Türchen 10 – Warten auf Bel … oder Belle …

Nachdem es in 2017 mit BabyBelle nicht klappte, hieße es in 2018 „ein Schuss ein Treffer“! Babybelle trägt von Nathan de la Tour. Errechneter Geburtstermin ist der 25. März 2019.

Der imposante Schimmelhengst war Körungssieger, vierjährig Finalist in Fontainebleau, fünf und sechsjährig mehrfach siegreich in Springen bis 1,30 Meter und qualifiziert für das Championat in Fontainebleau. Siebenjährig war er siegreich und platziert in Springprüfungen bis 1,40 Meter auf internationalen Turnieren. Dort schlug er Pferde, die später in Großen Preisen erfolgreich waren und mit denen er sich hätte messen können und sollen aber leider beendete 2008 ein Unfall seine Sportkarriere.

Nachdem die französoschen Staatsgestüte aufgelöst wurden erwarb ihn ein Syndikat engagierter Züchter “ Génétiqu‘ Anglo und er war für drei Jahre der meistgenutze AA Vererber in Frankreich. 2017 konnte Landstallmeistering Astrid von Velsen-Zerweck ihn für Marbach sichern.

NATHAN DE LA TOUR / Bild mit Genehmigung des HuLG Marbach

Sein Vater ist zu Lebzeiten bereits eine Vererberlegende: Fusain du Defey. Der 1993 geborene, 165 cm große Schimmel war zu seiner Zeit Finalist der Weltmeisterschaft der jungen Springpferde und später in schwersten, internationalen Springen erfolgreich.

Dessen Vater Phosphor´d`or war ebenfalls in schweren Springen erfolgreich , bevor er Frankreich verließ und in Italien als Deckhengst wirkte.Großvater Unicol ‚Or AA ist im Übrigen über Feticheur ebenfalls väterlicher Großvater bei Icare ‚ d Olympe.

Die Mutterlinie von Fusain du Defey zeichnet sich durch viele höchstsportliche Nachkommen aus, einige Töchter wurde Hengstmütter, wie beispielsweise Ladybird de Buissy die Mutter des Rock’n Roll Animal, der vier-, fünf- und sechsjährig Finalist in Fontainbleau, dem Nachwuchs-Championat für französisch gezogene Springpferde, war.

Auch die Mutterlinie von Nathan de laT our geben die französischen Quellen mit besonderer Qualität an:

Die ersten Nachfahren von Nathan wurden in 2007 geboren und schon 2009 sicherten sich zwei zweijährige Nachfahren Höchstnoten In Pompadour: Sein Sohn TORRENT BIBOULET  erzielte die beste Punktzahl im Freispringwettbeweb und  seine Tochter THEMIS DES MARTRETTES gewann ihre Abteilung bein den zweijährigen Stuten.

Seither haben sich die Nachkommen des  sportlich profilieren können und errangen beachtliche Erfolge in Spring- und Vielseitigkeitsprüfungen bis zur schweren Klasse. (https://de.calameo.com/read/005464629fbfa97435342)

2018..

.. gewann sein Sohn, der sechsjährige NINJA DE SAGAZAN Z, das französische Junioren Championat  in Tartas mit seiner jungen Reiterin.

..wurde Nathans Tochter FOLLOW ME PALIJA dritte bei der französischen Meisterschaft der 3-jährigen Pferde mit CCE-Ausrichtung anlässlich des Mondial du Lion d’Angers.

… sah Bayern aus dem ersten Jahrgang des Nathans in Marbach 2018 sein Hengstfohlen-Champion. KASHMIR, ein Sohn der ehemaligen Eintragungssiegerin Kassaya von Imperio überzeugte das Richtergremium mit guter Linienführung, Typstärke, toller Galoppade und Leichtfüßigkeit – „Ein Modellathlet, wie man ihn sich wünscht!“ titelt die bayrische Zuchtbezirks-Homepage.

Auch wir sahen einige kleine Nathans und waren sehr überzeugt!

Nach den positiven Erfahrungen mit Icare und Belle,  sind wir gespannt, wie der nächste Anglo zu dieser Sutenfamilie passt.

