Türchen 21 – Zuchtgedanken für 2019

Für das nächste Jahr haben wir drei Stuten für dem Zuchteinsatz geplant.

  1. Oka-Blümchen
  2. Belle Pèlerine (BabyBelle)
  3. Masurenglück

Oka-Blümchen hatte bislang zwei Fohlen, trägt nun das dritte. Was wir sagen können, ist dass beide Fohlen bei Geburt groß waren. Beide sind eher osteuropäisch gezogen, Obi hat was mehr Blut und ist gemäß der ersten Einschätzungen etwas gangstärker als Orik. Nun trägt sie von einem rein westdeutsch gezogenen Hengst, von Berlusconi. Das Ergebnis werden wir Mitte Mai 2019 bewerten können.  Obis Vater Adorator ist sehr blutgeprägt, ganz offenbar passt dies gut zu Blümchen.

Was also tun in 2019?

L’Elu de Dun AA wird nächstes Jahr die ersten Fohlen in Deutschland haben. Ein interessanter Anglo, 168 cm groß und selbst erfolgreich in schweren Springen. ER hat bereits erfolgreiche Nachkommen und seine Abstammung zeugt auch von Sportlichkeit.

Frank wollte immer mal Icare ausprobieren – mit Blick auf die großzügigen Partien, die unser Lieblingsfranzose mitgibt, ist er auf jeden Fall eine Überlegung wert.

Nochmal Adorator? – Obi ist toll! Aber es wäre auch spannend erstmal zu verfolgen, wie er sich entwickelt.

Kommen wir zu BabyBelle:

Eine große Stute mit viel Körper, Mords Hals und enormen Springvermögen.  Sie ist aktuell tragend von Nathan,  hier warten wir das Ergebnis ab, bevor wir an Wiederholung denken, aber er ist im Rennen.

Von ihren ersten beiden Fohlen können wir sicher berichten, dass sie einen sehr guten Nerv haben! Der Grieche war am Sprung gewaltig und auch gewaltig in seiner Bewegungsdynamik. Den letzten Adel ließ er etwas vermissen.

Vom Blutanteil sogar geringer, aber doch feiner in Typ und Körper ist der Flieger, wobei „fein“ hier auch relativ ist. Er kommt in 2019 unter den Sattel, zeigt sich aber schon patent bei Freispringen und wird sicher ein sehr gutes Ausbildungspferd.

Wer uns hier im Kopf rum schwirrt ist Der Dürer a.d. Dalmatika v. Trafaret. Er war einst Trakehner Springpferdechampion, Interieur-Sieger seines Veranlagungstests, international siegreich in schweren Konkurrenzen unter Michael Jung. 2019 erstmalig im FS-Versand zu bekommen. Das Fragezeichen, dass schon mal bei ihm an der Größenvererbung hängt, darf uns bei BabyBelle grad egal sein.

Last but not least: Masurenglück soll im nächsten Jahr erstmalig belegt werden und selten waren wir so ideenlos…. Am liebsten würden wir Vasnupied nehmen, aber TG fällt bei einer Maidenstute aus. Große Partien sollte der Hengst idealerweise mitbringen und bitte auch schon was im Sport geleistet haben.

Wenn man auf die Entwicklung von Maracana guckt, dann drängt sich Icare auf.

Und aufgrund von Format und Rittigkeit passt hier vielleicht auch Adorator sehr gut.

Berlusconi können wir uns auch hier vorstellen, wollen aber in jedem Falle Blümchens Fohlen abwarten.

Prince Patmos? Seit kurzem quasi in der Nachbarschaft stationiert. Wir mochten Ihn damals bei seiner Körung sehr, dann war er lange im Ausland – hier wäre unsererseits noch was Recherche von Nöten, um eine genaue Meinung auszubilden.

Abschließend betrachtet kann man sagen, dass die Luft doch verdammt dünn wird, wenn man mittlerweile durch den Hengstverteilungsplan blättert und nicht gerade auf schwarz, schön und strampelnd abfährt. Trotz einer riesigen Masse an Hengsten bleibt irgendwie wenig Auswahl….

