Türchen 5 – Mal ein paar Gedanken zum Interieur….

Nachdem wir in den letzten Tagen die M’s hatten, wollen wir heute ein paar Gedanken zum Interieur los werden.

Der Einfachheit halber zitieren wir hier zunächst aus Wikipedia:

Als Interieur bezeichnet man in der Pferdezucht beziehungsweise im Pferdesport typischerweise zugeschriebene psychische Eigenschaften und Verhaltensweisen von Rassepferden. Im Gegensatz dazu werden die physischen Eigenschaften als Exterieur bezeichnet. Interieur und Exterieur dienen somit der Charakterisierung und Einschätzung eines Hauspferdes und sind als Kriterien Bestandteil von Eignungsprüfungen in der Pferdezucht.

Interieur-Eigenschaften: Unter dem Begriff Interieur werden verschiedenste Verhaltens- und Charaktereigenschaften subsumiert. Zu den wichtigsten zählen dabei positive Eigenschaften wie Ausgeglichenheit, Ruhe, Gutmütigkeit, Nervenstärke, Temperament, Aufmerksamkeit, allgemeine Intelligenz, Auffassungsvermögen und Begabung, Sozialverhalten oder negative Eigenschaften wie beispielsweise Angst, Nervosität, Überreaktion oder so genannte Charakterfehler wie Beißen, Scheuen, Schlagen, Sprungverweigerung oder Nichtziehen (Kutschpferde).

Wenn man mal davon ausgeht, dass vom Grundsatz her alle Warmblutzuchten sich gleichende Wesensmerkmale im Zuchtziel verankert haben, dann lohnt sich doch ein Blick auf die öffentlichen (Turnier-)Plätze und auch die Frage „Wo steht die moderne Pferdezucht eigentlich aktuell?“ Inwieweit sind wir – im Sinne von „wir Pferdezüchter im Allgemeinen“ in der Lage diesem Anspruch an ein verlässliches, gutes Interieur gerecht zu werden? – Denn eins haben wir in all den Jahren noch nicht erlebt, dass ein Interessent anrief und sagte, er hätte gerne ein A****loch-Pferd 😉

Sicher, das heutige Titelbild ist schon was Wendy, aber wir wollen die Titel nach Möglichkeit passend zum Thema und aus dem eigenen Archiv befüllen, was würde also besser passen, als Omari und sein Reitfloh, auch wenn mit Kindern liegend im Sand kuscheln kein ausgeschriebenes Zuchtziel ist. 😉 – Dennoch zeigt es immerhin, dass Omari ausgeglichen genug ist und die Ruhe hat, in einer solchen Situation liegen zu bleiben. Zudem ist er gutmütig genug, sich von seinem Menschen knuddeln zu lassen und klug genug zu wissen, dass ihm dabei nichts passiert.

Wenn wir uns eine leistungsorientierte Zucht auf die Fahne schreiben wollen, so muss das Bestreben stets der Spitzensport sein. Schaut man die Springpferdeprüfungen in Warendorf oder Lanaken an, dann kann man nur demütig die Augen nieder schlagen, Heiliger BimBam was laufen da Flugzeuge rum!! Naturgegebene Spitzenspringer, mit Vermögen ohne Ende – sie sind schlicht phänomenal!!!

Als Züchter ist man immer interessiert an Abstammungen, vergleicht, schaut – und guckt selbstverständlich über den Tellerrand des eigenen Tuns. Und so fährt man auch zum Turnier und guckt… und guckt… und guckt … und stellt fest, dass alle nur mit Wasser kochen und auch bei überragenden Flugzeugen eins gilt: „Sie müssen es nicht nur können, sie müssen es auch wollen!“ Da lohnt es sich eben auch immer, nicht nur auf die zu gucken, die mit den Klimkes, Ehnings und Kutschers dieser Erde erfolgreich laufen, sondern auch mit Lieschen Meier und Fritz Schmitz brav und bemüht ihre Runden drehen. – Dass sie nämlich eben dies tun, ist ein Zeichen von gutem Interieur! Dann braucht es auch gar nicht das allerletzte, überragende Vermögen, wenn das Ziel ein gemeinsames ist! Es bringt wenig Freude der Weltmeister des Abreiteplatzes zu sein, wenn im Parcours bei einer bunten Planke die Reise zu Ende ist oder im Dressurviereck die Blume bei C stört… – Auch Themen des Interieurs!