Ob es ein Bel oder eine Belle wird? – Wenn man vom Verhalten der Stute auf das Geschlecht schließt, dann bekommen der Grieche und der Flieger erneut einen Bruder. Genau wissen wir es dann Ende März, denn von Weihnachten an sind es noch 90 Tage zum errechneten Termin; das wird das früheste Fohlen, dass wir je hatten. Hoffen wir darauf, dass wir erneut einen April mit sommerlichen Temperaturen genießen dürfen, damit Mutter und Kind auch direkt unbeschwert nach draußen können.

Türchen 9 – Verliebt in einen Franzosen – Kennenlernen von Vasnupied de Jonkiere AA

Wir hatten es bereits im letzen Jahr, dass die Suche nach springpatenten eHngsten für die Trakehnerzucht zwingen den französchischen Angloaraber mit einbeziehen sollte. Eine Zucht, aus denen sich die springorientierten Selle Francaise immer wieder bedienen darf nicht ohne Beachtung bleiben.

Im Januar 2018 reisten wir nach Frankreich um dort einmal an der „Route des Etalons“ teilzunehmen. Bei der „Straße der Hengste“ öffnen große Vollblutgestüte die Tore für Besucher und präsentieren ihre Vererber. Am Rande bemerkt: Wenn man auf den Hügeln des Aga-Kahn-Studs steht und über die zugehörigen Ländereien schaut, dann kotzt einen die eigene Armut schon manchem richtig an… 😉

Am Tag unserer Anreise durften wir aber dank Organisation von Andrea Müller noch einen besonderen Besuch machen, wir besuchten Vasnupied de Jonkiere AA im heimischen Stall. Der Sohn des angesehenen Vererbers und WM-Finalisten in Lanaken, Laurier de Here, war uns rein von Pedigree-Studien und Eigenleistung in 2017 bereits positiv aufgefallen und wir freuten uns riesig, den Hengst persönlich unter die Lupe nehmen zu dürfen. Die Gastfreundschaft und das Zuvorkommen des französischen Teams rund um den Hengst ist besonders hervorzuheben!

Die Fakten zum Hengst in Kürze:

Vasnupied startete hoch erfolgreich in Jungpferdeprüfungen, war Finalist im Finale der besten französischen Springpferde in Fontainebleau und konnte bereits siebenjährig die ersten Erfolge in Springen der Klasse S verbuchen. In den Jahren 2017 und 2018, also im Alter von acht Jahren, bzw. neun Jahren , stehen Platzierungen in schweren internationalen Springprüfungen über 1,45 m und 1,50 zu Buche.

Seine ersten Nachkommen wurden erst 2017 geboren, so dass über die Nachkommenleistung keine Aussage getroffen werden kann.

Vasnupieds Vater Laurier de Here konnte fünfjährig das französische Jungpferdechampionat in Fontainebleau für sich entscheiden und war im gleichen Jahr Finalist bei der Weltmeisterschaft der jungen Springpferde in Lanaken. Er lief hoch erfolgreich in der schweren Klasse, ebenso wir sein Vater Veloce de Favi X UND seine Mutter, Aurore du Maury X, die ebenfalls Erfolge über 1,50 Meter erzielte.

Vasnupieds Mutter bringt in vierter Generation unter anderem auch das wertvolle Blut des Angloarabers Massondo, der sich im Pedigree einiger Ausnahmespringpferde wieder findet.

Kurzum: Eine unter Leistungsgesichtspunkten ausgesprochen reizvolle Abstammung!

Als wir bei Vasnupied eintrafen stand der Herr gerade gechillt auf dem Putzplatz und wurde hergerichtet.

Unser erster Eindruck: Ein in sich ruhender Hengst mit großem, schönen Auge – ausgesprochen sympathisch! Ein durch und durch freundliches Pferd.

Guter Körper mit toller Schulter,  gutem Widerrist und langer gut bemuskelter Kruppe. mords Hals.

Korrektes Fundament  mit starkten Gelenken und großen runden Hufen. Die offiziellen Angaben weisen ihn mit 1,68 m Stockmaß aus, aber wer wirkte größer auf uns. In jedem Falle ein mächtiger Hengst, da ist nichts spiddeliges dran.

Dann bekamen wir ihn vorgeritten und ebenso wie schon beim Putzen und Satteln zeigte sich Vasnupied unaufgeregt und gelassen im Auftritt. Das Tor zum Reitplatz öffnete sich auf Lichtschranke – er wartete gelassen.

Wir sahen einen sehr guten Schritt mit sicherem Takt und viel Übertritt. Einen lockeren, guten Trab und einen sehr guten Galopp zeigte er ebenfalls.