Wenn hier jemand tolle Ideen hat, freuen wir uns über Kommentare 😉

Türchen 20 – Der Rauch verzieht sich…

Seit 2009 ist die unsägliche Verordnung in Kraft, dass alle neu geborenen Equiden mit dem mistigen Chip gekennzeichnet werden müssen. Deutschland musste die EU-Gesetzgebung mal wieder besonders gut umsetzen und ließ die Möglichkeit für Ausnahmeregelungen in seiner Viehverkehrsordnung ungenutzt, Ausnahmen wären durchaus durchaus möglich gewesen: Österreich machte es vor! Hier gibt es keine keine Transponderpflicht.

In Deutschland nahmen es Verbände und Organe mit Schulterzucken hin. Warnende Stimmen, dass der Heißbrand damit bald der Vergangenheit angehörte wurden belächelt. Trotz Chip durfte ja weiter per Brandzeichen gekennzeichnet werden.

Und dann kam es wie es kommen musste! Bereits ein Jahr nach Inkrafttreten der EU-Verordnung vermeldete die Bundestierärztekammer, dass das Brennen  aus tierschutzrechtlichen Gründen nun nicht mehr zu vertreten sei, da eine Kennzeichnung des Pferdes mittels Heißbrand im Zeitalter des Transponders nicht mehr notwendig wäre. Peta startete die unsägliche Kampagne „Fühl Dich wie ein Pferd“ – abgelichtet war eine Dame die ein Branding auf der Schulter zeigte. Dass die Wirklichkeit sich ganz anderes darstellt, berichteten wir unter anderem hier.

„Fohlen erleiden beim Brennen mit dem verbandseigenen Markenzeichen eine hochgradige Verbrennung, die unter Bildung einer Narbe abheilt. Nur durch diese gezielte Verbrennung bleibt das Brandzeichen permanent sichtbar. Eine Schmerzbehandlung findet nicht statt“ – so die Kritik der Bundestierärztekammer. Weiter: „Mit der neuen EU-Verordnung haben die Brandzeichen ihren Zweck verloren und damit muss die Ausnahmeregelung im Deutschen Tierschutzgesetz aufgehoben werden. Schließlich fügt man dem Fohlen durch das Brennen grundlos Schmerzen zu.“

Nun haben sie sich durchgesetzt, ab 2019 darf kein Brandzeichen mehr gesetzt werden. Der Brand als solches ist dabei gar nicht das Thema, sondern der Schmerz!

Es darf nicht ohne Schmerzausschaltung gebrannt werden. Ein für diesen Anwendungszweck geeignetes und für den den Veterinärbereich zugelassenes Lokalanästhetikum gibt es derzeit aber nicht. Es gäbe wohl geeignete Präparate, aber eine Zulassung ist aus wirtschaftlichen Gründen nicht im Fokus. Die Verwendung eines passenden Humanpräparates nicht zulässig… – Willkommen in der Muppets Show!!

Bei den Schweinen sieht es ganz anders aus: Rein theoretisch hätten die deutschen Ferkelerzeuger  – wie abartig schon dieses Wort klingt!! – ab dem nächsten Jahr nicht mehr ohne Betäubung kastrieren dürfen. Eine Maßnahme, die ja nach gesundem Menschenverstand durchaus mal als notwendig angesehen werden dürfte, denn dass man einem Individuum nicht bei vollem Bewusstsein und Schmerzempfinden die Hoden abschneidet, sollte doch wohl jeder verstehen, oder??

Weit gefehlt!! – Nach Scheitern eines Antrages auf Fristverlängerung im Bundestages, schaltete sich der Koalitionsausschuss  der Regierungsparteien ein und schaffte es, die Übergangsfrist bis zum vollständigen Verbot der betäubungslosen  Kastration um zwei Jahre zu verlängern.