Als negative Eigenschaften werden übertriebene Schreckhaftigkeit / Ängstlichkeit, Nervosität, Überreaktion, dazu die Charakterfehler Beißen und Schlagen oder die simple „Arbeitsverweigerung“ (Sprungverweigerung im Parcours, Nichtziehen vor der Kutsche, Blockieren im Viereck) angesehen.

Nun muss man sich vor Augen führen, dass das soziale Herdentier Pferd eigentlich immer – wenn irgend möglich und wenn es sich körperlich und geistig wohl fühlt – das Richtige tun wollen wird. Das bedeutet nicht, dass es da im Laufe der Ausbildung / Sportlaufbahn nicht auch mal Hürden zu überwinden gilt, aber grundsätzlich sollte man von Kooperationsbereitschaft ausgehen dürfen.

Zunehmend stellt es sich aber auf Turnier- und Körplätzen anders dar!  Da wir Trakehner züchten, wollen wir nur „unseren“ Hengstmarkt heranziehen und Neumünster 2018 lieferte dieses Jahr ein eindrucksvolles Zeugnis! Unserer Meinung nach auch ein linienspezifisches Problem! Wenn alle Nachfahren einer Stute ein bestimmtes Verhalten an den Tag legen, dann zeigt man auf die Mutter. Wenn ein hoher Prozentsatz an Nachfahren eines Vaters / einer bestimmten Hengstlinie ein unerwünschtes Verhalten an den Tag legt, und das auch noch in ähnlichen Mustern – nämlich aktiv gegen den Menschen -, dann macht man es sich unserer Meinung nach zu einfach damit, nach fadenscheinigen Ausreden zu suchen und im Zweifel den Ausbildern / Reitern die Schuld in die Schuhe zu schieben!

Das moderne Bergauf-Pferd mit aufsehenerregender Motorik (und gerne in dunkler Jacke) ist seit Jahren der Verkaufsschlager und ist unserer Meinung nach auch ein Teil der mittlerweile existierenden Interieur-Problematiken. Die Physik dieser Pferde, diese herangezüchtete Formveränderung, die sowohl die Gesundheit als auch die Stabilität völlig aus den Augen verliert, bringt nicht nur direkte gesundheitliche Probleme mit sich.

Ein instabiler Körper ist für das Fluchttier Pferd im höchsten Maße alarmierend! Und die Reaktionen darauf sind unterschiedlich: Reagiert das eine Individuum mit Schreckhaftigkeit und Angst, reagiert das andere Individuum mit Gegenwehr bis hin zum offenen Angriff.  Insofern stimmt es, die Anforderung an die Ausbildung wird in der Tat immer höher, weil auf die individuellen Probleme des jeweiligen Tieres eingegangen werden muss. Eines sollte man aber unserer Meinung nach nicht tun: Ihnen die Chance geben, sich zu Hauff zu vermehren!

Und wenn sie auch für ’ne 12 traben, wir haben in den letzten Jahren nur wenig Reiter kennen gelernt, die an einem solchen Freizeitpartner Spaß hätten. Von Eltern, die ein Pferd für Ihre jugendlichen Kinder suchen mal ganz abgesehen, erfahrungsgemäß bevorzugen diese es, wenn der Sprössling in einem Stück und wohlbehalten aus dem Stall nach Hause kommt.

Der Markt braucht Pferde mit gutem Interieur. Gelassen und ruhig, wach und intelligent, die aufgrund ihrer Coolness gut und schnell lernen und die gerne mit machen wollen. Die sich gerne ausbilden lassen und aufgrund ihrer Konstitution und ihrer Einstellung in der Lage sind, die hohen Klassen zu erreichen.

Deswegen ist und bleibt für uns das Interieur bei der Wahl der Vatertiere einer der wichtigsten Faktoren! Hier gibt es keine „Wenns“ oder „Abers“!

Türchen 4 – Mirages Jungs Maravedi und Mirar

Bei Mirages Nachkommen hieß es ja 2:1 für die Jungs. Und wären Maravedi oder Mirar Stuten gewesen, dann hätten sie uns wohl nicht verlassen. Vielmehr: Wäre Maravedi eine Stute gewesen, hätte es dann Masurenfee und Mirar überhaupt noch gegeben?  – Denn schließlich war Mirage ja gepachtet, verließ uns aber nach Maravedi und kam erst im Folgejahr zurück. 2009 Maravedi, 2011 Masurenfee und 2012 Mirar.