 

Was uns aber wirklich in den Bann zog, war sein wirklich tolles Wesen. Er arbeitet sehr gut und konzentriert mit, getrenst mit Wassertrense und ohne Sperr-Riemen. Kaum dass er zum Schritt durchpariert wurde, ging er diesen sofort gelassen am langen Zügel.

Zurück ging es dann durch die Stallgasse. Auch hier gab es kein Hengst-Gehabe nur freundlich interessierte Blicke nach links zu den Ladies – auch wenn die , wie die Dame auf dem unteren Bild dafür nicht in Stimmung waren.

Kurzum: Wir waren verliebt! Verliebt in einen Hengst mit einem Traum-Interieur und werden den Versuch mit TG bei ihm in jedem Falle wagen. Nicht in 2019, aber vielleicht 2020. Gerät 4.0?

Türchen 8 – Trainingsrunden im Deutsche-Bank-Stadion der Aachener Soers

Nach 14 Jahren Abstinenz wurde doch dieses Jahr tatsächlich erstmalig wieder eine Jahresturnierlizenz beantragt. Zielsetzung waren eigentlich nur die Hunter-Gelände-Prüfungen mit Fee, aber dann fiel das Arabertrunier in Aachen auf. Parallel zum All-Nations-Cup wird dort in der Soers ein Turnier veranstaltet und in den Prüfungen sind auch arabische Partbreds startberechtigt. Der Mindestanteil an ox-Blut muss 12,5 % betragen, bei kurzem Nachrechnen waren somit sowohl Fee als auch Franzi startberechtigt.

Aachen! Da musste dann alleine fürs Feeling genannt werden 🙂 Was für eine grandiose Location. Es lohnte sich schon nur fürs Abreiten hinzufahren.

Am Abend zuvor wurden dann die Turniersachen raus gelegt und auch das Sakko, dass eine Maßschneiderung (vor 16 Jahren…) war, wurde selbstsicher aus dem Schrank gegriffen… und gleich wieder weg gehangen… In der Taille wärs wohl noch gegangen, aber leider bleibt dann auf Dauer das Gebrassel was man hier so hat nicht ganz unbemerkt. Es saß im Schultergürtel doch was spack… und wer will schon sein Come-Back damit besiegeln, dass dem Richtergremium nicht die Leistung, dafür aber die Knöpfe ins Auge springen.. 🙂 Also in aller Frühe noch schnell los zum freundlichen Ausstatter mit dem blauen Pferdekopf und dann ging es ab zum Turnier.

Fee war Freitags dran und lief zwei A-Springen. Zunächst war auch unser Gerät sehr beeindruckt von der Kulisse. Da wurde Fee beim Einreiten ins Stadion doch tatsächlich kurz was schüchtern.

Aber sie machte einen guten Job, in der zweiten Prüfung besser als in der ersten, da schon was energischer auftretend (klar, jetzt kannte sie sich ja schließlich aus). Zwar hatten wir Hindernisfehler – einfarbig bronze-gold war an dem Tag nicht unser Ding, den haben wir in beiden Runden an die Erde getreten – aber summa sumarum waren wir sehr stolz und zufrieden für den (Wieder-)Einstieg ins Turnierleben.

Samstag war Franzi dran, Eignung und A-Dressur waren genannt.

Sie machte einen ganz prima Job, lies sich – obwohl sehr beeindruckt – brav durchs Viereck steuern und ordentlich reiten. Leider vereitelte unser Vorderpferd eine noch bessere Dressuraufgabe, weil es zwischendurch auch völlig blockierte. Als wir dann im Parcours waren gabs die nächste Glanzleistung und das Paar veließ das Stadion… nicht ganz das, was man sich in einer Jungpferdeprüfung wünscht, aber sei es drum, trotz kurzer Irritation in Richtung Ausgang sprang Franzi ihren Parcours brav und fehlerfrei zu Ende – Nur reichte es eben am Schluss dann nur zum vierten Platz.

Aber auch hier waren wir ganz stolz und glücklich und haben uns darüber gefreut einen so schönen Reit-Tag verbracht zu haben. Auf die Dressur haben wir dann aber verzichtet, denn Transport, Abreiten, Aufgabe und Platzierung hatten unsere Franzi doch auch ein bisschen erschöpft und man merkte dass die sprichwörtliche Luft raus war. Da musste man nicht noch eine Prüfung hinterher quetschen und dem Pferd die Freude nehmen. Es wurde also das Aachen-Foto geschossen und nach Hause gefahren.

