Die Wahrheit ist, dass der Markt en Gros überhaupt keine Fohlen kaufen will! Der Markt en Gros besteht nämlich nach wie vor aus Reitern. Und Reiter kaufen Reitpferde. Dass die produzierten Fohlen mal gute Reitpferde werden, steht aber in jungen Jahren leider noch nicht fest und das Risiko ist um so größer, je weniger erprobt und gesichert die Elterntiere auf diese Eigenschaft selektiert und geprüft wurden.

Das kleine Segment, das tatsächlich Fohlen kaufen möchte unterteilt sich dann noch in weitere Segmente:

1. Der ambitionierte Reiter, der gerne seinen künftigen Sportpartner selber aufziehen möchte, um alle richtig machen zu können. Dieser Käufer sucht gezielt nach bestimtmen Eigenschaften, legt wert auf Abstammung und Herkunft – Kein typischer Auktionskäufer.

2. Der ambitionierte Reiter, der perspektivisch einen Kracher haben möchte, der aber vermutlich drei- bis vierjährg nicht mehr ins Budget passen wird. Man ist selbst in der Lage auszubilden und sucht eine bestimmte Qualität zum günstigst möglichen Preis. – Kein typischer Auktionskäufer.Ggfs. erwirbt er mal spontan ein Schnäppchen.

3. Große Gestüte / Hengststationen, die ihren Vererber promoten wollen und somit werbewirksam einkaufen. Auf Auktionen!

4. Zocker. Menschen mit viel Geld (übrig), die Fohlen ebenso einkaufen wie sie Spekulationsobjekte erwerben. Auf Auktionen! (Das sollte spätestend klar sein, seitdem ein Embryo in Neumünster dieses Jahr teurer war, als alle dort angebotenen lebenden! und vorselektierten! Fohlen.)

5. Zuletzt in Mode gekommene Konsortien, die, meist spontan gebildet, aus den unterschiedlichsten Gründen gemeinsam in das Abenteuer „Hengstfohlen“ mit perspektivischer Körung investieren. Auf Auktionen, jedoch meist im Normalpreissegment .

Das heißt, die Gruppe der Käufer, um die sich alle Begehrlichkeiten drehen, sind Personen aus Rubrik 3 und 4. Ein verschwindend geringer Teil und dennoch orientiert sich gut die Hälfte der Fohlenproduzenten an diesen einigen wenigen. Es ist das Prinzip Hoffnung das hier belfügelt, sowohl auf der einen, als auch auf der anderen Seite. Es sind die meist „Dressurfohlen“ die die Spitzenpreise erzielen und so sind folgerichtig auch in diesem Sektor die Modeabstammungen am häufigsten zu finden. Ebenso wie die Käufer aus 3 und 4.

Jetzt ist es nicht gerade die Dressurabstammung, die bei uns Begehrlichkeit weckt. Trotzdem sind natürlich auch unsere Fohlen verkäuflich, aber wenn nicht, dann werden sie eben geritten und finden als Reitpferd ein gutes neues Zuhause. Punkt. Und wenn wir ehrlich sind, dann wollen wir verschiedene Käufersegmente gar nicht bedienen. Wir wollen niemanden, der mit unserern Pferden zockt. Wir wollen jemanden, der sich bewusst für dieses Tier entschieden hat und es gerne hat. Dem eine artgerechte Haltung wichtig ist und da ist man bei denen, die Vielseitigkeit betreiben einfach mit relativer sciherheit gut aufgehoben.

Wir paaren unsere Stuten an Hengste, die Sportlichkeit versprechen, wir ignorieren Fellfarben und wir legen großen Wert auf Gesundheit und Haltbarkeit. Kurz: Wir sind total unmodern! Wir rechnen immer damit, dass wir das Produkt unserer Idee tatsächlich selber anreiten müssen und wie wir einige Türchen zuvor schon schrieben: Wir lassen uns nicht gerne an die Gesundheit gehen. 😉

Aber weiter: Irgendwann stand dann da mal in unsere Richtung geschrieben „Diese Einstellung müsse man sich leisten können.“… Mmmmh, stimmt. – Aber die Pferde sind unser Hobby und wir freuen uns, wenn am Jahresende da eine kleine schwarze Null steht. Wir leben nicht davon, im Gegenteil, ein guter Teil des erwirtschafteten Gehaltes fließt in dieses Hobby. Und unsere Kunden sind dann meist ebenfalls Hobbyreiter, die eine gewisse Qualität schätzen und bereit und in der Lage sind, einen fairen Preis zu zahlen. Fair, vor dem Hintergrund, dass es sich ja um eine „Hobby-Produktion“ handelt. Denn müsste jemand davon leben, dann sähe es ganz anders aus…: Dann wäre die Stute eben nicht „eh da“ und die Rentner würden nicht  selbstverständlich ihr Gnadenbrot bekommen. Dann wäre nicht der Schmied alle sechs Wochen „eh da“ und würde nach den Fohlen gucken und auch Zäune, Weide, Maschinen etc. wären eben nicht „eh da“.  Das Fohlen würde nicht in der Freizeit gehändelt und erzogen, der Youngster nicht in der Freizeit longiert und angeritten, Anhänger und Zugfahrzeug wären nicht „eh da“ und die Turnierfahrten würden nicht einfach irgendwie mit dazu gehören, sondern es wäre tatsächlich zu kalkulierende Arbeitszeit …. und jetzt rechne man mal für alles 1 Stunde pro Tag und nur den Mindestlohn von 8,50 € pro Pferd…. Dann würde nur die Arbeitszeit bei einem dreieinhalbjährige, gerade angerittenen Youngster knapp 11.000 € betragen…. Plus die Entstehungskosten (anteilig Stute, Futter, Tierarzt, etc.) die man dann auch mit bummelig 10.000 € ansetzen. Ups!!

Das heißt, dafür dass viele normal verdienende Leute das Hobby Reitsport betreiben können, müssen viele andere das Hobby Zucht betreiben. Und da liegt der Hase im Pfeffer. Das muss man einfach realistisch so erkennen, wie es ist. Und dann muss man sein Hobby exakt so betreiben, wie man das vor seinem Gewissen verantworten kann, denn letzendlich sendet man ja seine Tiere auf die Reise. Die größtmögliche Chance auf ein glückliches Leben haben sie bei Leuten, wir wir es sind. Mit den gleichen Ansprüchen  an Gesundheit, Haltbarkeit, Bedienbarkeit, Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft wir wir sie haben. Mit der gezielten Ausrichtung auf Springveranlagung und dazu blutgeprägt. Für die Vielseititkeitt, vielleicht… Eventuell.  Mit der Hoffnung für mehr. Und wenn nicht mehr, dann doch zuminest für normal. Normal L und M. Eben das was gewünscht ist!

Wir verkaufen gerne in diese Richtung. Stimmt, reich wird man davon und damit nicht, aber dem eigenen Gewissen geht es gut und wenn es immer wieder heißt, solche Pferde zu züchten lohne nicht… Es lohnt eben doch! Im Hobby muss es neben den monetären auch noch andere Werte geben und die dürfen gerne voran stehen – zumindest für uns 😉

Ein Gedanke zu „Türchen 17 – Ein paar Gedanken zum Pferdemarkt…

  1. Genau so ist es! Der Fohlenmarkt wird von den Zuchtverbänden angeheizt, damit hochspekulative Käufe getätigt werden können. Der Sportler Pferd steht dabei selten im Vordergrund, daher trifft es der Begriff „zocken“ sehr gut!

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