Und erneut rufen wir aus: „Willkommen in der Muppets Show!!!“ –  Hip Hip Hurray, dem Tierschutz ist ein enormer Schritt geglückt! Wir Pferdezüchter, von Hause aus ja sowieso die größten Tierquäler unter Gottes Sonne, sind gezwungen diese unsäglichen Transponder zu nutzen und das Risiko zu tragen, dass die Mist-Dinger wandern wie schon x-Male geschehen und dokumentiert. Und warum? Weil gerne Firmen und Veterinäre Geld verdienen, weil unsere Verbände und Organisationen – allen voran die FN – vollkommen versagt haben und weil wir schlicht und ergreifen keine Lobby haben. Den armen Ferkeln dürfen weiterhin bei vollem Bewusstsein die Eier abgeschnitten werden! …..

Dass der Mikrochip enorme Fehlerquellen bietet, wird ignoriert. Chip nicht mehr lesbar, Einfach einen weitere Chip in das darüber liegende Gewebe gesetzt (es wird nur der oberste gelesen), Chip wandert und verursacht Schmerzen / Fistelbildung bis hin zur OP, etc. pp.

Egal! – Hauptsache die Presse stimmt! Unsere Regierung tut was für den Tierschutz! Sie tut ja auch was fürs Klima, votiert für E-Mobilität (mit Strom aus Braunkohle) und hetzt wider allen wissenschaftlichen Erkenntnissen gegen den Diesel……

Ferkelkastration? – Egal!

Massentierhaltung? – Egal!

Abscheuliche Zustände in Schlachthöfen? – Egal!

Wichtig ist der Heißbrand!!! Denn der bewegt ja anscheinend die Gemüter. Hier hat auch ein jeder, der für 0,99 EUR beim Discounter das Billigfleisch kauft mal die Möglichkeit, ganz ohne dass es seine eigene Komfortzone betrifft, über Tierschutz zu schwafeln….Es ist schlicht und ergreifend unfassbar!!!

Sinnvoll wäre der Schenkelbrand plus DNA-Abstammungsprofil gewesen, ein Weg, der gemäß der europäischenn Vorschriften durchaus hätte bestritten werden können. Er wurde verpennt!! Auf höchster Ebene und mit sehendem Auge! Nun ist es zu spät, der leidtragende ist der Züchter. Und vor allen anderen das arme Fohlen! Das Fohlen, dem eine Mords-Nadel in den Hals gedrückt wird. Das Fohlen das dafür fixiert werden muss, dass sich ggfs. vor lauter Gegenwehr und Schreck überschlägt, das Fohlen, dass Jahre später vielleicht in eine Klinik muss damit der bis zum Genick gewanderte Chip entfernt werden muss.

Wenn die FN und die Zuchtverbände nun lamentieren, kann man nur hoffen, dass sie bei der nächsten Entscheidung etwas früher aufwachen. Denn dieser Zug wird wohl abgefahren sein. Schämt Euch!! Ihr solltet uns vertreten und das Wohl der Pferde im Auge haben. Aufgabe verfehlt, Note sechs, setzen!

Türchen 17 – Von tollen Fohlen und schwarzen Schafen

Wir hatten es schon im letzten Jahr bei den Gedanken zum Pferdemarkt.

Zucht und Sport leben davon, dass es viele Hobbyzüchter wir uns gibt. Und auch, wenn unsere Zucht nicht auf den Fohlenverkauf ausgelegt ist, so stehen sind doch auch die Fohlen schon zum Verkauf. Das ist wirtschaftlich gesehen nicht zuletzt auch so interessant, weil ein Verkauf im jungen Alter das Risiko der Aufzucht für den Züchter nullt. Denn jeder, der sich mit Perden beschäftigt, weiß auch, dass in der Aufzucht jede Menge passieren kann.

Fohlen auf einer Auktion ausstellen zu dürfen zeugt von einer gewissen Qualität und hat dadurch eben auch Werbe-Charakter. Welcher Züchter freut sich nicht, wenn sein Zuchtprodukt zu einer definierten Eliteklasse gehört.

Die Auktionen gelten als Barometer des Marktes und werden von der Öffentlichkeit genauestens beobachtet. Nicht zuletzt definiert sich der Erfolg eines Hengstes auch an den Preisen seiner Nachkommen – Ein Grund warum nicht wenige Vertreter der ersten Jahrgänge eines Vererbers zu enormen Preisen verauktioniert werden. Der werbewirksame Medienrummel ist quasi direkt inklusive.