Im nächsten Jahr sind wir wieder dabei!!

Türchen 7 – Oblivion, von Adorator aus der Oka-Blümchen von Phlox

Das siebte Türchen soll unserem diesjährigen Fohlen gehören: Oblivion. Die Entwicklungsgeschichte des kleinen Fuzzis haben wir auf der Hompepage dieses Jahr sträflichst vernachlässigt, irgendwie „macht man dann mal schnell Facebook“, weil das so bequem ist mit dem Bild-Upload und dem Teilen und überhaupt… aber richtig ist es natürlich nicht, denn sollte jemand etwas zu unserem Obi suchen, wird er wohl mit dieser Homepage anfangen. Deswegen hier sein erstes halbes Jahr im Resümee:

Punktgenau brachte Blümchen am Sonntag den 15.04.2018 ihren zweiten Sohn zu Welt. ~105 cm groß, schick, korrekt, ordentliche Gelenke. Dass er ein Schimmel ist, war von Anfang an zu erkennen.

Der Name Oblivion wurde in Anlehnung an seinen Vater Adorator gewählt. Adorator = Verehrer und Oblivion ist der Verehrer in der Form eines Waldelfen in The Elder Scrolls IV. Die englische Bedeutung haben wir dabei völlig ignoriert und hoffen einfach mal, dass er dennoch nicht in Vergessenheit gerät 😉

Die Geburt war schnell und unkompliziert, lediglich Blümchens Freude über ihr erneutes Mutterglück ließ sie – mal wieder! – eiligst aufspringen, auch wenn der kleine Fuzzi noch nicht gänzlich ins Stroh geglitten war. Die Hinterbeine steckten noch im Geburtskanal als sie schon hoch sprang und sich eiligst und voller brummelnder, aufgeregter Freude zu ihrem Fohlen drehte. Die Nabelschnur riss also sehr frühzeitig und durch das hektische rumdrehen hatten wir dann Wände in schillernder Schlachthaus-Optik. Frisch ging es dann also direkt nachts um eins mit Schwamm und Tuch den Boxenwänden zu Leibe, bevor die Suppe festtrocknen konnte…

Sein Fohlenprogramm erledigte Oblivion formvollendet, begleitet von einer Streber-Blümchen in ihrer erneuten Rolle der Super-Mami. Erstes Aufstehen, Aufsuchen der Milchbar und Absetzen des Darmpechs, alles erfolgte nach Lehrbuch.

Züchterfreude in Reinkulter: Mutter und Kind friedlich schlummernd nach der Geburt. Rechts wacht BabyBelle, links wacht Franzi.

Charakterlich entpuppte sich der kleine Obi dann so ziemlich als das kuscheligste, was wir jemals gezogen haben, vor allem, wenn man die Hengste betrachtet. er genießt es selbst, an den Ohren gezogen zu werden.

Körperlich entwickelte er sich mit Sieben-Meilen-Stiefeln, Blümchen gab gut und genug Milch, schnell stand da ein propperes Kerlchen, der am liebsten im Vollgas unterwegs war. Aber auch die wenigen Momente, die wir ihn mal im Trab betrachten durften, waren sehr, sehr überezeugend!

Un so war es dann auch zur Fohleneintragung: Er erhielt 54,5 Punkten – vergeben durch den Zuchtleiter Lars Gehrmann, der den Galopp als das „Highlights des Tages“ bezeichnete und das phantastisch aktive Hinterbein herausstellte.

Und damit repräsentiert er in allen Attributen seinen Vater, denn Adorator bestach bei seiner Körung ebenfalls mit mit großer Galoppade und viel Mechanik und Aktion im Trab.

Blümchen mal Adorator, das hat sehr gut gepasst und das werden wir auch noch einmal wiederholen. In Türchen 21 im letzten Jahr hatten wir mal die Erwartungen an diese Anpaarung skizziert und sehen sie nun voll und ganz bestätigt.

Was bei Blümchens Kindern auffällt, ist dass man sich in den ersten Wochen die Hälse länger wünschen würde. Das kommt dann mit den Monaten der Entwicklung, aber zu Beginn wirken sie erst etwas stuckig. Das war bei Orik so und nun dieses Jahr auch bei Obi.