Wie die meisten Hengste wurden auch Mirages Jungs irgendwann zu Wallachen und mussten unserer Züchterstall verlassen. Und bei beiden können wir voller Glück sagen, dass sie ein spitzenmäßiges Zuhause fanden!

MARAVEDI von Hope of Heaven aus der Mirage von Sarafan fand dreijährig, kaum annonciert, einen neuen Besitzer, machte dort trotz seines jungen Alters einen super Job für eine Wiedereinsteigerin und wurde sehr geliebt. Als seine Besitzerin erneut Mutter wurde, gönnte sie ihrem Maravedi Urlaub in Wahn und wir arbeiteten an der weiteren Ausbildung.

Wie das Leben so spielt, stellte sich heraus, dass sich Familie und Pferd eben nicht mehr vereinbaren ließen und Maravedi stand erneut zum Verkauf. Das war etwas, das wir niemals erwartet hatten und das uns auch echt betrübte. Wichtig war allerdings, dass er ein sehr gutes zu Hause findet und das fand er dann auch.

Maravedi wechselte in die Schweiz und ist dort mit seiner Besitzerin in ihrer Freizeit vielseitig unterwegs. Auch die ersten Turniere meisterten die beiden zur Zufriedenheit und so zeigt sich, dass auch eine Second-Hand-Karriere genau das sein kann, was man sich als Züchter eigentlich wünscht. Es ging quasi über Umwege in die Heimat auf Lebenszeit.

MIRAR von Phlox aus der Mirage von Sarafan – unser Schmali – fand seine neue Besitzerin erst fünfjährig, bis dahin allerdings schon erfolgreich bis Springpferde-L. Und je länger wir mit diesem lieben Schlumpf arbeitete, desto sorgsamer wurden wir auch in der Selektion der neuen Besitzer.

Denn so ein Schatz wie er war und auch noch ist, galt es jemanden zu finden, der ihn nicht jedes Wochenende „schrubbt“. Es dauerte, aber dann fand Schmali seine Mia! Seitdem ist er der Prinz auf der Erbse….. 🙂

Stückchen für Stückchen raufen die beiden sich zusammen, fuhren erste Erfolge im Gelände und im Springparcours ein, mit Lisa Hemmer platzierte er sich 2018 in Zeiskam auf dem Silberrang in der Geländepferde A.

Anfang Oktober erreichte uns die tolle Botschaft, dass Mia und Mirar ab 2019 wohl zum Perspektiv-Kader der jungen Vielseitigkeitsreiter in Hessen gehören werden. Wir freuen uns sehr darüber und sind stolz auf unseren Schmali! Denn dass ein sechsjähriger sich von einer jugendlichen Reiterin so bedienen lässt zeugt vor allem für seinen Charakter. Natürlich fragt er hin und wieder wohl auch mal die Konzentration an und verlangt ordentliches Reiten, aber wenn das alles stimmt, dann macht er auch einfach seinen Job.

Wie auch bei Engel werden wir regelmäßig über Schmalis Werdegang informiert und freuen uns sehr darüber! Das alles so hautnah mitverfolgen zu dürfen, ist schon toll und wir sind gespannt darauf, was die beiden in den nächsten Jahren noch alles erreichen werden.

Es ist schön, wenn man für seine Pferde solche neuen Eimerträger findet!!

Ein herzlicher Dank geht an dieser Stelle an Meike Düsterwald, die uns die Fotos von unserem Schmali auf dem Trakehner Perspekivlehrgang Vielseitigkeit zur Verfügung stellte!

Türchen 3 – Gerät 3.0 … oder Glück muss man haben!

Das dritte Türchen soll unserer Glück gehören. MASURENGLÜCK von Davidas aus der Masurenfee von Bonaparte N AA wird 2019 drei Jahre alt und nach zwei Jahren Pause werden wir also 2019 wieder eine Stute zur Zentralen Eintragung vorstellen. Das hier erstrebte Ziel ist es selbstverständlich, noch einmal den Preis der besten Springstute zu gewinnen und da macht sie auch allem Anschein nach einen guten Job über den Balken, aber letztlich ist es auch immer die Tagesform, die entscheidet. Bei einem jungen Pferd kann viel beeinflussen; sie sind dreijährig noch immer im Wachstum,  manche lassen sich von neuen Kulissen beeindrucken und nicht zuletzt schläft die „Konkurrenz“ auch nicht auf dem sprichwörtlichen Baum…