Ist der Kaufvertrag nun offiziell abgeschlossen, so sollte es an die Erfüllung gehen. Eigentlich! Nach den Auktionen geschehen dann aber mitunter die kuriosesten Dinge. Der Betrag wird nicht auf das in den Auktionsbedingungen angegebene Treuhandkonto überwiesen. Das Fohlen wird nicht, wie in den Auktionsbedingungen angegeben abgeholt, sondern der betroffene Züchter bekommt die Lieferung inklusive Datum und Uhrzeit wann das zu erfolgen hat vorgegeben. Und last but not least bekommt er dann bei Anlieferung mitgeteilt, dass der Käufer nun – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr bereit wäre den Kaufpreis von X zu bezahlen. Wenn er aber schon mal da wäre, könne er das Fohlen für ein Viertel von X trotzdem gerne da lassen. Nicht selten passiert dann genau das.

Dreistheit siegt? – Ganz offensichtlich und der Gelackmeierte ist der Züchter!

Nun kommen wir zurück, dass die meisten Züchter Hobbyzüchter sind und mit Sicherheit ihre rechtlichen Mittel nicht oder nur ungenügend ausschöpfen. Da ist dann die Angst vor Gerichts- und Anwaltskosten, vor dem Aufwand. Kurz: Die meisten ärgern sich still in sich hinein und lassen die Sache auf sich beruhen.

Und wenn man der Meinung ist, das passiert nur auf Auktionen und zu Hause hätte man bessere Optionen, so wurden wir in diesem Jahr eines besseren belehrt! Unser Obi ist ein sehr gutes Fohlen, das schon im Alter von wenigen Tagen / Wochen die entsprechenden Begehrlichkeiten diverser Interessenten weckte. Aufgrund der seltenen Genetik und der Sportlichkeit von Vater und Mutter eine hoch interessante Abstammung, schick, groß, bewegungsstark und korrekt.

Er war schnell verkauft – zumindest auf dem Papier. Der Vertrag war unterschrieben, die Modalitäten waren geregelt – er sollte zur Aufzucht bleiben, ein Aufzuchtskumpel wurde sichergestellt. Anderen Interessenten wurde abgesagt.

Was ausblieb war die Bezahlung. Was dafür folgte, hätte auch eine Episode aus Grimms Märchen sein können. Danach totale „Funkstille“. Nachforschungen im Internet ergaben dann, dass der Käufer es ganz offensichtlich mit der Wahrheit eh nicht so ganz genau nimmt, da es da schon Negativschlagzeilen aus einem anderen Bereich in einer großen norddeutschen Tageszeitung gab. Aber das nutzt uns ja alles nichts, zu guter Letzt war Obi bereits abgesetzt, die anderen Interessenten hatten sich mit Alternativen versorgt und die Aufzuchtsherden waren fest gebildet.

Ein alternativer Verkauf ist vorerst nicht denkbar und Obi bleibt somit zunächst bei uns.

Im Gespräch mit anderen erfuhren wir dann, dass unsere Situation kein Einzelfall ist. Scheinbar ist es mittlerweile Gang und Gäbe die Züchter zu ver*****en. Mit den Hobby-Leuten kann man es ja machen. – Nun, in unserem Falle beschäftigen sich jetzt die Juristen damit. Es ist ja nicht nur der Kaufpreis, der ausbleibt, auch die Folgekosten sind ja nicht zu verachten. Unterbringung und Arbeitszeit, die Futterpreise in 2018 explodieren, eine Lebensversicherung ist von Nöten, Schmied und Tierarzt müssen berücksichtig werden.

Und das schlimmste ist, dass wir uns immer dafür rühmen, unsere Käufer im Sinne unserer Pferde sorgfältig auszuwählen. Aber diese Geschichte zeigt dann, dass man den Menschen eben doch nur vor den Kopf guckt….

Türchen 16 – Wir wünschen wohl geruht zu haben!