In sportlicher Hinsicht glauben wir, dass da mal richtig was draus werden kann. Das Pedigree repräsentiert jede Menge Sport. Über Generationen nur Pferde, die die „dicke“ Tour gelaufen sind. Ein fast ausschließlich osteuropäisches Pedigree. Das ganze gespickt mit genügend Blut … Wir hoffen, er findet seine späteren Förderer im Busch. Denn wir glauben fest daran, dass er da hin gehört. .. Man wird sehen. Bis dahin heißt es ihn gesund groß zu bekommen!

Türchen 5 – Mal ein paar Gedanken zum Interieur….

Nachdem wir in den letzten Tagen die M’s hatten, wollen wir heute ein paar Gedanken zum Interieur los werden.

Der Einfachheit halber zitieren wir hier zunächst aus Wikipedia:

Als Interieur bezeichnet man in der Pferdezucht beziehungsweise im Pferdesport typischerweise zugeschriebene psychische Eigenschaften und Verhaltensweisen von Rassepferden. Im Gegensatz dazu werden die physischen Eigenschaften als Exterieur bezeichnet. Interieur und Exterieur dienen somit der Charakterisierung und Einschätzung eines Hauspferdes und sind als Kriterien Bestandteil von Eignungsprüfungen in der Pferdezucht.

Interieur-Eigenschaften: Unter dem Begriff Interieur werden verschiedenste Verhaltens- und Charaktereigenschaften subsumiert. Zu den wichtigsten zählen dabei positive Eigenschaften wie Ausgeglichenheit, Ruhe, Gutmütigkeit, Nervenstärke, Temperament, Aufmerksamkeit, allgemeine Intelligenz, Auffassungsvermögen und Begabung, Sozialverhalten oder negative Eigenschaften wie beispielsweise Angst, Nervosität, Überreaktion oder so genannte Charakterfehler wie Beißen, Scheuen, Schlagen, Sprungverweigerung oder Nichtziehen (Kutschpferde).

Wenn man mal davon ausgeht, dass vom Grundsatz her alle Warmblutzuchten sich gleichende Wesensmerkmale im Zuchtziel verankert haben, dann lohnt sich doch ein Blick auf die öffentlichen (Turnier-)Plätze und auch die Frage „Wo steht die moderne Pferdezucht eigentlich aktuell?“ Inwieweit sind wir – im Sinne von „wir Pferdezüchter im Allgemeinen“ in der Lage diesem Anspruch an ein verlässliches, gutes Interieur gerecht zu werden? – Denn eins haben wir in all den Jahren noch nicht erlebt, dass ein Interessent anrief und sagte, er hätte gerne ein A****loch-Pferd 😉

Sicher, das heutige Titelbild ist schon was Wendy, aber wir wollen die Titel nach Möglichkeit passend zum Thema und aus dem eigenen Archiv befüllen, was würde also besser passen, als Omari und sein Reitfloh, auch wenn mit Kindern liegend im Sand kuscheln kein ausgeschriebenes Zuchtziel ist. 😉 – Dennoch zeigt es immerhin, dass Omari ausgeglichen genug ist und die Ruhe hat, in einer solchen Situation liegen zu bleiben. Zudem ist er gutmütig genug, sich von seinem Menschen knuddeln zu lassen und klug genug zu wissen, dass ihm dabei nichts passiert.

Wenn wir uns eine leistungsorientierte Zucht auf die Fahne schreiben wollen, so muss das Bestreben stets der Spitzensport sein. Schaut man die Springpferdeprüfungen in Warendorf oder Lanaken an, dann kann man nur demütig die Augen nieder schlagen, Heiliger BimBam was laufen da Flugzeuge rum!! Naturgegebene Spitzenspringer, mit Vermögen ohne Ende – sie sind schlicht phänomenal!!!

Als Züchter ist man immer interessiert an Abstammungen, vergleicht, schaut – und guckt selbstverständlich über den Tellerrand des eigenen Tuns. Und so fährt man auch zum Turnier und guckt… und guckt… und guckt … und stellt fest, dass alle nur mit Wasser kochen und auch bei überragenden Flugzeugen eins gilt: „Sie müssen es nicht nur können, sie müssen es auch wollen!“ Da lohnt es sich eben auch immer, nicht nur auf die zu gucken, die mit den Klimkes, Ehnings und Kutschers dieser Erde erfolgreich laufen, sondern auch mit Lieschen Meier und Fritz Schmitz brav und bemüht ihre Runden drehen. – Dass sie nämlich eben dies tun, ist ein Zeichen von gutem Interieur! Dann braucht es auch gar nicht das allerletzte, überragende Vermögen, wenn das Ziel ein gemeinsames ist! Es bringt wenig Freude der Weltmeister des Abreiteplatzes zu sein, wenn im Parcours bei einer bunten Planke die Reise zu Ende ist oder im Dressurviereck die Blume bei C stört… – Auch Themen des Interieurs!