Viel wichtiger als das An-der-Hand-Gehampel ist dann sowieso die Eignung unterm Reiter und einen erstmaligen Test dazu wird es im Rahmen der SLP geben. Und auch wenn Ihr Vater im Rahmen seiner HLP durchaus ein Fragezeichen zum Thema Rittigkeit hinterlassen hat, erwarten wir bei Glück vom ganzen Verhalten eigentlich im nächsten Jahr das  Gerät 3.0. 🙂

Wir kennen diese Familie einfach schon zu lange und so pfiffig und vorwitzig, so unendlich cool in allem und so nett mit dem Menschen wie sie sich verhält, wird auch das Anreiten dieser Vertreterin sicherlich kein Thema sein. 162 cm weist das Stockmaß aktuell aus und auch damit sind wir höchst zufrieden!  Wir erinnern uns, Ihre Mutter wurde dreijährig zu Ihrer Eintragung mit 165 cm gemessen, nun siebenjährig und erwachsen hat sie die 170 cm erreicht. Die „M“ sind eben spätreif, sie wachsen langsam, aber halten dafür eben auch lange und sind lange gesund.

Davidas war einer von zwei Junghengsten für die wir uns in den letzten 10 Jahren entschieden. In beiden Fällen basierte diese Enscheidung auf den „Bums“ am Sprung in Neumünster und auf dem Vertrauen in die nachgewiesene Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit der vorangegangenen Generationen auf internationaler Ebene.

Richtung Springen anzupaaren ist immer eine spannende Sache, denn tatsächlich bewerten, ob es gelungen ist, kann man frühestens mit Beginn des Freispringens. Sehr gutes Freispringen ist zwar immer noch kein Garant für gutes Springen unterm Reiter, aber zumindest eine Aussage über Möglichkeiten kann getroffen werden. Vermögen und Einstellung zu Arbeit können das erste Mal gesichtet werden.

Freispringen bei uns ist ja immer so ein Thema. Normalerweise sind wir zu zweit. „S“ und „F“ und natürlich der Eimer 🙂

Der Eimer steht dann mangels Träger alleine in der Mittes des oberen Zirkels und darf vom springenden Protagonisten frei nach Überwinden der Reihe aufgesucht werden. Dies schafft die notwendige Zeit für den Umbau der Springgasse und den Pferden ist klar, dass es erst auf erneutes Kommando wieder weiter geht. Anders funktioniert es bei uns eben nicht, wir haben keine Mannschaft von von vier bis fünf Personen zum Freispringen parat.

Den Gipfel findet das Ganze dann, wenn einer auch noch fotografieren will, denn dann steht das scharfe Foto versus Peitschenführung. 🙂

In jedem Falle haben wir auch mit Glück das Freispringtraining begonnen und sind sehr begeistert von unserer Maus! Sie hat Übersicht, Mut und Vermögen! Sie springt schön durch den Körper, mit genügend Vorsicht und zeigt eine sehr ordentliche Technik. Das sind definitiv Attribute, die für die weitere Arbeit sehr vielversprechend sind.

In den Grundgangarten zeigt sie sich ebenso gut und immer locker wie ihre Mutter. Das ist ein junges Pferd, was wir uns sehr gut in der Ausbildung vorstellen können und das sicher mal viel Spaß unterm Sattel machen wird. 2019 wird ein spannendes Jahr für unsere Glück. Wie es weiter geht steht dann auch offen. Ob wir sie einmal decken lassen? Und wenn ja, von wem denn dann? Zugegebenermaßen finden wir den ab 2019 in Hämelschenburg stationierten Zauberdeyk hier spannend. Auch wenn er sich als Van-Deyk-Sohn nicht aufzwingt, wenn man großes Augenmerk aufs Springen legt, aber er war selbst im Busch bis ** erfolgreich und seine Mutter Zauberlied stammt vom Doppelvererber Friedensfürst und hat Märchenprinz zum Großvater, der ebenfalls aus der Stutenfamilie der Maricka stammt…. wäre spannend! Oder nochmal einen Anglo dran? Der Springcrack Der Dürer? Alles ist noch ungewiss, keine Planung ist fix.

Einen aktuellen Eindruck wollen wir aber zumindest heute hinterlassen. Hier sind ein paar Pics vom letzten Freispringen:

Türchen 2 – Gerät 2.0 aka „Maracanã“ aka „Engel“

Die Geschichte „unserer“ Engel dieses Jahr hier zu erzählen, macht besondere Freude!