Schlafmangel beim Pferd kam in den letzten Jahren immer mal wieder als Thema in den sozialen Medien auf. Vielleicht nicht zuletzt auch wegen der Studien, mit der sich das heutige Türchen befassen soll. Im Titelbild sieht man unsere Glück die langgestreckt ein Mittagsschläfchen hält. Dahinter Omari und Fee.

Die Tierärztinnen Christine Fuchs und Lena Charlotte Kiefner von der Universität München starteten im Jahr 2014 in Zusammenarbeit mit der Pferdezeitschrift CAVALLO eine Studie über das Schlafverhalten von Pferden in Verbindung mit dem Krankheitsbild der Narkolepsie.

Das Pharmaunternehmen Boeringer Ingelheim zeichnete 2018 eine Studie zweier Fachtierärztinnen zum Thema Schlafmangel bei Pferden mit der Tierwohl-Medaille 2018 aus. Wieder dabei war Dr. Fuchs. Der Konzern honoriert die Arbeit von Dr. Anna-Caroline Wöhr und Dr. Christine Fuchs, die sich mit den schweren Folgen von REM-Schlafmangel bei Pferden befasst.

Narkolepsie versus REM-Schlafmangel titelt die Doktorarbeit von Lena Charlotte Kiefner, die von Dr. Anna-Caroline Wöhr mitbetreut wurde und die unter anderem die Ergebnisse der Studie der Studie verwertet und interpretiert.  Für die Studie wurden 37 Pferde per Video und mit einem mobilen Schlaflabor überwacht. Die Pferde wurden verkabelt, um Gehirnströme, Augenbewegungen und Muskelspannungen zu messen.

Eine Begriffserläuterung vorab: Narkolepsie ist eine chronische, neurologische Schlaf-Wachstörung die durch einen Mangel an dem Botenstoff Hypocretin im Gehirn verursacht wird. Anzeichen der Krankheit sind Anfälle, die in der Regel mit einem Verlust des Muskeltonus einhergehen. Die betroffenen Pferde schwanken, taumeln, stolpern und sind exzessiv schläfrig. Ausgelöst werden die narkoleptischen Anfälle durch starke, meist positive Emotionen. Narkolepsie gilt als unheilbar und der Krankheitsverlauf ist schon wenige Stunden nach der Geburt zu beobachten.

Darüber hinaus gilt die Krankheit unter Pferden als extrem selten und laut Literatur sind vor allem Fohlen – keine erwachsenen Pferde – betroffen!

Trotz dieser Tatsachen hört man immer mehr von Pferden mit Narkolepsie. Immer dann, wenn ein Pferd während des Dösens quasi in sich zusammen fällt. Wenn es ihm sprichwörtlich die Beine wegzieht. – Wie kann das sein?

Schon auf der ersten Seite ihrer Doktorarbeit setzt die Autorin „Narkolepsie“ in Anführungsstriche, im Verlauf der nächsten Seiten wird eines deutlich heraus gestellt: Die Probanden waren nicht krank, sie waren sprichwörtlich zum Umfallen müde!

Alle Pferde litten an extremen Schlafmangel, denn ihnen fehlte der REM-Schlaf. „REM“ steht für rapid eye movement, also für die schnellen Augenbewegungen (die während des Träumens auftreten) – auch bekannt als die Traumphase, die im Rahmen der Tiefschlafphase stattfindet. Um diese Phase zu erreichen muss das Pferd zwingend liegen!

Drei bis fünf Stunden schläft das gesunde Pferd pro Tag im Durchschnitt. Den größten Teil nach Mitternacht bis in die Morgenstunden. Gern genommen ist auch das klassische Mittagsschläfchen – was wir im Übrigen auch bei unserer Truppe immer wieder beobachten können. Den Tiefschlaf gibt es beim Pferd entweder flach auf der Seite liegend oder in Brustlage, mit oder ohne Abstützen des Kopfes auf dem Boden.

Das Schlafverhalten der Studien-Pferde wich frappierend von der Norm ab. nur zwei Pferde legten sich überhaupt kurz (~ 25 Minuten) hin. 35 Pferde schliefen gar nicht im Liegen!