Als negative Eigenschaften werden übertriebene Schreckhaftigkeit / Ängstlichkeit, Nervosität, Überreaktion, dazu die Charakterfehler Beißen und Schlagen oder die simple „Arbeitsverweigerung“ (Sprungverweigerung im Parcours, Nichtziehen vor der Kutsche, Blockieren im Viereck) angesehen.

Nun muss man sich vor Augen führen, dass das soziale Herdentier Pferd eigentlich immer – wenn irgend möglich und wenn es sich körperlich und geistig wohl fühlt – das Richtige tun wollen wird. Das bedeutet nicht, dass es da im Laufe der Ausbildung / Sportlaufbahn nicht auch mal Hürden zu überwinden gilt, aber grundsätzlich sollte man von Kooperationsbereitschaft ausgehen dürfen.

Zunehmend stellt es sich aber auf Turnier- und Körplätzen anders dar!  Da wir Trakehner züchten, wollen wir nur „unseren“ Hengstmarkt heranziehen und Neumünster 2018 lieferte dieses Jahr ein eindrucksvolles Zeugnis! Unserer Meinung nach auch ein linienspezifisches Problem! Wenn alle Nachfahren einer Stute ein bestimmtes Verhalten an den Tag legen, dann zeigt man auf die Mutter. Wenn ein hoher Prozentsatz an Nachfahren eines Vaters / einer bestimmten Hengstlinie ein unerwünschtes Verhalten an den Tag legt, und das auch noch in ähnlichen Mustern – nämlich aktiv gegen den Menschen -, dann macht man es sich unserer Meinung nach zu einfach damit, nach fadenscheinigen Ausreden zu suchen und im Zweifel den Ausbildern / Reitern die Schuld in die Schuhe zu schieben!

Das moderne Bergauf-Pferd mit aufsehenerregender Motorik (und gerne in dunkler Jacke) ist seit Jahren der Verkaufsschlager und ist unserer Meinung nach auch ein Teil der mittlerweile existierenden Interieur-Problematiken. Die Physik dieser Pferde, diese herangezüchtete Formveränderung, die sowohl die Gesundheit als auch die Stabilität völlig aus den Augen verliert, bringt nicht nur direkte gesundheitliche Probleme mit sich.

Ein instabiler Körper ist für das Fluchttier Pferd im höchsten Maße alarmierend! Und die Reaktionen darauf sind unterschiedlich: Reagiert das eine Individuum mit Schreckhaftigkeit und Angst, reagiert das andere Individuum mit Gegenwehr bis hin zum offenen Angriff.  Insofern stimmt es, die Anforderung an die Ausbildung wird in der Tat immer höher, weil auf die individuellen Probleme des jeweiligen Tieres eingegangen werden muss. Eines sollte man aber unserer Meinung nach nicht tun: Ihnen die Chance geben, sich zu Hauff zu vermehren!

Und wenn sie auch für ’ne 12 traben, wir haben in den letzten Jahren nur wenig Reiter kennen gelernt, die an einem solchen Freizeitpartner Spaß hätten. Von Eltern, die ein Pferd für Ihre jugendlichen Kinder suchen mal ganz abgesehen, erfahrungsgemäß bevorzugen diese es, wenn der Sprössling in einem Stück und wohlbehalten aus dem Stall nach Hause kommt.

Der Markt braucht Pferde mit gutem Interieur. Gelassen und ruhig, wach und intelligent, die aufgrund ihrer Coolness gut und schnell lernen und die gerne mit machen wollen. Die sich gerne ausbilden lassen und aufgrund ihrer Konstitution und ihrer Einstellung in der Lage sind, die hohen Klassen zu erreichen.

Deswegen ist und bleibt für uns das Interieur bei der Wahl der Vatertiere einer der wichtigsten Faktoren! Hier gibt es keine „Wenns“ oder „Abers“!