Maracanã von Icare d’Olympe AA aus der Masurenfee von Bonaparte N AA. Zu Pedigree und Sportdaten der Vorfahren wird der geneigte Leser wieder per Suchfunktion auf dieser Homepage fündig.

Es ist schon immer toll, wenn man Pferde in liebevolle Hände abgeben kann und die passenden Menschen fürs Pferd findet. Wenn dann noch eine gewisse sportliche Ambition dazu kommt, umso schöner, denn man freut sich als Züchter ja auch, wenn die Pferde mal repräsentativ in der Öffentilichkeit auftreten. Wenn man dann aber einen Dreiviertelblüter mit der Perspektive Busch züchtet und diesen dann in das Deutschlands Vielseitigkeitsmekka, nämlich direkt nach Luhmühlen, verkaufen kann und weiß, dass eine Förderung in diese Richtung mit tollen Ausbildern passieren wird, dann ist das einfach ein Träumchen! 🙂

2018 war der Moment der Wahrheit für „unsere“ Engel gekommen – Die Eintragung und das Anreiten standen an. Bei der Eintragung im Mai hatte sie sich einige Tage zuvor auf der Weide „zerissen“ und blieb leider unter ihren Möglichkeiten. Noch während der Veranstaltung wurde eine Schwellung am Oberschenkel deutlich sichtbar, da waren wohl ein paar Muskelfasern involviert und so war der Galopp auf der rechten Hand quasi inexistent. Dennoch gab sie sich mit allem sehr große Mühe und gab ihr Bestes.

Wieder Daheim wurde das auskuriert und es folgte ab Juli das Anreiten. Und wir durften bei allem per WhatsApp live und in Farbe dabei sein! Von jedem Ausbidlungsschritt wurde ein Video an „Oma und Opa“ gesendet. Es wiederholten sich die beschreibenden Wörter „Cool“, „undramatisch“, „unspektakulär“, „lässig“ und  „unkompliziert“. Herzchen- und Freude-Smileys waren ständige Begleiter der Kommunikation.

Und weil „einfach geradeaus“ ja bekanntermaßen das beste für junge Pferde ist, ging es nach kurzer dann mit Begleitpferd ins Gelände: „Mutig“, „unerschrocken“ und „neugierig“. Der Wechsel in die Halle wurde Im späten Herbst vollzogen – wie nicht anders zu erwarten: Brav. Im November durfte sie dann auch schon mal im Gelände über ein paar Baumstämme galoppieren, durchs Wasser traben, eben so nette kleine Sachen, die man auch sehr gut mit einer Ende-Dreijährigen machen kann. und wie sollte es anders sein? – Auch das machte sie mit Bravour. Und ja, nach der Kommentierung durch den Ausbilder träumen wir auch ganz leise ein Bisschen von Warendorf für 2021.

Dreimal die Woche wird sie nun gearbeitet und sie entwickelt sich den Verlautbarungen nach mit Sieben-Meilen-Stiefeln. Wir sind stolz!!  Und wenn man dann Nachrichten wie die Folgende bekommt, dann ist das Glück perfekt. Denn schließlich wollen wir doch REITpferde züchten, oder? Für glückliche Reiter und für den Spaß am Sport für beide Parteien. Engel ist Gerät 2.0 – wir sind sicher!!

 

Türchen 1 – Der Gerät :-)

Und zack! Da ist es schon wieder Dezember….. Wie jedes Jahr stellte sich im Vorfeld die Frage“ Wollen wir wieder einen Adventskalender schreiben?“ – Und wenn ja, was und wozu wollen wir eigentlich schreiben.

Der geneigte Leser wird an dieser Stelle erkennen, dass wir uns für „Ja, wir schreiben wieder.“ entschieden haben. 🙂 Tja, und was? – Nun, in 2018 feiern wir 10-jähriges Bestehen unserer kleinen Zucht,  2008 deckten wir unsere erste Zuchtstute. Wir haben uns entschieden, in diesem Adventskalender die letzten zehn Jahre einmal zu beleuchten. Wie sind wir gestartet und wo stehen wir heute. Wo wollen wir gerne in weiteren 10 Jahren stehen?