Diese ungenügende Regeneration kann das Pferd nur kurze Zeit kompensieren, danach wird es gefährlich! Das Pferd übermüdet dauerhaft und erleidet wiederholt atonische Kollapse . Es fällt stehend in den REM-Schlaf, bei dem die Muskelspannung extrem nachlässt. Ergebnis: Der Kopf sinkt gen Boden, der Köper verliert die Stabilität und schwankt, das Gewicht wird auf die Hinterhand verlagert, die Vordergliedmaßen knicken ein und das Tier stürzt auf Fessel- oder Karpalgelenk. Entweder folgt nun ein Erschrecken mit aufspringen oder der vollständige Sturz.

Folgen dieser Anfälle sind wiederholte Verletzungen im Kopfbereich und an den Vordergliedmaßen, schlimmstenfalls offene Wunden und Frakturen. Sieben Studienpferde mussten wegen ihrer Verletzungen oder psychischer Leiden eingeschläfert werden.

Während der 24-stündigen Überwachung zählten Fuchs und Kiefner bei den untersuchten Pferden 2328 Kollapse – das sind umgerechnet fast 63 Anfälle pro Pferd. Trauriger Höhepunkt bildete ein Pferd mit 199 Kollapsen – ergo: Im Schnitt ein Kollaps alle sieben Minuten. Die Pferde kollabierten vor allem nachts, meist in den frühen Morgenstunden, was der normalen Schlafenszeit entspricht, denn zu dieser Zeit sind gesunde Tiere meist im REM-Schlaf. Also ebenso wie die Probanden, nur dass die sich nicht dafür abgelegt hatten…

Mirage kam 2008 mit diagnostizierter „Narkolepsie“ zu uns. Während des Ruhens sank ihr Kopf langsam immer tiefer. Es folgte ein Einknicken in den Vorderbeinen.. – Meist wurde sie dann daraufhin wieder wach. Aber alte Kitschen und Macken zeugten für, dass es wohl nicht immer funktioniert hat. Wir sind damals das erste mal mit dem Thema konfrontiert worden. So richtig bewusst gemacht hatten wir uns das irgendwie gar nicht und hatten da auch kein richtiges Bild von vor Augen. Und natürlich macht man sich dann Gedanken und Sorgen, aber die „Narkolepsie“ erledigte sich wenige Wochen nach der Ankunft… Vorbei! Nix mehr.

Die Erkenntnisse der Studie legen die Vermutung nahe, dass es vor allem daran gelegen haben mag, dass Mirage genügend schlief!

Als Ursachen für die Entstehung eines permanenten REM-Schlafmangels bennent die Studie verschiedene Faktoren: Fluktuation in der Herde, Rangordnungsprobleme, unruhige Umgebung, gesundheitliche Probleme (Aufstehprobleme), Bodenbeschaffenheit und extreme Witterungsbedingungen.

Begonnen hat der Mist wohl nach einer schlimmen Beinverletzung mit Klinikaufenthalt, was zu den oben genannten gesundheitlichen Proglemen passen würde. Danach stand Mirage in einem großen Stall, war dort auch immer ranghoch und mit starkem Beschützerdrang ausgestattet. Gesundheitliche Probleme gab zumindest offensichtlich nicht mehr, die Box als solche hätte für das große Pferd größere Maße haben dürfen, aber sie hatte ein Paddock davor, insofern würde man eigentlich denken, dass das schon passte. Bodenbeschaffenheit und Witterung sind auch auszuschließen. Es muss also auch das äußere Umfeld gewesen sein, das soviel Unruhe in die Stute gebracht hat, dass sie eben nicht genug schlief.

Bei uns hat sie sich schnell dem gemütlichen Gruppenschlaf angeschlossen. Vielleicht weil sie quasi ab dem Tag ihrer Ankunft trächtig war? – Denn schließlich passiert da auch hormonell so einiges im Köpfer. Vielleicht auch,weil Mattes sie direkt nach Ankunft ihrer Chef-Position enthob? Weil sie in eine absolut ruhige, kleine Herdenstruktur kam und mit Belle direkt eine Freundin hatte, die auch im Stall ihre Nachbarin war? Wir wissen es nicht. In jedem Fall schlief sie. Das konnten wir nämlich auf der Kamera überwachen. Und die „Narkolepsie“ hatte sich erledigt.

