Adventstürchen 11 – 2014 / Devi Danae von Abdullah Mutter von Davidas

Tür11-2014Heute, im letzten Teil zum Davidas soll es um seine Mutter Devi Danae gehen, die die ostpreußische Stutenfamilie der Demira (S39) vertritt.

DEMIRA war eine 1940 in Ostpreußen geborene Rappstute, deren Wurzeln sich sowohl in der ostpreußischen Landeszucht, als auch in der Posener Zucht finden lassen. Vererber des Hauptgestütes hatten im Gen-Mix dieser Stute keine Bedeutung. Vielmehr ist es ein Pedigree, welches auf Weedener Genen aufgebaut wurde. Vater Demir war ein Produkt Weedener Linienzucht auf den französischen Vollblüter Charmant xx, dem in den historischen Zuchtbüchern eine sehr gute Vererbung zugeschrieben wurde.

Das Nazi-Regime untersagte 1944 der Bevölkerung bis zu Letzt die Räumung von Ostpreußen. Als die Erlaubnis endlich erteilt wurde, standen die Russen schon auf der Türe. Demira war eines der vielen Treck-Pferde, die mit ihren Besitzern floh und sie gehörte zu den viel zu Wenigen, die nicht den Panzern zum Opfer gefallen waren und im Westen ankamen. Demira absolvierte also 1944 das, was wohl als die größte „Leistungsprüfung“, die es jemals in der Geschichte einer Zucht gegeben hat, angesehen werden darf. Ohne Ausdauer, Zähigkeit und Härte hätte es die kleine Rappstute wohl kaum in den Westen geschafft.

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges war es dem unermüdlichen Einsatz einiger weniger Enthusiasten zu verdanken, das die Trakehner Zucht nicht unterging. Eine jener Persönlichkeiten war Dr. Fritz Schilke. Er organisierte den Neuanfang der Trakehner Zucht in Westdeutschland maßgeblich mit, identifizierte Stuten, deren Herkunft in den Kriegswirren verloren gegangen war und organisierte die Zucht neu. So registrierte er auch Demira bei Ihrem Besitzer Horst von Cramer in Niedersachsen.

Vier Fohlen bekam Demira bevor sie wegen einer Unfallverletzung 1958 getötet werden musste. Unter diesen vier Fohlen war nur ein Stutfohlen: DUENA von Absalon, ein Hengst, der noch direkt aus dem Hauptgestüt stammte und darüber hinaus das Blut der beiden letzten bedeutenden Hauptbeschäler Tempelhüter und Morgenstrahl führte. Absalons Mutter Abfahrt war eine der erfolgreichsten Stuten aus Trakehnen. In Verbindung mit Poseidon brachte sie auch die Hengste Abendstern und Absinth sowie die Stute Abendluft, die Mutter des Hengstes Abglanz wurde, der der hannoverschen Zucht seinen Stempel aufdrückte.

Von Cramer behielt Duena und sie wirkte sowohl in der hannoverischen Zucht als auch in der Trakehnerzucht. Letzterer stellte sie drei Töchter vom braunen Verstärkerhengst Impuls, der zeitlebens auf dem Gestüt Webelsgrund wirkte und zu einem der Vererber der Nachkriegszeit avancierte und maßgeblich zur Verbesserung der Größe und Substanz in der Trakehner Population beitrug.

Das Trakehner Hengstbuch 1975 charakterisiert Impuls als starken und bedeutenden, dabei trotzdem edlen Beschäler mit groß angelegten Partien und sehr guten Gelenken, allerdings eher engen Hufen. Die Bewegungen waren sehr schwungvoll. „Im ganzen doch ein richtiger Hauptbeschäler“, so das Resümee. Besonders als Lieferant wertvoller Mutterstuten hat sich Impuls hervorgetan; seine Töchter bestachen durch Substanz, Stärke und Korrektheit. Unter seinen Kindern waren die S-Dressurpferde Marcellus und Hurrican und das S-Springpferd Falke sowie zahlreiche M-Dressur- und Springpferde. Kassim v. Impuls nahm 1972 unter dem Namen Immanuel am olympischen Dressurwettbewerb für die DDR teil.