Und auch, wenn alles mit Belle begann, so soll doch das erste Türchen einer „M“ gehören. Nicht zuletzt auch deswegen, weil wir unseren lieben alten Morgenstern in der letzten Woche im Alter von 26 Jahren auf seine letzte Reise geschickt haben.

Morgenstern, der eigentlich für uns das Ideal darstellte, der unser persönliches Zuchtziel verkörpert: Ein leistungsbereites uns leistungsfähiges Pferd, mit überragendem Interieur. Sportler, Lehrer, Kindermädchen – alles in einem, alles immer gut. „Seine“ Reitabzeichen-Mädels, die er vor mehr als einem Jahrzehnt brav durch die Prüfungen schaukelte, erinnerten sich in der letzten Woche so nett an ihn auf Facebook.

Seiner mütterlichen Nichte MASURENFEE von Bonaparte N AA aus der Mirage von Sarafan soll heute dieses Türchen gehören. Genug geschrieben haben wir über unsere Herzfamilie, die Familie der Maricka. Ebenfalls genug geschrieben haben wir auch schon über ihren Vater Bonaparte N  – der geneigte Leser mag die Suchfunktion der Seite nutzen, gerade zu den „M“ wird er fündig werden.

Als wir 2010 Erhard Schultes Empfehlung es doch mal mit „Blut dran“ zu versuchen folgten, trafen wir beileibe nicht bei allen Trakehner-Verbands-Protagonisten auf Zustimmung. Letztlich haben wir die Frage „Was wollt Ihr denn damit?“ dann irgendwann nur noch mit „Irgendwann über die dicken Balken reiten“ beantwortet.

Was folgte ist Geschichte – Championatsfohlen, dreijährig beste Halbblutstute, unproblematisches Anreiten, vierjährig erstes Fohlen von Icare d‘ Olympe AA und SLP, fünfjährig zweites Fohlen von Davidas, sechsjährig sollte sie auf Turnier starten und verletzte sich aber unglücklich, so dass sie erst siebenjährig, also 2018, wirklich in Gang kam – ….und das mit der alten Frau S, die spät in ihrer Reitsportkarriere nun den Busch für sich entdeckt hat 😉

Fakt ist aber auch, dass Heldentum ab einem gewissen Alter ausgestorben ist! Der „5“ vor der Null näher als der „4“ und in dem Bewusstsein, dass man, wenn man stürzt nicht nur „Rücken“, sondern eine Woche „Körper“ hat, darf man es gerne auch ruhiger, kleiner, langsamer angehen lassen. Das Ganze ist dann dadurch auch mit einer gewissen Portion Zweifel an der eigenen Person/ den eigenen Fähigkeiten gespickt.

Und dann sitzt man auf „DER GERÄT!“ und es ist einfach phänomenal! Die direkte Verbindung zwischen zwei Punkten ist die Gerade! Was im Weg steht wird gesprungen. Immer! Und es ist einfach beruhigend, zu wissen, dass man auf einem Pferd sitzt , das es nicht nur kann, sondern das es auch will!! Dass man mit der sprichwörtlichen Hose voll gegen ein Hindernis reitet und weiß, im Zweifel einfach das Pferd machen lassen und man kommt schon auf der anderen Seite an, weil sie schnell genug, gut genug und mutig genug ist, um das alles umzusetzen. Dass man dieses Pferd das allererste Mal in seinem Leben über einen Wassereinsprung reitet und sie zieht durch, als hätte sie nie etwas anderes getan – ja, das ist schon toll!!

Das man als Züchter eines solchen Pferdes die Freude genießen darf, das erfühlen zu dürfen, was man sich da so zusammen gezüchtet hat, ist schon etwas ganz Besonderes!! Sich bestätigt zu fühlen, vor zig Jahren in die richtige Richtung gedacht zu haben, macht stolz! – Sicher, wenn der Reiter besser wäre, dann hätte Fee bestimmt noch ganz andere, viel größere, Möglichkeiten! Aber fest steht auch, dass wir beide uns mögen, dass wir uns unsere jeweiligen Unzulänglichkeiten gerne verzeihen und dass man sich als alte Frau bei all dem Mist den man schaufelt , und dem Futter das man schleppt und den Nächten, die man sich als Züchter um die Ohren schlägt auch einfach mal den Luxus eines guten Reitpferdes leisten sollte. Für sich. Für den Spaß. Und dafür, dass man auch die künftigen Nachtwachen für die künftigen „Geräte“ gerne macht. 😉