Die Studie zeigt auf, wie wichtig es ist, stetig ein Auge auf das Wohlbefinden unserer Pferde zu halten. Ein Auge darauf zu halten, ob jedes einzelne Individuum auch genügend zur Ruhe kommt. Gerade in der Gruppenhaltung! Ist die Boxe groß genut, legt sich das Pferd genügend ab? Traut es sich oder hat es „Platzangst“? Bei Boxen, die einen Kontakt über die Wände erlauben: Stimmt das soziale Miteinander? Oder wird da gar einer gemobbt wenn der in der Box steht, weil zwei ranghöhere von rechts und links giften oder sogar beißen?

Schlaf ist essentiell für das psychische und physische Wohlbefinden – nicht nur beim Manschen, sondern auch beim Pferd! Und der Halter ist verpflichtet, dafür Sorge zu tragen.

Quellen:

https://edoc.ub.uni-muenchen.de/19431/1/Kiefner_Lena%20Charlotte.pdf

https://www.cavallo.de/pferde-medizin/pferdemedizin-kopf-bis-huf/schlafstoerungen-bei-pferden-so-helfen-sie.1657476.233219.htm

https://www.pferd-aktuell.de/fn/newsticker/umwelt-und-pferdehaltung/tierwohl-medaille-2018-fuer-studie-zu-schlafmangel-bei-pferden

https://www.reiterrevue.de/ausbildung-und-praxis/gesundheit/aufgedeckt-so-schlafen-pferde-9639701.html

Türchen 15 – Oksana glücksbeseelt

In wenigen Tagen wird Oksana 27 und wer ihre Geschichte schon was länger verfolgt, der könnte meinen, das Bild im Türchen oben sei aus der Retorte, sei aus der  Zwillingszeit. Aber weit gefehlt, das Bild ist von Anfang November. Oksana ist soooo glücklich, sie hat endlich wieder „eigene“ Kinder 🙂

Das ganze fing schon früh im Sommer an. Die O-Sippe rottet sich ja eh immer auf einen Haufen: Blümchen, Omari und Oksana stehen meist zusammen. Omari war im Übrigen auch sehr pikiert, dass er nicht bei den beiden Weibern bleiben durfte, als es dann den Obi gab. Aber Oksana war von Beginn an mit dort, ebenso wie die zweite Stute, die dieses Jahr bei uns fürs Abfohlen gastierte. – Die erste Wiese wurde von der durch und durch dunkelbraunen Truppe bevölkert.

Oksana war von Beginn an wieder die perfekte Oma. Geduldig ertrug sie es, wenn die beiden Jungs um sie rum und auf ihr drauf turnten. Obi besuchte Blümchen zeitweise nur zur Nahrungsaufnahme und trollte sich dann wieder zur Oma.

Als uns Komtessa, so der Name der Gast-Stute, im November dann verließ, adoptierte sie Krümel selbstverständlich sofort. Und da es ihn ganz offenbar glücklich zu machen schien ließ, sie ihn dann eben auch ans Euter. Obi orientierte sich zunächst noch mehr an seiner Mutter, die ja noch in erreichbarer Nähe war, akzeptierte aber auch nach kurzer Zeit, dass eben nun Oksana die Aufsicht übernommen hatte.

Und Oksana ist soooo zufrieden damit. Sie beschützt und behütet „ihre“ Kinder, bewacht ihren Schlaf, genießt die Fellpflege und lässt sie selbstverständlich mit aus ihrem Trog fressen.

Bald 27 Jahre und Oksana ist das blühende Leben! In ihrer Aufgabe ist sie nun einfach  unbezahlbar!Natürlich bleibt das Absetzen für die Fohlen ein einschneidendes Erlebnis, aber wir meinen doch, dass die Oma es um einiges erträglicher macht. Hoffentlich bleibt sie uns noch lange erhalten!