Die 1971 geborene braune DORNRÖSCHEN von Impuls brachte es dann bereits sechsjährig unter Karl-Heinz Tillmann zu Erfolgen in Springprüfungen der Klasse M und schaffte so Begehrlichkeiten. Mister und Misses Abdullah, Sue und Terry Williams, erwarben Dornröschen für ihre Zucht und importierten die Springerin in die USA, wo sie zunächst weiter im Sport aktiv und erfolgreich blieb, bis sie schließlich Abdullah *Pg*E* zugeführt wurde.

„Abdullah Superstar“ titelt ein Buch was der Lebensgeschichte dieses Ausnahmehengstes gewidmet ist. Abdullah war Weltcupsieger in Berlin, bestes Pferd der WM 1986, mehrfacher Nationenpreissieger und Silbermedaillenträger auf der Olympiade in Los Angeles 1984…über Abdullahs Erfolge ließe sich seitenlang schreiben und wer kennt nicht den imposanten Schimmel der 80er Jahre? Gezüchtet vom Gestüt Birkhausen, im Bauch seiner Mutter, der Ausnahmestute E.St. Abiza *E*, von Familie Schickedanz nach Kanada importiert, als Junghengst vom Ehepaar Williams erworben und dort 25 Jahre lang gehegt und gepflegt.

Abdullah wurde gesund in den Ruhestand verabschiedet und hat bereits einige erfolgreiche Nachkommen auf seinem „Tanzkärtchen“ stehen: Special Memories *Pg* (Springen S international), Rüdiger (Dressur S), Sonset’s Sieger (Vielseitigkeit M), Abracadabra oder auch Airborne Monticello (beide Springen S international), Schnesturm TSF und Alaskatraum seien hier stellvertretend genannt.

1980 brachte Dornröschen von Merkur die Fuchsttute DEMETER. Merkur hat sich in den USA durch seine auch in höheren Klassen erfolgreichen Nachkommen in Vielseitigkeit, Springen und Hunter-Prüfungen hervorgetan. Auch Demeter war siegreich in Hunterprüfungen bevor sie in die Zucht ging.

1994 schenkte sie Devi Danae – DeeDee- das Leben, die sich jedoch als junges Pferd so unglücklich verletzte, dass sie leider niemals geritten werden konnte. Die 165 cm große bunte Fuchstute wurde von Margaret Mac Gregor ausschließlich in der Zucht eingesetzt und überzeugte hier mit ihren guten und rittigen Nachkommen.
Mit Devi Danielle von Tigre lieferte sie unter anderem eine „Model-Stute“ (~ Prämienstute) und ihr Sohn Donatello’s Wind *Pg* von Windfall gewann die ATA Hunter Stakes 2009 – ebenso wie DeeDes Vollschwester Samba Mood (ex Dione *Ps*) in den Jahren 2000 und 2001.

Devi Danae in 2008 mit Fohlen Dea Dianthe von Troy (v.Amiego*Ps*E*) / www.holdershill.com

Margaret MacGegor schätzte neben des besonderen Predigrees von DeeDee  ihr wundervolles Wesen und auch die Fruchtbarkeit. Fortschreitende Artrosen aus ihrer o.g. Verletzungen zwangen Sie jedoch dazu, DeeDee in 2014 auf ihre letzte Reise zu schicken. Mit Davidas ist DeeDee nun ihr Meisterstück gelungen, das ihr hoffentlich ein Denkmal setzen wird. Und natürlich in ihrer Fuchsfarbe. Auch er mit dem vornehmen Wesen seiner Mutter ausgestattet. Ein würdiger Vertreter des Slogans „Trakehner Weltweit“!

2 Gedanken zu „Adventstürchen 11 – 2014 / Devi Danae von Abdullah Mutter von Davidas

  1. noch etwas vergessen,
    ich hoffe es sehr, dass man in einigen jahren auch ein büchlein schreiben kann
    über : „davidas superstar , das leben des erfolgreisten springpferdes der welt“
    das zeug hat er.
    vg
    horst

  2. hallo simone,
    wieder ein genial geschriebenes türchen,
    aber wie alle dieser türchen viel,viel,viel zu kurz.
    vg
    horst

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